Die wichtigsten Punkte
Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 stärker gewachsen als erwartet und legte auf eine Jahresrate von 3.8 Prozent zu – der kräftigste Zuwachs seit fast zwei Jahren. Haupttreiber waren der private Konsum, Investitionen in Ausrüstung und Technologie sowie ein deutlich verringertes Handelsdefizit, das 4.83 Prozentpunkte zum Wachstum beitrug. Trotz der starken Zahlen bleibt der Ausblick gedämpft, da Zölle, Einwanderungspolitik und ein unsicherer Arbeitsmarkt das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte auf etwa 2.5 Prozent bremsen könnten.
US-Wirtschaft wächst so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
Die amerikanische Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2025 einen bemerkenswerten Aufschwung hingelegt. Nach neuen Daten des Handelsministeriums wuchs das Bruttoinlandsprodukt auf eine Jahresrate von 3.8 Prozent – die schnellste Expansion seit dem dritten Quartal 2023. Die ursprüngliche Schätzung lag bei 3.3 Prozent, Ökonomen hatten kaum mit einer Korrektur gerechnet. Vor allem der private Konsum war stärker als bisher angenommen: Er legte mit 2.5 Prozent zu statt mit den zuvor gemeldeten 1.6 Prozent. Auch Investitionen von Unternehmen, insbesondere in Ausrüstung und geistiges Eigentum, stützten die Konjunktur.
Die Dynamik wurde zudem durch den Außenhandel befeuert. Nach einem massiven Importanstieg im ersten Quartal schrumpfte das Handelsdefizit deutlich, weil Importe stark zurückgingen. Dadurch gewann das Wachstum an zusätzlichem Schwung. Allein die Verengung des Defizits steuerte 4.83 Prozentpunkte zum BIP bei, nachdem im Vorquartal ein Minus von 4.68 Prozentpunkten verzeichnet worden war. Dieser Effekt verzerrt jedoch das Bild, da die extremen Ausschläge im Handel keine nachhaltige Stärke widerspiegeln. Nichtsdestotrotz zeigt sich, dass die Binnenwirtschaft widerstandsfähig bleibt, getragen von Konsumenten und einem Investitionsboom in künstliche Intelligenz.
Starke Zahlen, aber eine schwierige Lage für die Notenbank
Parallel zu den BIP-Daten meldete das Arbeitsministerium einen Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 14 000 auf 218 000. Diese Zahl lag klar unter den Erwartungen und deutet darauf hin, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter halten, obwohl das Beschäftigungswachstum zuletzt nahezu stagnierte. Die Kombination aus robustem Konsum, kräftigen Investitionen und einer stabilen Beschäftigung stellt die Federal Reserve vor ein Dilemma.
Erst Mitte September hatte sie den Leitzins um 0.25 Prozentpunkte auf die Spanne von 4.0 bis 4.25 Prozent gesenkt. Begründet wurde dies mit den schwächeren Arbeitsmarktzahlen der Sommermonate und den Risiken durch Zollpolitik und Einwanderungsbeschränkungen. Nun stellt sich die Frage, ob weitere Zinsschritte nach unten noch gerechtfertigt sind.
Fed-Chef Jerome Powell sprach von einem „Risikomanagement“-Ansatz, doch die neuen Daten widersprechen dem Bild einer deutlich abkühlenden Wirtschaft. Chicago-Fed-Präsident Austan Goolsbee äußerte sich skeptisch gegenüber einem zu schnellen Senkungszyklus. Er warnte, dass es gefährlich sei, nur auf schwächere Beschäftigungszahlen zu reagieren, während gleichzeitig die Inflation erhöht bleibt.
Wachstum ja, aber mit Gegenwind
Trotz der starken zweiten Quartalszahlen rechnen viele Ökonomen für die zweite Jahreshälfte mit einer Abkühlung. Handelsstreitigkeiten, höhere Zölle und die Auswirkungen restriktiver Einwanderungspolitik dürften die Beschäftigung und das Konsumklima belasten. Prognosen für das dritte Quartal deuten auf ein Wachstum von rund 2.5 Prozent hin – deutlich schwächer als der aktuelle Wert. Auch die Gewinnmargen von Unternehmen stehen unter Druck, da viele Betriebe die zusätzlichen Zollkosten nicht vollständig an Kunden weitergeben können.
Die Märkte reagierten verhalten: Aktien gaben leicht nach, während Anleiherenditen und der Dollar stiegen. Anleger sehen die Zahlen als Zeichen von Stärke, zugleich aber als Argument gegen weitere schnelle Zinssenkungen. Damit bleibt die US-Wirtschaft ein Bild der Gegensätze: stark genug, um zu überraschen, aber anfällig für politische Risiken und strukturelle Belastungen. Für die Fed wird die Balance zwischen Preisstabilität und Beschäftigung zu einem immer schwierigeren Drahtseilakt.




