Uran, Lithium oder Kupfer: Die Edelmetalle im Ranking
#Rohstoffe und Energie

Uran, Lithium oder Kupfer: Die Edelmetalle im Ranking

Author

Muriel Ayari

Das Wichtigste in Kürze:

  • Unterschiedliche Entwicklungen der Metalle im Marktzyklus.

  • Uran und Lithium könnten langfristig vom steigenden Strombedarf profitieren.

  • Bei Kupfer, Platin und Palladium lohnt sich ein genauer Blick auf die charttechnische Lage.

Gold ist zurück unter die Marke von 4000 US-Dollar je Feinunze gefallen und notiert damit auf dem tiefsten Stand seit Juli. Auch Silber steht unter Druck: Mit einem Rückgang unter 50 US-Dollar hat das Edelmetall seinen niedrigsten Stand im bisherigen Kalenderjahr erreicht. Kupfer hingegen hält sich trotz jüngster Rücksetzer weiterhin in der Nähe seines Allzeithochs. Doch während Gold und Silber an Glanz verlieren, könnten andere Metalle zunehmend in den Fokus der Anleger rücken. Steht womöglich bereits die nächste Rohstoff-Rallye bevor, und könnten Uran oder Lithium dabei eine entscheidende Rolle spielen?

Doch macht sie das automatisch zu guten Investments? Nicht unbedingt. Nachdem wir uns in unserer vorherigen Ausgabe von Expert’s View mit den Chancen und Risiken von Gold und Silber beschäftigt haben, richten wir den Blick diesmal auf andere Metalle. Welche Perspektiven bieten Uran und Lithium, warum könnte bei Kupfer, Platin und Palladium noch Geduld gefragt sein und wie könnte der US-Dollar die weitere Entwicklung der Metallpreise durcheinanderbringen?

Diese Metalle hat unser Rohstoffanalyst auf der Watchlist

Wer unseren Rohstoffanalysten nach den derzeit interessantesten Metallen fragt, erhält eine klare Antwort: „Ich könnte mir Lithium und Uran als langfristiges Investment sehr attraktiv vorstellen, wenn wir die Bodenbereiche anlaufen“, erklärt unser Experte. Seine Einschätzung begründet er vor allem mit dem enormen Energiehunger der Technologiebranche.

Laut Internationaler Energieagentur (IEA) stieg der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren 2025 um 17 Prozent, bei speziell auf KI ausgerichteten Anlagen sogar um 50 Prozent. Bis 2030 könnte sich der gesamte Strombedarf von Rechenzentren gegenüber 2025 nahezu verdoppeln.

Doch was macht ausgerechnet Uran und Lithium so interessant? Beide Rohstoffe erfüllen Aufgaben, die für die künftige Energieversorgung zunehmend wichtiger werden könnten. Uran ermöglicht die kontinuierliche Stromerzeugung in Kernkraftwerken, während Lithium eine zentrale Rolle bei leistungsfähigen Batteriespeichern spielt.

Besonders bemerkenswert: Bereits 2025 basierten rund 90 Prozent der weltweit neu installierten stationären Batteriespeicher auf Lithium-Eisenphosphat-Technologie. Trotz dieser Entwicklung rät unser Rohstoffanalyst noch zur Geduld. „Kurzfristig würde ich noch nicht einsteigen, weil sie noch Zeit benötigen“, betont er. Entscheidend sei zunächst, dass die Kurse attraktive Bodenbereiche erreichen.

 

Uran: Warum der Marktzyklus jetzt entscheidend ist

Kaum ein Energieträger polarisiert so stark wie die Kernenergie. Während Deutschland seine letzten Atomkraftwerke 2023 abgeschaltet hat, wird andernorts kräftig investiert. Laut World Nuclear Association befinden sich weltweit derzeit 79 Reaktoren im Bau, davon allein 38 in China. Dort ist die Kernkraftkapazität zwischen 2016 und 2024 bereits um 76 Prozent gestiegen. Auch Japan setzt wieder verstärkt auf Atomenergie und nimmt schrittweise Reaktoren in Betrieb, die nach der Fukushima-Katastrophe stillgelegt worden waren. Für den Uranmarkt ist diese Entwicklung besonders interessant: Je mehr Kernkraftwerke langfristig Strom produzieren, desto größer könnte auch der Bedarf an nuklearem Brennstoff werden.

