Die wichtigsten Punkte
PDD Holdings steigert den Umsatz um 7 Prozent auf 114.5 Milliarden US-Dollar, doch der Gewinn bricht um 21 Prozent ein. Temu setzt nach Zoll-Erleichterungen erneut auf Direktversand in die USA und pumpt Millionen in Werbung, während PDD erstmals in seiner Geschichte einen Umsatzrückgang im Halbjahr verkraften muss. Ein milliardenschweres Hilfspaket soll Händler stützen – doch das Geschäftsmodell wankt.
Umsatz wächst, Gewinne bröckeln
PDD Holdings, Mutterkonzern der Billig-Plattform Temu, hat Zahlen vorgelegt, die mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Zwar stieg der Umsatz im zweiten Quartal 2025 um 7 Prozent auf rund 114.5 Milliarden US-Dollar, doch der operative Gewinn brach um 21 Prozent ein. Die Kosten für Logistik, Server und Marketing zogen kräftig an, während der Preiswettbewerb mit Alibaba und JD.com jede Marge auffraß.
Besonders brisant: PDD musste fast die Hälfte seines operativen Cashflows einbüßen – ein Warnsignal, das Investoren aufhorchen lässt. Der Vorstand spricht von „Investitionen in ein nachhaltiges Ökosystem“, doch zwischen den Zeilen klingt eher die Angst vor einem möglichen Ende der beispiellosen Wachstumsstory mit.
Temu kehrt mit Risiko zurück
Während die Mutter schwächelt, setzt Temu auf Expansion. Nach monatelanger Unsicherheit hat die Plattform den Direktversand aus China in die USA wieder aufgenommen – eine Wende, die durch eine vorläufige Zoll-Einigung zwischen Washington und Peking ermöglicht wurde. Bereits im Juli rollte Temu wieder „vollständig verwaltete Sendungen“ aus, übernimmt also Logistik und Zoll für Händler. Gleichzeitig pumpt die Firma wieder Millionen in Werbung, auf dem Niveau von Anfang des Jahres, bevor Ex-Präsident Trump neue Strafzölle androhte.
Doch die Gefahr bleibt: Ab Ende August sollen sämtliche Kleinsendungen zollpflichtig werden – ein Schlag gegen Temus Geschäftsmodell. Professor Sheng Lu von der Uni Delaware mahnt: Zwar müssen nun auch traditionelle Händler Preise anheben, was Temu etwas entlastet. Doch die Unsicherheit, ob die Zollpolitik hält, macht das US-Abenteuer brandgefährlich.
Erste Wachstumsdelle – und ein Hilfspaket
Noch alarmierender als die Quartalszahlen ist der historische Rückschlag: Erstmals meldete PDD für die ersten sechs Monate 2025 einen Umsatzrückgang, von 28.8 auf 27.9 Milliarden US-Dollar. Ein Konzern, der jahrelang wie ein Komet wuchs, stößt an Grenzen. Co-CEO Lei Chen reagierte mit einem Hilfspaket von 15 Milliarden US-Dollar für die Händler – ein klares Eingeständnis, dass die Basis bröckelt.
Analysten vergleichen PDDs Modell seit Jahren mit Shein: ultradünne Strukturen, Outsourcing von Logistik, aggressive Preise, finanziert durch gigantische Werbebudgets. Doch genau diese Waffe verliert an Wirkung, da Temu in den USA zuletzt fast die Hälfte seiner Nutzer einbüßte. Die Börse reagierte bisher erstaunlich gelassen, doch die Luft wird dünner. Die zentrale Frage lautet: War PDDs Höhenflug zu schön, um wahr zu sein – und endet er nun mit einem harten Aufprall?





