Vergessen Sie alles, was Sie über Bitcoin und Altcoins wussten!
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Vergessen Sie alles, was Sie über Bitcoin und Altcoins wussten!

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Simeon Koch

Im Kryptomarkt hat sich etwas Grundlegendes geändert. Bisher galt in diesem Zyklus folgendes Prinzip: Steigt der Bitcoin, steigen Altcoins stärker. Läuft der Bitcoin seitwärts, werden Altcoins abverkauft. Diese Dynamik aber hat sich plötzlich ins Gegenteil verkehrt.

Seit dem BTC-Ausbruch Anfang November gilt: Steigt der Bitcoin, kommen kleinere Kryptowährungen kaum hinterher. Läuft der Bitcoin dann aber seitwärts, explodieren manche Altcoins regelrecht. Wer wissen will, welche Kryptowährungen als Nächstes stark ansteigen und ob das schon die ersehnte Altcoin-Season ist, muss diese Veränderung der Marktdynamik verstehen – und alte Emotionen hinter sich lassen.

Es ist gut, dass Altcoins schwächer sind als Bitcoin

Fangen wir damit an, wie sich der Markt vor dem großen Bitcoin-Ausbruch Anfang November verhalten hat. Nach Bitcoins Frühjahrs-Rallye auf ein neues Allzeithoch bei rund $74 000 durchlief die Krypto-Leitwährung für ein halbes Jahr eine zähe Seitwärtsphase.

Während dieser sechs Monate drückte Bitcoin alle kleineren Kryptowährungen durch seine langsame Korrektur immer weiter unter Wasser. Setzte BTC dann aber zu einer Erholungsrallye an, stiegen die meisten Altcoins simultan umso stärker, blieben übergeordnet aber in einem Abwärtstrend.

Google-Suchtrends zeigen: Neue Anleger strömen in den Krypto-Sektor. Dadurch verändert sich die gesamte Dynamik des Marktes.

Diese Dynamik lag vor allem im Verhalten des Kapitals begründet, das sich zu diesem Zeitpunkt im Markt bewegte. Bis zum jüngsten BTC-Breakout Anfang November war der Kryptomarkt dominiert von sogenannten Crypto-Natives, also Investoren und Tradern, die in den meisten Fällen den gesamten Bärenmarkt mitgemacht und dem Markt nie den Rücken gekehrt hatten.

Diese Crypto-Natives konzentrieren sich selten primär auf den Bitcoin, sondern halten oft kleine Altcoins, um ihre Gewinne zu maximieren. Das ist natürlich sehr riskant, birgt mit richtigem Timing, tiefem Marktverständnis und guter Recherche aber deutlich größere Rendite-Möglichkeiten als BTC.

Solange sich nur diese Crypto-Natives im Markt tummelten, lag der Fokus der Mehrheit also auf Altcoins – entsprechend hoch war das Handelsvolumen im Vergleich zu Bitcoin, dessen Preis mangels breiter Aufmerksamkeit eben so vor sich hin plätscherte. Wenn Bitcoin dann doch mal wieder zu einer kleinen Rallye ansetzte, zogen Altcoins umso stärker nach, weil ebenjene Crypto-Natives mit jedem deutlicheren Anstieg auf den BTC-Ausbruch und danach auf große Altcoin-Kursgewinne wetteten.

Je öfter Bitcoin aber von der Oberkante seines absteigenden Seitwärtskanals abgewiesen wurde, desto mehr ging die Hoffnung in Altcoins verloren, die jedes Mal noch heftiger abverkauft wurden.

Warum sich die Bitcoin-Altcoin-Dynamik ins Gegenteil verkehrt

Als Bitcoin Anfang November dann endlich ausbrach, war das Vertrauen in Altcoins am Boden. Hinzu kam eine Welle an neuen Investoren, die auf den steilen BTC-Anstieg aufmerksam geworden waren und sich mit ihrem frischen Kapital auf den Marktführer stürzten. Bitcoin zog an und stieß rasant in Richtung der $100 000 vor, während Altcoins sich zunächst kaum bewegten oder sogar weiter fielen.

Die Erklärung ist auch hier simpel: Während der breite Kryptomarkt das Vertrauen in Altcoins vorerst verloren hatte, konzentrierten sich neue Retail-Anleger zunächst auf den Bitcoin (genauso ist es in jedem bisherigen Krypto-Bullenmarkt auch gelaufen).

Auch 2021 gerieten Altcoins (türkis) und Small Caps (gelb) gegenüber Bitcoin (weiß) in Rückstand. Ähnliches war beim jüngsten Breakout zu beobachten.

Mit jedem weiteren Bitcoin-Anstieg, bei dem Altcoins nicht mithalten können, verstärkt sich der BTC-Fokus des Marktes. Wenn bei BTC die größten Kursgewinne zu holen sind, fließt das Kapital dort hin – nicht nur von neuen Retail-Investoren, sondern auch von Crypto-Natives.