Im übergeordneten Tageschart des Sprott Uranium Miners ETF rechnet unser Rohstoffanalyst bis zum Jahresende mit weiteren Kursrücksetzern, bevor sich eine mögliche Bodenbildung abzeichnen könnte.

Doch trotz dieser langfristigen Perspektive sieht unser Rohstoffanalyst aktuell noch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Seine charttechnische Analyse des Sprott Uranium Miners ETF, der die Kursentwicklung von Unternehmen aus dem Uransektor abbildet, deutet zunächst auf weitere Kursrückgänge hin.

Dabei könnte der ETF bis unter 30 US-Dollar fallen und dort einen möglichen Boden ausbilden. Anschließend sieht unser Experte Potenzial für eine größere Aufwärtsbewegung. Für Anleger könnte es sich deshalb lohnen, zunächst die weitere Korrektur abzuwarten und mögliche Anzeichen einer Trendwende zu beobachten. Denn die langfristigen Wachstumsaussichten des Uransektors allein sind noch kein ausreichendes Kaufsignal.

 

Lithium: Ein Rohstoff mit langfristiger Perspektive

Ob Elektroautos von Tesla und BYD, Smartphones von Apple und Samsung oder riesige Batteriespeicher für Stromnetze: Lithium steckt längst in zahlreichen Technologien unseres Alltags. Das Besondere an dem Leichtmetall ist seine Kombination aus geringem Gewicht und hoher elektrochemischer Leistungsfähigkeit. Dadurch lassen sich vergleichsweise leichte Batterien mit hoher Energiedichte herstellen, die sich immer wieder aufladen lassen. Wie stark der Markt bereits gewachsen ist, zeigen Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA): Allein 2025 stieg die weltweit in Elektrofahrzeugen eingesetzte Batteriekapazität um knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2020 hat sie sich sogar mehr als versiebenfacht. Auch für die Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien gewinnt Lithium zunehmend an Bedeutung.

„Die Menschheit konsumiert immer mehr Elektrizität, und da brauchen wir Uran und Lithium“, erklärt unser Rohstoffanalyst. Besonders der wachsende Energiebedarf durch künstliche Intelligenz und Rechenzentren bestärkt ihn in seiner langfristigen Einschätzung. Schließlich dürfte die technologische Entwicklung kaum zurückgedreht werden.

Dennoch rät unser Experte aktuell zur Geduld. Seiner Ansicht nach könnten Uran und Lithium zu den ersten Rohstoffen gehören, bei denen sich wieder interessante Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Konkrete kurz- und langfristige Kursziele sowie mögliche Einstiegsbereiche erhalten unsere Abonnenten in den entsprechenden Rohstoffanalysen. Denn auch ein Rohstoff mit vielversprechenden Zukunftsaussichten kann zwischenzeitlich nochmal deutlich an Wert verlieren.

 

Keine Entwicklung ohne Kupfer

Kupfer gilt als eines der wichtigsten Industriemetalle überhaupt. Seine hohe elektrische Leitfähigkeit macht es unverzichtbar für Stromleitungen, elektrische Anlagen und zahlreiche technische Anwendungen.

Besonders die Modernisierung der Stromnetze, der Ausbau erneuerbarer Energien und die zunehmende Elektrifizierung könnten den Bedarf langfristig erhöhen. Doch obwohl die wirtschaftliche Bedeutung des Metalls kaum infrage steht, fällt die aktuelle Einschätzung unseres Rohstoffanalysten zurückhaltend aus. Er sieht Kupfer derzeit eher in einer möglichen Topbildung als am Beginn einer neuen Aufwärtsbewegung.

