Stargate-Affäre: Wird Elon Musk von Donald Trump sabotiert?
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Stargate-Affäre: Wird Elon Musk von Donald Trump sabotiert?

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Simeon Koch

Wie Pech und Schwefel hielten Elon Musk und Donald Trump während des Wahlkampfes zusammen. Nun, nach geschlagener und siegreicher Schlacht, scheint es erstmals zwischen den beiden zu kriseln. Stein des Anstoßes ist ausgerechnet die milliardenschwere KI-Offensive Stargate, die Trump vergangene Woche mit großen Worten angekündigt hatte.

Eine halbe Billion Dollar sollen Oracle, der japanische Investment-Gigant Softbank und Sam Altmans OpenAI investieren, um 100 000 Arbeitsplätze zu schaffen und die kurzfristig verloren geglaubte Vorherrschaft im KI-Sektor zurück nach Amerika zu bringen. Musk fühlt sich hintergangen.


Im Wahlkampf gaben sich Trump und Muks als eingeschworenes Duo. Die Mission lautete: gemeinsamer Einzug ins Weiße Haus.

Dass Tesla in Trumps Stargate-Plänen nicht vorkommt, stößt Elon Musk nämlich sauer auf. Ebenso wie die prominente Rolle, die sein Lieblingsfeind Sam Altman bei Stargate spielt. Ob es Nachlässigkeit war oder Kalkül, dass Trump seinen mächtigen Fürsprecher außen vorlässt – Musk gefällt sich in der Rolle des Geschmähten ganz und gar nicht. In Richtung der namhaften Stargate-Investoren ätzte Musk auf X: „Die haben in Wirklichkeit das Geld gar nicht“.

Die Geldgeber um Softbanks Geschäftsführer Masayoshi Son bezeichnete er als „Schwindler“, die ganze Aktion als „Fake“. Dabei kann die US-amerikanischen KI-Branche derartige Zwietracht gerade jetzt kaum brauchen, wo man sich doch gegen die neue Konkurrenz aus China zusammenschließen will. Und auch Trump sollte gewarnt sein: Elon Musk wurde schon bei Joe Biden zum Königsmörder, weil der ihn überging.

Schmäht Trump seinen größten Fan absichtlich?

Divide et impera – so lautete eins der wichtigsten Mottos der antiken Römer. Es war gleichsam das Erfolgsgeheimnis ihrer Herrschaft über ein Riesenreich, das sich über die gesamte damals bekannte Welt erstreckte. Von den Ausläufern der iberischen Halbinsel über Nordafrika und Europa bis nach Kleinasien, das später rund um Konstantinopel zum Oströmischen Reich werden sollte.

Divide et impera heißt auf Deutsch Teile und herrsche. Die Römer unterwarfen ganze Völker und Stämme, ließen ihre Anführer aber häufig weiterherrschen. Voraussetzung war vollkommener Gehorsam gegenüber den Herrschern in Rom. Was auf den ersten Blick wie edle Gleichberechtigung aussieht, war ein ausgeklügelter geopolitischer Trick: Auf diese Weise stellten die Römer sicher, dass niemand im Reich zu viel Macht bekam, weder ihre Verbündeten noch ehemalige Feinde.


Plötzlich aber fühlt Musk sich bei Stargate übergangen. Steckt dahinter ein Plan? Will Trump verhindern, dass der Tesla-Chef zu mächtig wird?

Wer zu viel Macht hat, wird den Herrschenden schnell gefährlich. Das gilt auch für Freunde. Monopole sind gefährlich, politisch wie wirtschaftlich, das gilt bis heute. Und das weiß auch Donald Trump. Im Wahlkampf kam ihm Musks ökonomische Macht zupass; nun aber, wo er im Weißen Haus sitzt, dürfte er kein großes Interesse daran haben, Musk freie Hand über die wichtigsten Sektoren der US-Wirtschaft zu geben.

Denn ein gewisses Risiko für die freie Marktwirtschaft besteht zweifelsohne, wenn Musk seinen Posten als Vorstand des geplanten Department of Government Efficiency (DOGE) antritt. Mit dieser Pseudo-Behörde soll Musk im bürokratischen Apparat der USA aufräumen und staatliche Projekte effizienter gestalten, um Steuergelder zu sparen.

Kritiker befürchten, der Tesla- und SpaceX-Chef könnte seinen Unternehmen dann noch mehr Staatsaufträge zuschanzen unter dem Vorwand, besser und günstiger zu arbeiten als etwa die NASA. Ähnliche Bedenken werden mit Blick auf die Entwicklung Künstlicher Intelligenz laut. Wenn Musk die KI-Projekte seiner Firmen um Tesla oder xAI für besser und förderwürdiger hält als jene der Konkurrenz (und das ist bei Musk nicht allzu schwer vorstellbar) – warum sollte er als DOGE-Boss nicht dafür sorgen wollen, dass staatliche Subventionen vor allem seinen Unternehmen zugutekommen?

Als Geschäftsmann dürfte Trump derartige Kritikerstimmen erstnehmen – auch, wenn er sie öffentlich beiseite wischt. Denn auch Trump weiß, wie gefährlich die wirtschaftlich Mächtigen im Zweifelsfall den politischen Amtsträgern werden können. Musk ist das beste Beispiel.

Musk wurde schon einmal zum Königsmörder

Denn es war Musk, der sich einst noch mit Barack Obama ablichten ließ und öffentlichkeitswirksam die Demokraten wählte, bevor er auf die Seite der Republikaner wechselte und zu Trumps finanzkräftigem Steigbügelhalter wurde. Als wichtigen Faktor für den Bruch zwischen Musk und der Demokratischen Partei gilt ein Ereignis vor rund vier Jahren.

