Von Dividenden leben: Der Realitätscheck
#Finanzbildung

Von Dividenden leben: Der Realitätscheck

Author

Patrick May

Viele Anleger träumen davon, eines Tages nur von den Erträgen ihrer Investitionen leben zu können. Keine täglichen Arbeitswege, keine Vorgesetzten – stattdessen finanzielle Unabhängigkeit und die Freiheit, das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Lassen Sie uns diesen Traum aber zunächst einmal durch die Mühle der Realität drehen. Starten wir zunächst mit einer kurzen Einführung in das Thema Dividenden: Dividenden sind Gewinnausschüttungen von Unternehmen an ihre Aktionäre. Jedes Jahr entscheiden die Unternehmen also, wie viel ihres Gewinns sie an die Anteilseigner weitergeben wollen. Diese Ausschüttungen können jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich erfolgen. Der Reiz von Dividenden liegt darin, dass sie eine regelmäßige Einkommensquelle darstellen, ohne dass Aktien verkauft werden müssen. Die Höhe der Dividende wird dabei in der Regel in Relation zum Aktienkurs angegeben, was als Dividendenrendite bezeichnet wird. Eine Dividendenrendite von 3.5 Prozent beispielsweise bedeutet, dass der Anleger für je 100€ investiertem Kapital, jährlich 3.50€ als Dividende erhält.

Schauen wir uns ergänzend noch einige Exempel für solide Dividendenzahler an, die trotz wirtschaftlicher Schwankungen zuverlässige Erträge bieten: AT&T, einer der weltweit größten Telekommunikationsanbieter, bietet beispielsweise trotz Dividendenkürzung eine Dividendenrendite von 6.5 Prozent. Die kanadische Bank of Nova Scotia hingegen weist eine lange Dividendenhistorie auf, die bis ins Jahr 1832 zurückreicht. Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 6.6 Prozent gehört sie ebenfalls zu den Hochkarätern in diesem Bereich. Sanofi wiederum, ein französischer Pharmariese, der bekannt ist für seine stabile Geschäftsentwicklung, bietet eine Dividendenrendite von 4.3 Prozent. Das Unternehmen hat seine Dividende in den letzten 29 Jahren kontinuierlich erhöht und plant, diese Tradition fortzusetzen. Dividenden-Aristokraten aus unseren Aktien-Paketen – also Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren kontinuierlich ihre Dividenden erhöhen – sind unter anderem Volkswagen, Verizon, Johnson & Johnson, Philip Morris International oder die Altria Group.

Die magische Zahl: Wie viel Kapital braucht man wirklich?

Widmen wir uns nun einmal den nackten Zahlen. Laut dem Statistischem Bundesamt benötigt ein Einpersonenhaushalt in Deutschland monatlich etwa 1 700€ für den ganzen Spaß des Lebens – Miete, Strom, Essen, Freizeit. Das macht rund 20 400€ im Jahr. Da wir in der Realität aber nicht in einer steuerfreien Utopie leben, kommen noch Steuern hinzu, sodass jährlich etwa ein Brutto-Dividendenbetrag von etwa 27 700€ erzielt werden müsste (Berücksichtigung von Kapitalertragssteuer und Solidaritätszuschlag). Nun die Millionenfrage: Wie viel Geld muss in Aktien investiert werden, um diesen Betrag allein durch Dividenden zu erzielen? Bei einer moderaten Dividendenrendite von 3.5 Prozent – zum Beispiel durch ETFs wie den Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF oder den iShares STOXX Global Select Dividend 100 UCITS ETF – landet der Anleger bei einer benötigten Summe von knapp 791 400 € – das ist die Realität!

Die Mathematik der Dividenden ist dabei recht simpel: Ein Depot von 100 000€ bei einer Dividendenrendite von 3.5 Prozent bringt jährlich etwa 3 500€ ein. Skaliert man das hoch, wirft ein Depot von 1€ Million jährlich bereits 35 000€ ab. Diese Zahlen zeigen, wie stark die Höhe der Dividenden vom eingesetzten Kapital und der erzielten Rendite abhängt. Bei einem Depot von 350 000€ und einer Rendite von 3.5 Prozent wären es jährlich etwa 12 250€. Mit 500 000€ und 3.5 Prozent Rendite lägen die jährlichen Gewinne hingegen bei 17 500€. Diese Berechnungen verdeutlichen, dass der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit stark von der Spar- und Investitionsstrategie abhängt. Jedoch ist zu beachten, dass auf die Dividenden Kapitalertragssteuer (25 Prozent) und Solidaritätszuschlag (5.5 Prozent auf die Kapitalertragssteuer) erhoben werden. Diese Steuern mindern den Nettobetrag der erhaltenen Dividenden. Bei der Planung der finanziellen Unabhängigkeit muss daher berücksichtigt werden, dass die erzielten Brutto-Dividenden ausreichen, um nach Abzug der Steuern den gewünschten Lebensstandard zu sichern. Nur so kann realistisch kalkuliert werden, welches Kapital tatsächlich erforderlich ist, um allein von Dividenden leben zu können.

Dividenden sind entsprechend verlockend, bieten sie doch regelmäßiges Einkommen, ohne dass Aktien verkauft werden müssen. In Niedrigzinsphasen sind sie oft attraktiver als festverzinsliche Wertpapiere. Aber es ist dennoch Vorsicht geboten: Es gibt keine Garantie für Dividenden. Unternehmen müssen Gewinne erzielen und diese an die Aktionäre ausschütten. Ein wirtschaftlicher Abschwung oder unternehmensspezifische Probleme können die Dividenden gefährden. Ist es also möglich, nur von Dividenden zu leben? Ja, aber es ist ein langer, steiniger Weg, gepflastert mit Disziplin, Geduld und einem guten Maß an Realismus. Es heißt also: Analysieren, investieren, dranbleiben und das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

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Patrick May

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