Im übergeordneten Wochenchart des Kupfer-Futures rechnen wir zunächst mit weiteren Kursanstiegen und einer anschließenden Topbildung, bevor sich der Kurs deutlich abkühlen und in Richtung der Unterstützung bei $4.03 zurückfallen könnte.

„Kupfer ist in der Regel das Schlusslicht“, erklärt unser Experte und verweist damit auf die zeitlich verzögerte Entwicklung des Industriemetalls. „Nachdem die anderen Metalle schon etwas gelaufen sind, könnte Kupfer laut unserer Analyse als Nachzügler dann auch den Boden bilden“, erläutert er. Damit könnte sich ein interessanter Einstiegszeitpunkt bei Kupfer erst später ergeben, wenn andere Metalle bereits wieder an Stärke gewonnen haben.

Interessant ist zudem die Bedeutung des Kupferpreises für den Aktienmarkt: „Kupfer wird auch von Institutionellen häufig als Risk-on-Signal betrachtet“, erklärt unser Rohstoffanalyst. Damit ist gemeint, dass steigende Kupferpreise als Hinweis auf eine zunehmende Risikobereitschaft am Aktienmarkt gelten können, da sie häufig mit einer stärkeren wirtschaftlichen Aktivität einhergehen.

 

Platin und Palladium: Alternativen zu Gold und Silber?

Neben Uran, Lithium und Kupfer haben wir unseren Rohstoffanalysten auch nach Platin und Palladium gefragt. Beide Edelmetalle werden nicht nur als Wertanlage gehandelt, sondern finden insbesondere in der Automobilindustrie Verwendung, etwa in Katalysatoren zur Reduzierung von Schadstoffen.

Wie groß diese Abhängigkeit ist, zeigen Zahlen des britischen Spezialchemiekonzerns Johnson Matthey, der seit Jahrzehnten den Markt für Platingruppenmetalle analysiert und jährlich einen eigenen Marktbericht veröffentlicht: 2025 entfielen rund 84 Prozent der weltweiten Palladiumnachfrage auf den Automobilsektor, bei Platin waren es rund 42 Prozent. Entsprechend könnten Veränderungen in der Fahrzeugproduktion und der zunehmende Anteil reiner Elektroautos die Nachfrage nach beiden Metallen beeinflussen.

 Gemäß unserer charttechnischen Analyse gehen wir im übergeordneten Tageschart des Palladium-Futures vorerst von weiteren Kursrückgängen aus.

Aus charttechnischer Sicht erkennt unser Experte derzeit allerdings keine grundlegend andere Entwicklung als bei Gold und Silber. „Palladium und Platin verhalten sich zueinander wie Gold und Silber“, beschreibt er die Ähnlichkeiten der aktuellen Kursverläufe. Beide Metalle betrachtet er deshalb eher als Alternativen zu den bekannteren Edelmetallen. Bei Palladium beobachtet er insbesondere den Bereich unterhalb der Tiefs vom Spätsommer 2025 bei rund 800 US-Dollar, in dem sich seiner Analyse zufolge eine interessante Zielzone befindet. Eine unmittelbare Trendwende leitet er daraus allerdings noch nicht ab. Auch hier bleibt die weitere Kursentwicklung entscheidend.

 

Warum der US-Dollar alles durcheinander bringen könnte

So unterschiedlich die Einsatzgebiete der einzelnen Metalle auch sind, einen wichtigen Einflussfaktor haben sie gemeinsam: den US-Dollar. „Metalle werden auf dem globalen Markt eigentlich nur in US-Dollar gehandelt“, erklärt unser Rohstoffanalyst. Gewinnt die amerikanische Währung an Stärke, verteuern sich die Rohstoffe für Käufer außerhalb des Dollarraums. Besonders deutlich könnten die Auswirkungen bei größeren Währungsbewegungen ausfallen.