Diese Dynamik kennzeichnete in jedem bisherigen Zyklus den Beginn der großen Bullenmarkt-Rallye, deren Chronologie immer sehr ähnlich abläuft: Der Bitcoin prescht voran und saugt die Liquidität aus dem Markt, weil frisches Geld sofort in BTC investiert wird und ungeduldige Altcoin-Halter in Bitcoin umschichten, während ihre kleineren Kryptos nicht hinterherkommen. Klar zu erkennen ist dieses Phänomen auch an der zuletzt stetig steigenden Bitcoin-Dominanz.

Dass Altcoins aber alles andere als tot sind, zeigte sich in den vergangenen Tagen. Die großen Gewinner des letzten Bullenmarktes 2021, also Cardano (ADA), Vechain (VET) oder auch Decentraland (MANA), starteten für viele Beobachter völlig unerwartet durch und verzeichneten teils Anstiege um mehrere 100 Prozent.

Das passierte ausgerechnet, als Bitcoin nach seinen jüngsten starken Anstiegen für ein paar Tage seitwärts lief. Verantwortlich dafür ist das Prinzip der Kapital-Rotation: Bitcoin-Gewinne werden in großer Menge in Altcoins umgeschichtet, um weitere Gewinne zu machen, während der Bitcoin-Rallye vorerst die Puste ausgeht. Anhand dieser Altcoin-Rotation ließ sichin den letzten Zyklen sogar rechtzeitig feststellen, wann das finale Bitcoin-Top erreicht wurde!

Vergessen Sie, was Sie über Bitcoin und Altcoins wussten!

Das heißt natürlich nicht, dass der Bitcoin schon sein Zyklus-Top erreicht hat und nun in den Bärenmarkt geht, ganz im Gegenteil. Während starker Bullenmarkt-Rallyes wiederholt sich dieses Rotationsprinzip regelmäßig und folgt immer demselben Muster: der Bitcoin steigt zuerst stark an, verlangsamt dann seine Rallye und öffnet damit die Dämme für die Geldflut in die Altcoins.

Das neue Kapital fängt sich also zuerst im Bitcoin, der wie eine Art Trichter alle neuen Krypto-Investoren auffängt und deren Geld dann in die Altcoins kanalisiert. Die Dynamik vor dem November-Breakout hat sich also umgekehrt: Jetzt kommen Altcoins bei starken BTC-Anstiegen erst nicht hinterher, steigen dann aber stark, während Bitcoin sich eine Pause nimmt.

Das Handelsvolumen an Kryptobörsen ist so hoch wie seit 2021 nicht mehr. Neues Kapital fließt zuerst in den Bitcoin, der wie ein Trichter für die Altcoins funktioniert.

Diese Umkehr in der Dynamik des Kryptomarktes erwischt viele Anleger auf dem falschen Fuß. Vor allem neue Investoren verstehen das Rotationsprinzip nicht und werden jedes Mal nervös, wenn der Bitcoin vorangeht und die Altcoins zunächst schwächer performen. Die Wahrheit aber ist: Dass die Altcoins im Verhältnis zu Bitcoin schwach sind, ist in dieser Marktphase bullisch.

Der Bitcoin wirkt wie der erwähnte Trichter – eine Art Kapital-Magnet, der frisches Geld in den Markt holt und anschließend an die kleineren Kryptowährungen verteilt, die noch nicht so stark im Fokus der breiten Masse der (neuen) Investoren stehen.

Anders als noch Mitte des Jahres sind Seitwärtsphasen im Bitcoin nun also gut für die (meisten) Altcoins. Deshalb sind die alten emotionalen Reflexe der letzten Marktphase nun kontraproduktiv: Wer Angst hat, dass Altcoins in einer aktuellen Seitwärts-Konsolidierung des Bitcoins wieder so stark fallen, wie es in den sechs Monaten vor dem November-Breakout die Regel war, trifft falsche Anlage-Entscheidungen. Stellen Sie sich emotional also auf die neue Realität des Krypto-Bullenmarktes ein.

Wann explodiert Ihr Lieblings-Altcoin?

Wenn Ihr Lieblings-Altcoin noch keine große Rallye hingelegt hat, so bleiben Sie dennoch geduldig (sofern es sich um ein gutes Projekt handelt, in dessen Wachstum Sie vertrauen). Die zwei wichtigsten Prinzipien der Krypto-Rotation, die wir aus den letzten Zyklen kennen, sind dabei entscheidend. Erstens: Geld fließt die Risikoleiter hinab, also steigen erst die großen, dann die mittleren und schließlich die kleinsten Altcoins. Und zweitens: Die Rotation folgt in jedem Schritt einem Narrativ.

Stehen bei einer Altcoin-Rallye die KI-Altcoins im Rampenlicht, so sind es bei der nächsten vielleicht Gaming-Projekte. Auch, wenn sich der Markt gerade deutlich beschleunigt, bleibt Geduld also die höchste Tugend des Krypto-Investors. Und noch ein letzter Tipp: Auch in dieser Marktphase werden Altcoins bei stärkeren Bitcoin-Korrekturen noch heftiger abverkaufen als BTC. So lange der übergeordnete Trend aufwärts zeigt, ist das aber kein Grund zur Panik.

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Simeon Koch

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