Damals, im Sommer 2021, überging der amtierende Präsident Biden bei einer Würdigung der wirtschaftlichen Erfolge im US-amerikanischen E-Auto-Sektor den Marktführer Tesla und zeigte Musk demonstrativ die kalte Schulter. Biden hatte die Konzernchefs von General Motors, Stellantis und Ford ins Weiße Haus geladen, um über die Zukunft der E-Mobilität in den Vereinigten Staaten zu beratschlagen. Nicht auf der Gästeliste für die Gala standen Tesla und Elon Musk.

Ein paar Monate später würdigte Biden GM, Stellantis und Ford auf Social Media und lobte, dass sie „mehr Elektrofahrzeuge hier zu Hause bauen als je zuvor“. Erneut kam Musk nicht vor. Ein Versehen war das bestimmt nicht, denn schon damals produzierte Tesla ein Vielfaches der E-Autos, die bei GM oder Ford vom Band laufen. Entsprechend übel fasste Musk die augenscheinliche Schmähung durch Joe Biden auf.


Auf Musks Stargate-Vorwürfe reagierte Trump kühl: "Das tangiert mich nicht. Elon verachtet halt einen der Teilnehmer. Ich habe ja auch Leute, die ich nicht leiden kann."

Via Twitter echauffierte Musk sich damals und schimpfte: „Biden ist eine feuchte Sockenpuppe“. Musk-Fans setzten sogar eine Petition auf, die Biden dazu zwingen sollte, Teslas Marktdominanz anzuerkennen. Trotz 30 000 gesammelter Unterschriften lenkte Biden nicht ein und ignorierte sogar eine offizielle Einladung zur Besichtigung eines Tesla-Werks.

Freilich war diese E-Auto-Posse nicht der einzige Grund für Musk, auf Trumps Seite zu wechseln. Die Tragweite persönlicher Beleidigung sollte man beim reichsten Mann der Welt aber nicht unterschätzen. Auch die juristische Auseinandersetzung mit OpenAI ist für Musk zum persönlichen Feldzug gegen seinen ehemaligen Partner Sam Altman geworden, dem Musk heute vorwirft, OpenAI kommerzialisiert zu haben.

Damit habe Altman sein Versprechen gebrochen, eine gemeinwohlorientierte KI zu schaffen, argumentieren Musks Anwälte. Ausgerechnet dieser Sam Altman bekommt beim milliardenschweren Stargate-Projekt der Trump-Regierung jetzt den Vorzug vor Musk. Dessen beleidigte Reaktion ist kaum überraschend. Unberechtigt ist sie aber auch nicht.

Will Trump ein Musk-Monopol verhindern?

Denn tatsächlich ist laut unabhängigen Recherchen nicht letztgültig geklärt, wo die 500 Milliarden Dollar für Stargate eigentlich herkommen werden. Offiziell sollen sich OpenAI und SoftBank dazu bereiterklärt haben, zunächst jeweils 19 Milliarden Dollar zu investieren. Versprochen sind im ersten Schritt aber ganze 100 Milliarden, allein für die erste Tranche fehlen also noch gut 60 Milliarden.

Und ob Oracle diese Summe vollständig aufbringt, ist zu bezweifeln. Gegenüber der Financial Times soll eine anonyme Quelle erklärt haben, dass neue Investoren für den Restbetrag einsprängen, diese aber noch nicht nominiert seien. Eine andere Quelle beteuerte wiederum gegenüber Forbes, dass es zum jetzigen Zeitpunkt gar keine Probleme gebe, die initialen 100 Milliarden Dollar aufzubringen.

Steht die Zweck-Freundschaft von Musk und Trump vor dem Aus? Zur Nachrichtenagentur Reuters sagte ein Trump-Berater: "Das Ende könnte in Sicht sein."
Musk will davon nichts wissen und wirft den Stargate-Investoren vor, leere Versprechen zu machen. SoftBank etwa habe nur „deutlich weniger als zehn Milliarden“ für Stargate parat, das habe er „aus sicherer Quelle erfahren“. OpenAI-CEO Sam Altman, der seinen ehemaligen Vertrauten Musk in einem Interview mal als „Tyrann“ bezeichnet hat, will diese Unterstellung aber nicht auf sich und seinen Partnern sitzen lassen.

Auf X schoss Altman scharfzüngig zurück: "Mir ist klar, dass das, was für unser Land großartig ist, nicht immer auch das Optimum für Ihr Unternehmen ist, aber ich hoffe, dass Sie in Ihrer neuen Rolle vor allem die USA an die erste Stelle setzen werden."

Genau das übrigens dürfte auch im Sinne von Donald Trump sein. Hat der frischgebackene US-Präsident seinen prominentesten Wahlkampfhelfer deshalb außen vorgelassen? Will Trump mit Aktionen wie Stargate Teslas Konkurrenz stärken, um zu verhindern, dass Musk zu mächtig wird und ihm irgendwann über den Kopf wächst?

Frei nach dem römischen Leitspruch Divide et impera wäre diese Theorie durchaus plausibel, in Ermangelung stichhaltiger Beweise bleibt sie aber reine Spekulation. Dass die Männerfreundschaft zwischen Musk und Trump beiderseits zweckorientiert ist und bei Differenzen über persönliche Ziele schnell Risse bekommen kann, ist dagegen anzunehmen. Möglicherweise ist Stargate ein erstes Anzeichen dafür.

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Simeon Koch

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