Unser Experte verweist auf einen möglichen Dollar-Anstieg von 5 Prozent, der für eine Währung bereits erheblich wäre und die Metallpreise zusätzlich unter Druck setzen könnte. Kommen daraufhin noch panikartige Verkäufe hinzu, könnte sich die Abwärtsbewegung weiter verstärken.

Zusätzliche Risiken sieht unser Rohstoffanalyst in den steigenden Energiepreisen. „Teureres Geld, höhere Zinsen, niedrigere Rohstoffpreise“, fasst er den möglichen Zusammenhang zusammen. Denn höhere Öl- und Gaspreise können die Inflation anheizen und die US-Notenbank zu einer restriktiveren Geldpolitik veranlassen.

Besonders spannend dürften deshalb die kommenden Wochen werden: Am 3. November 2026 finden die US-Zwischenwahlen statt, die zusätzliche Unsicherheit an den Finanzmärkten auslösen könnten. Am 8. und 9. Dezember folgt die nächste reguläre Sitzung der US-Notenbank, bei der die weitere Zinspolitik im Mittelpunkt steht.

 

Welche Rolle spielen die Förderkosten?

Neben den makroökonomischen Entwicklungen berücksichtigt unser Rohstoffanalyst auch die Produktionskosten der einzelnen Metalle. Denn hinter jedem Rohstoff steht eine aufwendige Förder- und Verarbeitungskette. Minengesellschaften benötigen Energie, Maschinen, Personal und Kapital, um ihre Lagerstätten wirtschaftlich erschließen zu können. Steigen diese Kosten, kann sich auch die Rentabilität der Produktion verändern. Besonders bei stark schwankenden Rohstoffpreisen kann ein Blick auf die Förderkosten deshalb zusätzliche Hinweise auf die wirtschaftliche Situation der Produzenten liefern.


Unsere Grafik zeigt, wie das Verhältnis zwischen Rohstoffpreisen und Förderkosten die Rentabilität der Minengesellschaften und damit langfristig auch das Angebot beeinflussen kann.

„Der Mining-Preis ist immer ein guter Oszillationspunkt“, erklärt unser Experte. Gemeint ist damit, dass sich Rohstoffpreise langfristig in einem gewissen Verhältnis zu ihren Produktionskosten bewegen können. Liegt der Marktpreis dauerhaft unter den Kosten vieler Produzenten, könnten Fördermengen reduziert oder neue Projekte verschoben werden. Sehr hohe Preise können dagegen zusätzliche Investitionen anregen. Allerdings stellen Förderkosten keinen festen Preisboden dar. Gerade bei Kupfer, Uran und Lithium unterscheiden sich die Produktionsbedingungen erheblich, sodass ein direkter Vergleich nur eingeschränkt möglich ist.

 

Das Rohstoff-Ranking unseres Analysten: Wer liegt vorne?

Wie sieht also die aktuelle Rangfolge unseres Rohstoffanalysten aus? Ganz oben stehen Uran und Lithium. Beide könnten seiner Einschätzung nach als Erste interessante Einstiegsbereiche erreichen und bieten zugleich langfristiges Potenzial. Platin und Palladium ordnet er im Mittelfeld ein, da sie sich charttechnisch derzeit ähnlich wie Gold und Silber entwickeln. Das Schlusslicht bildet Kupfer. Hier erwartet unser Experte als Nachzügler zunächst noch eine größere Korrektur, bevor sich neue Einstiegsmöglichkeiten ergeben könnten.

Eines haben die Metalle allerdings gemeinsam: Ihr weiterer Kursverlauf dürfte auch von der Entwicklung des US-Dollars und der amerikanischen Geldpolitik beeinflusst werden. Für Anleger gilt deshalb vorerst, die Füße stillzuhalten und mögliche Bodenbildungen aufmerksam zu beobachten. Denn welches Metall langfristig die besten Aussichten bietet, ist nicht zwangsläufig auch dasjenige, bei dem sich ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt lohnt.

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Muriel Ayari

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