SWIFT nutzt ETH-Chain Linea von Metamask-Entwickler Consensys
#Global Markets

SWIFT nutzt ETH-Chain Linea von Metamask-Entwickler Consensys

Author

Muriel Ayari

Die wichtigsten Punkte

SWIFT startet ein Pilotprojekt, um Teile seines internationalen Zahlungssystems erstmals direkt auf eine Blockchain zu bringen. Dafür arbeitet das Netzwerk mit Consensys zusammen, dem Unternehmen hinter der Ethereum-basierten Layer-2-Lösung Linea. Ziel ist es, grenzüberschreitende Zahlungen schneller, günstiger und rund um die Uhr abzuwickeln. Mehr als 30 globale Banken beteiligen sich an dem Projekt. Damit reagiert SWIFT auf den Trend zu tokenisierten Vermögenswerten und Stablecoins und will seine zentrale Rolle im globalen Finanzsystem langfristig sichern.

SWIFT bringt Teile seines Netzwerks auf die Blockchain

Das internationale Finanznachrichtennetzwerk SWIFT, das täglich Transaktionen zwischen über 11 000 Finanzinstituten ermöglicht, testet erstmals eine Integration seiner Infrastruktur mit einer Blockchain. Es geht dabei nicht darum, das bisherige System vollständig zu ersetzen. Stattdessen entsteht eine hybride Lösung, bei der klassische Nachrichtenübermittlung durch On-Chain-Kommunikation ergänzt wird.

Im Fokus stehen vor allem internationale Zahlungen, die bislang oft mehrere Tage dauern und hohe Gebühren verursachen. Durch eine gemeinsame Blockchain-Schicht sollen Überweisungen künftig innerhalb von Sekunden möglich sein – und das unabhängig von Geschäftszeiten oder Wochenenden. SWIFT will sich damit im Wettbewerb mit FinTechs, Stablecoin-Anbietern und dezentralen Netzwerken behaupten, die solche Geschwindigkeit längst bieten.

Über 30 Banken beteiligen sich am Pilotprojekt

Mehr als 30 internationale Banken sind Teil des Pilotprojekts, darunter Branchengrößen wie HSBC, Citi, Santander, BNP Paribas und Standard Chartered. Gemeinsam mit SWIFT und Consensys testen sie, wie sich Blockchain-Technologie nahtlos in bestehende Systeme einbinden lässt und welche regulatorischen Anforderungen dabei erfüllt werden müssen.

Im Zentrum stehen nicht nur klassische Überweisungen. Auch tokenized deposits, also digitalisierte Bankeinlagen, sollen künftig auf der Blockchain transferiert werden. Dadurch könnten Banken Liquidität in Echtzeit verschieben und neue Finanzprodukte entwickeln. Diese Tests sind ein wichtiger Schritt, um die Grundlagen für die Finanzinfrastruktur der Zukunft zu schaffen.

Was Linea ist und warum SWIFT darauf setzt

Linea ist eine Layer-2-Blockchain auf Basis von Ethereum und wurde von Consensys entwickelt – dem Unternehmen, das auch hinter der bekannten Wallet Metamask steht. Sie nutzt sogenannte zkEVM-Technologie (Zero-Knowledge Ethereum Virtual Machine), mit der Transaktionen gebündelt und verschlüsselt überprüft werden können.

Dieser Ansatz bietet mehrere Vorteile. Zum einen kann Linea Tausende Transaktionen pro Sekunde verarbeiten, ohne die Hauptkette zu überlasten. Zum anderen sinken durch das Batching die Gebühren erheblich. Zudem ist die Plattform vollständig kompatibel mit der Ethereum Virtual Machine, was es Banken ermöglicht, bestehende Anwendungen zu übernehmen oder neue Smart Contracts zu erstellen. Für SWIFT ist dies eine ideale Lösung, um bestehende Strukturen mit moderner Blockchain-Technologie zu kombinieren.

