Es heißt oft: Der Aktienmarkt spielt die Zukunft. Zwar sind aktuelle Bilanzen wichtig, doch der Fokus liegt meist auf dem Ausblick – wird das Unternehmen wachsen und seine Gewinne steigern können oder eher nicht? Quartal für Quartal blicken Anleger gespannt auf die Quartalszahlen und hören genau auf die Prognosen, die im Nachhinein teils deutliche Kursreaktionen triggern können. Doch wie konnte es beim Goldminenbetreiber Barrick Gold passieren, dass schlechte Quartalszahlen gemeldet wurden, obwohl der Goldpreis derzeit auf Rekordniveau liegt? Die Margen und Gewinne müssten doch eigentlich üppig sein. Was ist da schiefgelaufen?
Doch nicht alles Gold, was glänzt?
Die vergangene Woche war spannend: Die Wahlen in den USA und ein wichtiger Zinsentscheid der nordamerikanischen Zentralbank Federal Reserve sorgten für Bewegung an den Finanzmärkten, auch bei Edelmetallen wie Gold und Silber. Zudem befinden wir uns aktuell in den letzten Tagen der Quartalsberichtssaison. Der in Kanada ansässige Gold- und Kupferproduzent Barrick Gold verfehlte hierbei die Analystenschätzungen für das dritte Quartal. Als Gründe für das verfehlte Ergebnis wurden höhere Kosten und eine geringere Fördermenge in den Minen in Nevada genannt. Allein im vergangenen Quartal (Juli bis September) sank die Gesamtproduktion von 401 000 Unzen (April bis Juni) auf 385 000 Unzen.
Eine wichtige Kennzahl in der Branche sind die All-in Sustaining Costs (AISC), die von Barrick im Vergleich zum Vorjahr von $1255 auf $1507 pro Unze angestiegen sind. Diese Zahl gibt die Gesamtkosten an, die ein Unternehmen aufwenden muss, um eine Unze Gold zu fördern und auf den Markt zu bringen. Ein niedriger AISC-Wert steht oft für Effizienz und höhere Gewinnmargen. Im Gegensatz zu reinen Produktionskosten berücksichtigt AISC weitere Ausgaben über den gesamten Produktionszyklus und erlaubt so einen Vergleich der Effizienz verschiedener Goldminenunternehmen.
Gold steigt auf neue Allzeithochs, doch die Umsätze fallen?
Neben einem Rückgang der Produktionszahlen stiegen auch die allgemeinen Betriebskosten. Analysten hatten ursprünglich einen Quartalsgewinn von $0.86 pro Aktie prognostiziert, Barrick erreichte jedoch nur $0.81. Auch bei den Umsätzen blieb die Aktie hinter den Erwartungen zurück: Statt der erwarteten $4.67 Milliarden fiel der Umsatz leicht auf $4.61 Milliarden.
Hätten die Zahlen nicht eigentlich besser ausfallen müssen, angesichts des zuletzt massiv gestiegenen Goldpreises? Man könnte sagen, der Goldpreis verhinderte zumindest ein noch schlechteres Ergebnis. Ohne die positive Preisentwicklung wäre das Quartalsergebnis noch deutlich stärker hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dies zeigt, wie stark die Kosten in der Goldproduktion gestiegen und wie sehr die Unternehmen auf hohe Goldpreise angewiesen sind. Ein wichtiger Kostenfaktor ist Energie: Obwohl beispielsweise der Rohölpreis zuletzt gefallen ist, konnte Barrick seine Kosten nicht senken.
Zudem beginnen Goldminen oft mit der Förderung aus Lagerstätten mit hohem Goldgehalt. Wenn diese Vorkommen erschöpft sind, müssen sie auf weniger ergiebige Vorkommen umsteigen, die mehr Aufwand und Kosten erfordern, um dieselbe Menge Gold zu gewinnen. Dies kann die Gewinnmargen beeinträchtigen, selbst wenn der Goldpreis hoch ist – ein Problem, das derzeit mehrere Minenbetreiber betrifft und sich laut Branchenexperten zukünftig nochmals verschärfen dürfte.
Glänzende Zukunft?
Das in Toronto ansässige Unternehmen hat sich für das vierte Quartal vorgenommen, seine Leistung zu verbessern und die Jahresproduktionsprognose für 2024 im Bereich von 3.9 bis 4.3 Millionen Unzen zu erreichen. Auch im Jahresvergleich sahen die Umsatzzahlen besser aus: Der Umsatz stieg zum Vorjahresquartal von $2.862 Milliarden auf $3.368 Milliarden und das Unternehmen verzeichnete ein Gewinnwachstum von $483 Millionen im Vergleich zu $386 Millionen im dritten Quartal 2023 – eine langfristig positive Entwicklung für Barrick.
Aktuell fällt der Goldpreis und unsere mittel- bis langfristige Prognose sieht weniger bullisch aus, was das Unternehmen erneut vor Herausforderungen stellen könnte. Wie sich dies auf den Aktienkurs von Barrick Gold auswirken könnte, erfahren die Kunden unseres Minen-Aktienpakets, in welchem wir auf täglicher Basis die Wertpapiere zahlreicher Mining-Riesen aus den Bereichen Gold, Silber, Kupfer und Bitcoin analysieren.



