Die wichtigsten Punkte
Ab 2029 soll das stillgelegte Atomkraftwerk Duane Arnold in Iowa wieder Strom liefern – exklusiv für Google. Betreiber NextEra Energy schließt einen 25-Jahres-Vertrag. Hintergrund ist der explodierende Energiebedarf durch KI-Rechenzentren. Auch Microsoft, Meta und Oracle setzen auf Atomstrom. Die US-Regierung fördert die Kernkraft mit Plutonium-Recycling, um Energieunabhängigkeit zu stärken. Iowa profitiert durch Jobs und Netzstabilität.
Atomstrom für die KI-Revolution
In Iowa, mitten im amerikanischen Mittleren Westen, steht das Duane Arnold Energy Center – ein Atomkraftwerk, das 2020 abgeschaltet wurde und nun eine zweite Chance erhält. Ab Anfang 2029 soll es wieder Strom liefern, exklusiv für Google. Der Technologiekonzern hat mit Betreiber NextEra Energy einen Vertrag über 25 Jahre geschlossen, um seine wachsende Infrastruktur an Rechenzentren mit CO₂-freiem Strom zu versorgen.
Die Anlage, einst Opfer des Preisdrucks durch billiges Erdgas, wird zu einem Symbol für den Wandel in der Energiepolitik: Was einst als veraltet galt, wird nun zum Rückgrat der digitalen Zukunft. Der Strombedarf in den USA erreichte 2024 ein Rekordhoch, getrieben von datenhungrigen KI-Systemen. Der Neustart des Kraftwerks wird nicht nur Google helfen, sondern auch das lokale Stromnetz stabilisieren. Die Central Iowa Power Cooperative hat bereits zugesagt, überschüssige Energie abzunehmen – ein entscheidender Faktor für die Netzsicherheit der Region.
Ein Trend, der Wellen schlägt
Google steht mit dieser Entscheidung nicht allein. Schon zuvor kündigten Microsoft und Meta langfristige Atomstrom-Partnerschaften an. Microsoft lässt den berüchtigten Reaktor von Three Mile Island wieder ans Netz gehen, Meta bezieht in Illinois zwei Jahrzehnte lang die gesamte Produktion eines Kernkraftwerks. Auch Oracle plant Rechenzentren mit kleinen modularen Reaktoren – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die US-Techbranche Atomkraft als zentralen Hebel zur Bewältigung ihres Energiehungers entdeckt hat.
Auch Microsoft, Meta und Oracle setzen auf Atomstrom, um ihren KI-Energiebedarf zu sichern.
Nach Angaben der U.S. Energy Information Administration könnte der Stromverbrauch weiter rasant steigen, sollte die Expansion der Rechenzentren anhalten. Atomkraft liefert hier einen entscheidenden Vorteil: Sie stellt konstante, wetterunabhängige Energie bereit – etwas, das Solar- und Windkraft allein bislang nicht leisten können. Zugleich positionieren sich die Konzerne als Vorreiter im Klimaschutz, auch wenn sie für ihre wachsende CO₂-Bilanz zunehmend in der Kritik stehen.
Politik und Industrie in neuem Gleichklang
Die US-Regierung unterstützt diesen Kurs. Jüngst erlaubte das Energieministerium Unternehmen, bis zu 19 Tonnen waffenfähiges Plutonium aus alten Sprengköpfen zu recyceln und als Brennstoff zu nutzen – ein Schritt zur Stärkung der heimischen Atomwirtschaft. Firmen wie Oklo, unterstützt von OpenAI-Chef Samuel Harris Altman, und das französische Start-up Newcleo zeigen Interesse. Donald Trump, erneut im Weißen Haus, sieht in der Kernkraft den Schlüssel zur Energieunabhängigkeit.
Für Google ist der Deal mit NextEra weit mehr als ein Infrastrukturprojekt: Er ist ein Signal an Investoren, Politik und Öffentlichkeit, dass die KI-Revolution nicht auf fossilen Brennstoffen fußen muss. Iowa profitiert doppelt – von Arbeitsplätzen und stabilen Netzen. Senator Charlie McClintock sprach von einem „großen Gewinn für den Staat“. So wird ein stillgelegtes Kraftwerk zum Sinnbild für die neue Allianz aus Technologie, Energie und geopolitischem Kalkül.





