Suchtgefahr für Kinder: New York verklagt Social-Media-Riesen
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Suchtgefahr für Kinder: New York verklagt Social-Media-Riesen

Author

Esma Sakalli

Die wichtigsten Punkte 

New York City verklagt Meta, Google, Snap und ByteDance, weil ihre Plattformen Kinder gezielt süchtig machen und eine mentale Gesundheitskrise auslösen sollen. Die Stadt fordert Schadenersatz und verweist auf steigende Depressionen, Schulfehlzeiten und gefährliche Trends wie Subway Surfing. Google bestreitet die Vorwürfe, die anderen Unternehmen schweigen bislang.

New York City gegen die Macht der sozialen Netzwerke

Es ist eine Klage, die Wellen schlägt: New York City hat fünf der größten Tech-Konzerne der Welt – Meta, Google, Snap, ByteDance und ihre Plattformen Facebook, Instagram, YouTube, Snapchat und TikTok – verklagt. Der Vorwurf: Sie sollen gezielt Kinder und Jugendliche süchtig gemacht haben, mit Folgen, die längst über den digitalen Raum hinausreichen. In einer 327 Seiten starken Klageschrift, eingereicht beim Bundesgericht in Manhattan, spricht die Stadt von „grober Fahrlässigkeit“ und einem „öffentlichen Ärgernis“.

Der Fall reiht sich in rund 2050 ähnliche Verfahren ein, die landesweit laufen – doch New York ist mit 8.48 Millionen Einwohnern, darunter 1.8 Millionen Minderjährige, einer der größten Kläger. Die Stadt fordert Schadenersatz und Maßnahmen gegen das, was sie als „systematisch erzeugte Abhängigkeit“ beschreibt.

Wie Algorithmen Gehirne fesseln

Laut der Klage bedienen sich die Plattformen Techniken, die an Spielautomaten erinnern: Zufallsbelohnungen, endlose Feeds, Push-Nachrichten – alles darauf ausgerichtet, das Gehirn in einen sogenannten Flow State zu versetzen. Kinder sollen so stundenlang am Bildschirm gehalten werden, während Dopamin-Ausschüttungen das Belohnungssystem anregen. Diese Mechanismen, argumentiert die Stadt, seien kein Zufall, sondern bewusst eingesetzt, um Werbeeinnahmen zu maximieren.

Die Klage wirft Social-Media-Plattformen vor, Kinder mit suchterzeugenden Mechanismen in exzessive Nutzung und psychische Belastung zu treiben.

Über 77 Prozent der Highschool-Schüler in New York geben an, täglich drei oder mehr Stunden Bildschirmzeit zu verbringen; bei Mädchen liegt der Anteil noch höher. Das Ergebnis: Schlafmangel, Konzentrationsprobleme, Schulfehlzeiten. Die Stadt sieht darin eine „öffentliche Gesundheitsgefahr“ – eine Einschätzung, die der Gesundheitskommissar bereits Anfang 2024 offiziell bestätigte. Auch Fälle von Depression, Angststörungen und Essstörungen seien rasant gestiegen.

Folgen im echten Leben – und die Suche nach Verantwortung

Doch der Schaden bleibt nicht virtuell. Immer häufiger führen riskante Trends aus dem Netz direkt in Lebensgefahr – etwa das Subway Surfing, bei dem Jugendliche auf fahrenden U-Bahnen reiten. Seit 2023 kamen mindestens 16 Menschen dabei ums Leben, zwei davon allein im Oktober 2025. Die Stadt macht die Sozialen Medien mitverantwortlich für diese Eskalation. Bürgermeister Eric Adams ließ ein zuvor auf Staatsebene geführtes Verfahren zurückziehen, um sich der bundesweiten Klage anzuschließen – ein Zeichen, dass New York den Druck erhöhen will.

Google wies die Vorwürfe entschieden zurück und betonte, YouTube sei ein Streaming-Dienst, kein soziales Netzwerk. Meta, Snap und ByteDance äußerten sich bislang nicht. Doch das Echo auf die Klage ist bereits laut: Sie könnte zu einem Präzedenzfall werden, der das Verhältnis zwischen Tech-Giganten und Gesellschaft neu definiert – und vielleicht die Frage beantwortet, wer die Verantwortung trägt, wenn aus digitaler Faszination gefährliche Abhängigkeit wird.

FAQ

Wann gilt man als Social-Media-süchtig?
Von einer Social-Media-Sucht spricht man, wenn die Nutzung zwanghaft wird und den Alltag beeinträchtigt. Typisch ist, dass Betroffene ständig an soziale Netzwerke denken, Kontrolle über ihre Online-Zeit verlieren und andere Lebensbereiche vernachlässigen. Schlafmangel, Konzentrationsprobleme und soziale Rückzüge sind häufige Anzeichen.

Was kann man gegen eine Social-Media-Sucht machen?
Hilfreich ist es, feste Online-Zeiten einzuführen und Benachrichtigungen auszuschalten, um Impulskontrolle zu trainieren. Digitale Detox-Phasen oder bewusste Pausen helfen, den Kreislauf der ständigen Reize zu durchbrechen. Bei stärkerer Abhängigkeit kann psychologische Unterstützung, etwa durch Verhaltenstherapie, sinnvoll sein.

Was macht Social Media mit unserer Psyche?
Soziale Medien aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn, was kurzfristig Glücksgefühle, langfristig aber Stress und Unzufriedenheit fördern kann. Der ständige Vergleich mit anderen führt häufig zu geringem Selbstwertgefühl und sozialem Druck. Besonders Jugendliche reagieren empfindlich auf Likes, Kommentare und digitale Anerkennung.

Welche Psychologie steckt hinter der Social-Media-Sucht?
Die Plattformen nutzen psychologische Prinzipien wie variable Belohnungen, um Nutzer immer wieder zum Scrollen zu verleiten. Jedes Like oder jede neue Nachricht schüttet Dopamin aus – ein Botenstoff, der Belohnung signalisiert. Dadurch entsteht ein Teufelskreis aus Erwartung, Belohnung und erneutem Verlangen.

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Esma Sakalli

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