Teil II: Überfordert mit dem Wertpapierhandel?
#Finanzbildung

Teil II: Überfordert mit dem Wertpapierhandel?

Author

Patrick May

Im ersten Teil unserer Reihe Überfordert mit dem Wertpapierhandel haben wir uns mit den Grundlagen des Wertpapierhandels auseinandergesetzt und mithilfe des Garten-Analogons die Wichtigkeit des richtigen Zeitpunkts für Gewinnmitnahmen erörtert. Zudem sind wir darauf eingegangen, wie Positionen abgesichert werden können und warum das setzten von Zielen unabdingbar ist. Doch nun gibt es jenseits dieser technischen Strategien einen weiteren entscheidenden Faktor für den Erfolg im Wertpapierhandel: die emotionale Intelligenz. Diesen Faktor wollen wir uns in diesem Artikel einmal genauer anschauen.

Emotionen und Börse

Emotionale Intelligenz spielt eine entscheidende Rolle in der Welt der Börse. Obwohl es auf den ersten Blick so scheint, als würde die Börse ausschließlich von harten Fakten und Zahlen getrieben, sind es oft die Emotionen der Anleger, die den Markt beeinflussen. Die „gefährlichen Vier“ – Gier, Euphorie, Angst und Panik – können die treibende Kraft hinter vielen Handelsentscheidungen sein. Der Börsen-Altmeister André Kostolany hat einmal betont, dass nur zehn Prozent der Börsenreaktionen auf Fakten basieren, während der überwiegende Rest durch Psychologie bestimmt wird.

Gier an der Börse kann dabei besonders gefährlich sein. Die reine Aussicht auf hohe Gewinne kann, ähnlich wie Betäubungsmittel, starke Reaktionen im Gehirn hervorrufen. Interessanterweise sind diese Reaktionen bei der Erwartung von Gewinnen sogar stärker als bei tatsächlich realisierten Gewinnen. Dies wurde durch Forschungen der Stanford University bestätigt. Aber es ist nicht nur die Gier, die Anleger in Schwierigkeiten bringen kann. Starke Kursverluste können bei Anlegern Ängste auslösen, die, wenn sie durch weitere negative Nachrichten oder Marktbedingungen verstärkt werden, in Panik umschlagen können. Diese Panik kann zu massiven Verkaufswellen führen, die den Markt weiter in die Tiefe reißen. Historische Ereignisse wie die Dotcom-Blase und die Finanzkrise von 2008/2009 sind Beispiele dafür, wie Panik den Markt beeinflussen kann.

Um diese emotionalen Fallstricke zu vermeiden, sollten Anleger einige Strategien befolgen. Zunächst sollten sie ihren Anlagehorizont klar definieren. Langfristige, breit gestreute Anlagen sind oft weniger anfällig für kurzfristige Marktschwankungen. Darüber hinaus können klare Ein- und Ausstiegsstrategien helfen, Emotionen beim Handeln in Schach zu halten. Das Setzen von Stopps kann beispielsweise helfen, Verluste zu begrenzen. Schließlich ist es in turbulenten Marktzeiten wichtig, ruhig zu bleiben und sich an die ursprüngliche Handelsstrategie zu halten. Emotionale Intelligenz spielt eine entscheidende Rolle im Wertpapierhandel. Es geht nicht nur darum, die eigenen Emotionen zu erkennen, sondern auch darum, sie zu regulieren und angemessen darauf zu reagieren. Anleger, die eine hohe emotionale Intelligenz besitzen, sind in der Lage, ihre Gefühle von Angst und Gier, die häufig in der Finanzwelt auftreten, zu kontrollieren.

Ein Weg, dies zu tun, ist das Führen eines Handelstagebuchs, in dem Anleger ihre Gedanken und Gefühle bezüglich ihrer Trades festhalten. Dies kann dabei helfen, Muster im eigenen Verhalten zu erkennen und zukünftige emotionale Reaktionen besser zu managen. Ein weiterer Tipp ist die regelmäßige Selbstreflexion und gegebenenfalls das Einholen von Feedback durch einen Mentor oder eine vertrauenswürdige Person. Das stärkt nicht nur die emotionale Intelligenz, sondern fördert auch ein diszipliniertes und objektives Handeln am Markt.

 

Angst vorm Börsencrash

Die Furcht vor einem Börsencrash ist ein tief verwurzeltes Gefühl, das bei vielen Anlegern präsent ist. Obwohl Crashs unvermeidlich sind, gibt es dennoch Strategien und Ansätze, mit denen Anleger ihre Portfolios schützen und sich sogar in solch turbulenten Zeiten behaupten können.

Der Börsenmarkt ist von Natur aus zyklisch, und historische Daten zeigen, dass der Markt im Durchschnitt alle acht bis zehn Jahre um 20 bis 50 Prozent einbricht. Dabei können die Erholungszeiten variieren. Diversifikation als Präventionsmaßnahme: In Zeiten der Unsicherheit und besonders während Krisen zahlt sich eine gut durchdachte Diversifikation aus. Jene Strategie impliziert eine Risikostreuung in Portfolios durch Investitionen in verschiedene Assetklassen, die wiederum aus einer Vielzahl von Untergruppen und Finanzinstrumenten bestehen. Dadurch können Anleger das Verlustrisiko minimieren und langfristig höhere Renditen erzielen. Für risikofreudigere Investoren könnten wiederum Short ETFs interessant sein. Diese wetten auf fallende Aktienkurse und können in Zeiten eines Börsencrashs lukrativ sein.

In Zeiten eines Börsencrashs stehen Investoren entsprechend vor der schwierigen Entscheidung, ob sie ihre Aktien verkaufen oder halten sollten. Einige ziehen es vor, zu verkaufen, motiviert durch den Wunsch, ihr Gesamtkapital zu schützen. Sie sehen auch die Gelegenheit, Liquidität freizusetzen, um in Zukunft neue Investitionschancen zu ergreifen. Oft treibt sie auch die Angst vor weiteren Verlusten an, verstärkt durch den psychologischen Druck, der entsteht, wenn sie beobachten, dass viele andere dasselbe tun.

Auf der anderen Seite entscheiden sich einige Anleger bewusst dafür, ihre Aktien zu halten. Sie tun dies aus Vertrauen in eine langfristige Anlage- oder Buy-and-Hold-Strategie, überzeugt davon, dass die Märkte sich letztlich erholen werden. Sie möchten sich auch nicht vom Herdenverhalten beeinflussen lassen, das oft zu panischen Verkaufsentscheidungen führt. Ein weiterer Grund könnte die Befürchtung sein, dass der realisierte Verlust durch den Verkauf zu diesem Zeitpunkt zu hoch wäre. Schließlich gibt es auch diejenigen, die Hedging-Strategien, wie den Einsatz von Optionen, nutzen, um sich gegen die erhöhte Marktvolatilität abzusichern und gleichzeitig von ihr zu profitieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Börsencrash eine gute Möglichkeit bietet, Value-Aktien günstig zu erwerben. Oft nämlich sind die Aktienmärkte vor einem Crash überbewertet, was sich nach dem Abverkauf umkehren kann. Zudem können Käufer von Put-Optionen profitieren, da diese Optionen auf dem Markt zu einem höheren Preis als die ursprünglich bezahlte Prämie verkauft werden können. Alles zu Optionen erfahren Sie übrigens in diesem Artikel: Hedging und Portfolio-Optimierung: Der Handel mit Optionen. Eine langfristige Strategie, das Investieren in Dividenden-Aktien, die Analysen der HKCM und Dollar-Cost-Averaging können sich dabei ebenfalls auszahlen.

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Patrick May

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