Warum SWIFT diesen Schritt jetzt geht

Die Finanzwelt befindet sich im Wandel. Immer mehr Vermögenswerte werden tokenisiert und auf Blockchains übertragen. Gleichzeitig wächst der Markt für Stablecoins und digitale Zentralbankwährungen rasant. Diese Entwicklungen könnten SWIFTs zentrale Rolle im internationalen Zahlungsverkehr gefährden.

Mit dem Schritt Richtung Blockchain will SWIFT sicherstellen, dass es auch in Zukunft eine Schlüsselrolle spielt. Besonders wichtig ist dabei die Interoperabilität. SWIFT soll zu einer Plattform werden, die traditionelle Finanzsysteme mit neuen On-Chain-Lösungen verbindet und damit grenzüberschreitende Zahlungen für Banken weltweit erleichtert – unabhängig davon, welche Blockchain sie nutzen.

Funktionsweise des Pilotprojekts

Im Rahmen des Tests werden SWIFT-Nachrichten erstmals direkt auf Linea ausgeführt. Es entsteht eine standardisierte Kommunikationsebene, über die Banken Zahlungen initiieren, bestätigen und abschließen können. Alle Transaktionen werden auf der Blockchain dokumentiert und lassen sich in Echtzeit verifizieren.

Die Pilotphase umfasst verschiedene Anwendungsfälle. Dazu gehören klassische Überweisungen, der Transfer tokenisierter Einlagen sowie die Kommunikation bei komplexeren Finanzgeschäften wie Wertpapierabwicklungen. Erste Ergebnisse zeigen, dass Transaktionen innerhalb von Sekunden abgewickelt werden können und die Kosten im Vergleich zu traditionellen Verfahren deutlich sinken. Gleichzeitig bleibt die neue Lösung kompatibel mit bestehenden Standards wie ISO 20022.

Chancen für Banken und Kunden

Die Integration von Blockchain-Technologie bietet zahlreiche Vorteile für Banken. Prozesse lassen sich automatisieren, Liquidität kann effizienter gesteuert werden und neue Produkte auf Basis programmierbarer Smart Contracts werden möglich. Auch im Bereich Compliance ergeben sich Chancen, da Transaktionen in Echtzeit überwacht und analysiert werden können.

Für Endkunden könnten sich die Veränderungen ebenso positiv auswirken. Überweisungen werden schneller und günstiger, unabhängig von Zeitzonen oder Öffnungszeiten. Internationale Geschäfte könnten einfacher abgewickelt werden, da Zahlungen und Abwicklungen künftig über dieselbe Infrastruktur laufen. Das sorgt nicht nur für Effizienz, sondern auch für mehr Transparenz und Sicherheit.

Risiken und offene Fragen

Trotz der vielversprechenden Entwicklungen gibt es noch offene Fragen. Die Einhaltung regulatorischer Vorgaben bleibt eine der größten Herausforderungen. Geldwäscheprävention, Datenschutz und Sanktionsvorgaben müssen auch auf der Blockchain gewährleistet sein.

Darüber hinaus gibt es technologische Risiken. Dazu gehören mögliche Cyberangriffe, Netzwerküberlastungen oder Fehler in Smart Contracts. Auch Governance-Fragen sind noch nicht vollständig geklärt. Wer entscheidet über Änderungen am Protokoll oder die Behebung von Fehlern? SWIFT und Consensys arbeiten deshalb eng mit Aufsichtsbehörden und Partnerbanken zusammen, um diese Herausforderungen zu lösen.

Ausblick: SWIFT will Brücke zwischen zwei Welten werden

Die Blockchain-Integration ist ein Meilenstein für SWIFT und erst der Anfang einer umfassenden Transformation. In den kommenden Monaten sollen weitere Pilotprojekte starten, etwa für Wertpapiertransaktionen oder die Integration digitaler Zentralbankwährungen.

Langfristig will SWIFT zu einer Brücke zwischen der traditionellen Finanzwelt und der Blockchain-Ökonomie werden. Wenn der Pilot erfolgreich ist, kann das Unternehmen seine Rolle als zentrales Rückgrat des globalen Zahlungsverkehrs nicht nur behaupten, sondern weiter ausbauen – als Infrastrukturplattform für ein neues, digitales Finanzökosystem.

Author

Muriel Ayari

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.