In den letzten Wochen sind Berichte aufgetaucht, dass Apple und Meta, zwei der größten Tech-Giganten der Welt, Gespräche über eine mögliche Partnerschaft im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) führen. Diese Kooperation könnte bedeuten, dass Meta seine generativen KI-Modelle in Apples neues KI-System, bekannt als Apple Intelligence, integriert. Diese Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der Apple seine Bemühungen im Bereich der KI intensiviert, um im Wettbewerb mit anderen großen Playern wie Google und OpenAI mitzuhalten. Um Kapazitäten für die KI-Entwicklung freizumachen, hatte der iPhone-Produzent vor wenigen Wochen sein langjähriges Apple Car-Projekt eingestampft, nun scheint im nächsten Schritt die hochkarätige Kooperation mit Meta anzustehen. Eine solche Partnerschaft könnte erhebliche Vorteile für beide Unternehmen bringen, erstmal aber stehen Apples KI-Entwicklungen in Europa vor regulatorischen Herausforderungen, wodurch die Einführung neuer Funktionen, etwa bei iOS 18, hinausgezögert werden könnten.
Google, Meta, OpenAI: Apples KI-Träume mit der Konkurrenz
Apple arbeitet mittlerweile emsig daran, seine KI-Fähigkeiten zu verbessern. In den letzten Monaten blieb das Unternehmen zwar hinter Konkurrenten wie Google und OpenAI zurück, ging dann aber ausgerechnet mit den größten Rivalen auf Kuschelkurs, um selbst aufzuholen. Bereits im März wurde gemunkelt, dass Apple mit dem Suchmaschinen-Riesen Google über eine Integration der KI-Software Gemini in neue iPhone-Modelle verhandelt. Vor etwa zwei Wochen dann veröffentlichten Apple und OpenAI gemeinsame Pläne für eine Kreuzung von Siri und ChatGPT. Apple will den KI-Chatbot demnach in iOS, iPadOS und macOS implementieren, wodurch Nutzer Zugang zu Funktionen wie Bild- und Textverständnis hätten, ohne zwischen verschiedenen Apps wechseln zu müssen. Siri nutzt ChatGPT für direkte Antworten und generierte Inhalte in Apples systemweiten Schreib-Anwendungen. Sam Altman von OpenAI betonte mit Blick auf das gemeinsame Projekt: „Wir freuen uns, mit Apple zusammenzuarbeiten, um ChatGPT voranzubringen. Apple teilt unser Engagement für Sicherheit und Innovation und diese Partnerschaft steht im Einklang mit der Mission von OpenAI, fortschrittliche KI für jeden zugänglich zu machen.“
Craig Federighi, Apples Software-Chef, betonte die Wichtigkeit, „mit dem Besten zu beginnen“ und bezeichnete ChatGPT von OpenAI als erste Wahl für die Nutzer. Apple scheint mit seinen KI-Plänen indes schon beim nächsten Tech-Schwergewicht anzuklopfen – und zwar beim Social-Media-Riesen Meta, der aktuell wieder einmal wegen Datenschutzfragen mit der Europäischen Union überkreuz liegt. Passenderweise geht es dabei um die Entwicklung eines maßgeschneiderten KI-Modells für die europäische Kultur. Meta verfügt über fortschrittliche generative KI-Modelle, die durch die Integration in Apple-Produkte wie das iPhone und das iPad eine breite Nutzerbasis erreichen könnten. Eine Zusammenarbeit mit Meta würde Apples Angebot weiter diversifizieren und stärken. Für Meta könnte die Partnerschaft mit Apple ebenfalls vorteilhaft sein. Trotz ihrer Rivalität in der Vergangenheit bietet Apple eine Plattform mit einer enormen Reichweite. Durch die Integration ihrer KI-Technologien in Apples Produkte könnte Meta die Nutzung seiner Modelle massiv steigern und von Apples Marktdurchdringung profitieren. Eine erfolgreiche Integration in Apples Produktpalette würde die Präsenz und Relevanz von Metas KI global voranbringen.
Durchkreuzt die EU Apples KI-Pläne?
Während diese Partnerschaft vielversprechend klingt, steht Apple in Europa vor regulatorischen Herausforderungen. Der Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union, der Anfang März in Kraft trat, soll für mehr Wettbewerb in den digitalen Märkten sorgen und größere Plattformen daran hindern, ihre Dominanz zu missbrauchen. Apple wird vorgeworfen, durch seinen App Store den Wettbewerb zu behindern und Konkurrenten auszuschließen, die Europäische Kommission hat ein Verfahren eingeleitet. Was genau Stein des Anstoßes ist, bleibt bislang unklar. Ähnliches Ungemach hatte Apple schon in der Auseinandersetzung mit dem schwedischen Streaming-Dienstleister Spotify ereilt, den Apple zugunsten von Apple Music kleingehalten haben soll. Die EU-Kommission verhängte im März eine Strafe in Höhe von fast $2 Milliarden, wegen Wettbewerbsverzerrung kassierte Apple schon 2020 in Frankreich ein Milliarden-Bußgeld. Zum aktuellen Fall erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager: „Die Entwicklergemeinschaft und die Verbraucher sind sehr daran interessiert, Alternativen zum App Store anzubieten. Wir werden die Angelegenheit untersuchen, um sicherzustellen, dass Apple diese Bemühungen nicht untergräbt.“
Aufgrund der juristischen Unwägbarkeiten hat Apple angekündigt, dass neue KI-Funktionen vorerst nicht in die EU gebracht werden. Betroffen sind davon offenbar sowohl das neue Mirroring, bei dem man den iPhone-Bildschirm auf einen Mac-PC projizieren können soll, als auch Anwendungen für Bildschirmübertragung. Ein Apple-Sprecher äußerte Bedenken, dass die Anforderungen des DMA die Integrität ihrer Produkte und die Datensicherheit der Nutzer gefährden könnten, wenn man gezwungen werde, den eigenen App Store weiter für Mitbewerber zu öffnen. Trotz dieser Herausforderungen betont Apple, dass man in Gesprächen mit der EU-Kommission sei und eine Lösung anstrebe, um die neuen Funktionen auch in Europa einzuführen. Neben Apple sind auch der Onlinehandel-Gigant Amazon, die Google-Mutter Alphabet und der Software-Konzern Microsoft ins Fadenkreuz der EU-Wettbewerbshüter geraten. Bei Verurteilung im Sinne des DMA drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des jährlichen Umsatzes. Das wären bei allen genannten Tech-Riesen hohe Milliardensummen – freilich aber nur im schlimmsten Fall. Wie es mit den Aktien der wichtigsten Technologie-Entwickler weitergeht, erfahren Sie in unserem TECH33-Paket.



