Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Vivek Ramaswamy hat eine Minderheitsbeteiligung an BuzzFeed erworben. Er kaufte in den vergangenen Monaten fast drei Millionen Aktien des angeschlagenen Medienunternehmens, was ihm einen Anteil von 7.7 Prozent einbrachte und ihn zum viertgrößten Investor in Class-A-Aktien machte. Die Börse reagierte umgehend auf ein entsprechendes Dokument der nordamerikanischen Börsenaufsicht (engl. Securities and Exchange Commission, kurz SEC), das am Mittwoch veröffentlicht wurde, kurzzeitig explodierte die Nachfrage nach dem Wertpapier. Der Schritt sorgte für Spekulationen und erinnerte viele Marktbeobachter an die Übernahme von Twitter durch Elon Musk. Eine Quelle, die Ramaswamy nahestehen soll, bezeichnete den Vorgang als „interessante Wette“ und sagte am Mittwoch zur Nachrichtenseite Mediate: „Vivek, der Anti-Woke-Krieger, würde durch den Kauf eines großen Anteils an einem der wokesten Medienunternehmen Amerikas dem langjährigen Investor signalisieren, dass er beabsichtigt, es in eine Plattform für freie Meinungsäußerung zu verwandeln“. Die genauen Hintergründe sind allerdings nicht bekannt.
Ein Medienunternehmen in der Krise
Buzzfeed, dessen Website buzzfeed.com mit bis zu 150 Millionen Besuchern pro Monat eines der beliebtesten Medienportale im englischsprachigen Raum ist, hat seit seinem Börsengang im Jahr 2021 mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Bereits Ende 2022 begann das Unternehmen mit dem Abbau von Arbeitsplätzen und begründete dies mit dem schlechten digitalen Werbeumfeld. In seinem letzten Geschäftsbericht, der Anfang des Monats veröffentlicht wurde, gab das Medienunternehmen bekannt, dass sein Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent gesunken sei. Die Werbeeinnahmen gingen im Jahresvergleich um fast ein Viertel zurück, die Einnahmen aus Inhalten um 19 Prozent – ebenso die Umsätze aus Handel und anderen Bereichen. Anfang letzten Jahres gab die Plattform dann bekannt, dass sie ihr digitales Medienunternehmen BuzzFeed News schließen würde, das 2021 den Pulitzer-Preis und damit eine der renommiertesten US-Auszeichnungen für Journalisten und Schriftsteller erhalten hatte.
Laut der jüngsten SEC-Mitteilung ist Ramaswamy „der Ansicht, dass die Wertpapiere von BuzzFeed unterbewertet sind und eine attraktive Anlagemöglichkeit darstellen. Der Meldende wird versuchen, einen Dialog mit dem Vorstand des Emittenten und dem Management über operative und strategische Möglichkeiten führen.” Dabei soll es auch um eine “Änderung der Unternehmensstrategie“ gehen. Ramaswamy, Sohn einer indischen Einwandererfamilie, der vor allem durch seine inzwischen gescheiterte Ambition als republikanischer Präsidentschaftskandidat bekannt wurde, war in der Vergangenheit als Investor in den Bereichen Biotechnologie und Arzneimittelentwicklung aktiv und gründete einen Anbieter von selbsternannten anti-woken Indexfonds. Hierbei geht es um Streitpunkte zwischen politischen Strömungen. Rechtsgerichtete politische Kreise werfen linksliberal, ökologisch und feministisch denkenden Gruppen vor, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Die vermeintlich woken Kreise wiederum bezichtigen die häufig konservativ orientierten Wokeness-Gegner wiederum, individuelle Freiheiten, etwa bei der sexuellen Orientierung, zu beschneiden und veraltete soziale Rollenbilder zu fördern.
Was sind die Gründe für die Investition?
Obwohl CEO Jonah Peretti nur eine Minderheitsbeteiligung an BuzzFeed hält, hat er aufgrund einer dualen Aktienstruktur die volle Kontrolle über das Unternehmen, was ein Hindernis für Ramaswamys mögliche Übernahmepläne darstellen könnte. Eine Sprecherin des Unternehmens stellte klar: „BuzzFeed ist bewusst so strukturiert, um seine redaktionelle Integrität zu schützen“. Ganz immun gegen den Druck der Investoren scheint das Unternehmen jedoch nicht zu sein. Erst diesen Monat kündigte Peretti einen neuen Plan an, der seine Vergütung an die Aktienkursentwicklung koppelt, um die Investoren davon zu überzeugen, dass er es ernst meint, etwas zu verändern. Die genauen Gründe für Ramaswamys jüngste Investition sind noch unbekannt. Die Nachrichtenwebseite Business Insider spekulierte, dass es sich um ein reines Finanzinteresse handeln könnte, bei dem Ramaswamy beabsichtigt, die Aktien teurer zu verkaufen, als er sie gekauft hat. Andererseits könne es auch ein Weg sein, mediale Aufmerksamkeit zu erlangen. Ramaswamy kommentierte seine Pläne mit den Worten: "Bleiben Sie gespannt."



