Sie sollten nicht investieren. Es kostet Sie nur Zeit, wühlt emotional auf und hat doch sowieso keinen Zweck. Ganz im Gegenteil. Wissen Sie, was am meisten dagegenspricht, mit dem eigenen Kapital an der Börse zu spekulieren? Genau: die Statistik. Laut Studien verlieren zwischen 80 und 90 Prozent aller Kleininvestoren am Finanzmarkt. Wollen Sie sich wirklich gegen die Wahrscheinlichkeit stellen? Wenn Ihre Antwort auf diese Frage Ja lautet, dann lesen Sie diesen Text weiter. In diesem Fall haben Sie nämlich verstanden, dass Rückschläge zum Alltag des Anlegers gehören – manchmal sind sie zu verschmerzen und manchmal so heftig, dass man am liebsten alles hinschmeißen würde.
Wenn Sie damit umgehen können, sind Sie bereit dafür, in diesem Artikel die letzte und vielleicht schmerzhafteste Erkenntnis zu gewinnen, mit der jeder erfolgreiche Investor umgehen muss. Vielleicht haben Sie jahrelange Erfahrung und sind schon lang über diesen Punkt hinweg. Vielleicht sind Sie aber auch neu am Finanzmarkt und müssen diese harte Lektion noch lernen. Denn wirklich erfolgreich ist man an der Börse nur, wenn man versteht, dass man – egal, was mit dem eigenen Portfolio passiert – am Ende enttäuscht sein wird. Dafür gibt es einen einfachen Grund, den Sie verstehen müssen. Denn dieser Grund steht zwischen Ihnen und langfristigem Anlage-Erfolg.
Ihr Portfolio ist nichts wert
Was ist Ihre Preisprognose für den Bitcoin in diesem Zyklus? Packt er die $100 000? Läuft er vielleicht auf $120 000 – oder sogar über $200 000? Ab welchem Preis wären Sie zufrieden? Haben Sie sich darüber schon mal Gedanken gemacht? Was möchten Sie sich leisten können, wovon träumen Sie, wenn Sie auf Ihr Portfolio oder in Ihr Aktien-Depot schauen? Wissen Sie was? Träumen ist erlaubt. Und kann sehr profitabel sein.
Niemand geht an die Börse, weil es ihm egal ist, wieviel Geld er in der Tasche hat. Jeder Investor hat mit dem Traum angefangen, Wohlstand aufzubauen oder sogar reich zu werden. Das ist nicht verwerflich. Ganz im Gegenteil. Realistisch ist es aber leider auch nicht. Schließlich verlieren die meisten Kleinanleger an der Börse. Und schuld daran ist ein Fehler in der Perspektive der allermeisten Menschen, die ihr Geld am Finanzmarkt riskieren. Ist man reich, wenn das eigene Anlage-Portfolio einen fünfstelligen Gesamtwert hat? Wenn man die $100 000 im Krypto-Portfolio knackt? Braucht man Bitcoin im Wert von einer Million, um ausgesorgt zu haben? Oder Altcoins im Wert von einer halben?
Wenn Sie gar nicht erst angefangen haben, sich darüber Gedanken zu machen, dann haben Sie recht. Die einfache Antwort ist: In keinem dieser Szenarien wären Sie reich. Das liegt nicht daran, dass das Leben teurer oder das Geld weniger wert wird. Und auch nicht daran, dass man heutzutage wohl noch deutlich mehr braucht, um in der verzerrten Social-Media-Öffentlichkeit als wirklich reich zu gelten. Nein. Weder mit einer halben, einer ganzen oder zehn Millionen im Portfolio wären Sie reich – zumindest, solange Bitcoin nicht die anerkannte Währung in Ihrem Heimatland ist, solange Sie nicht mit Ripple Ihre Steuern zahlen können und solange man mit Apple-Aktien keine Brötchen bezahlen kann. Wenn Sie das, was Sie zum Leben brauchen, in Euro, Schweizer Franken, US-Dollar oder einer anderen staatlichen Währung bezahlen, bringt Ihnen die Zahl in Ihrem Portfolio erstmal nichts. Und das gilt umso mehr, je volatiler die Assets sind, in die Sie investieren. Ihr Portfolio ist nichts wert, solange Sie keine Gewinne realisieren. Wenn Sie am Poker-Tisch sitzen, können Sie sich von Ihren Chips nichts kaufen. Das Geld gehört erst Ihnen, wenn Sie aus dem Casino gehen, ins Auto steigen und die Dollar- oder Euro-Scheine in Ihrer Tasche rascheln hören. Vorher nicht.
Der Bitcoin-Bullenmarkt wird Sie enttäuschen…
So mancher wird sich jetzt beleidigt fühlen. Sie haben doch recherchiert, Bücher gelesen und Geschäftszahlen durchforstet. Sie haben Edelmetalle gekauft, Altcoins mit besonders fortschrittlicher Technologie oder Aktien hochprofitabler Unternehmen. Verstehen Sie es nicht falsch: Obwohl der überwiegende Anteil aller Kleinanleger an der Börse investiert, kann man sich mit eingehender Analyse und entsprechender Erfahrung einen unschätzbaren Vorteil verschaffen. Man kann die Statistik schlagen und an der Börse gewinnen – aber nur, wenn man auch Gewinne realisiert und die Emotionen beherrscht, die einen davon abhalten. In der Rückschau gibt es auf der Welt nichts Einfacheres als profitabel zu investieren. Retrospektiv erscheint es offensichtlich, wo die besten Preisbereiche für lukrative Einstiege waren und zu welchem Zeitpunkt man am besten verkauft hätte. Im Moment selbst aber, wenn sich der Markt am Boden oder Top des Zyklus befindet, ist das alles andere als eindeutig. In diesen Momenten spielen Ihnen Ihre Emotionen einen potenziell verheerenden Streich.
Niemand weiß, wann der Bitcoin sein Zyklus-Top erreicht. Trotz eindeutiger Gemeinsamkeiten vergangener Zyklen lässt sich auch bei einzelnen Altcoins nie präzise vorhersagen, wo der höchste Preis in einem Bullenmarkt liegen wird. Trotzdem müssen Sie irgendwann Gewinne realisieren. Wenn Sie Ihre Gewinne nämlich nicht nehmen, wird sie der Markt früher oder später für Sie nehmen – im Krypto-Markt eher früher. Nun aber stehen Sie vor einem Trilemma: Wenn Sie in den explosiven Anstieg hinein verkaufen, werden Sie sich womöglich am nächsten Tag oder in der nächsten Woche ärgern, nicht noch ein bisschen länger gewartet zu haben, wenn der Bitcoin weitere 20 Prozent zugelegt hat. Wenn Sie zu lange warten und erst verkaufen, wenn der Bitcoin von seinem Top schon wieder zurückgesetzt hat, werden Sie bereuen, nicht früher verkauft zu haben. Und wenn Sie gar nicht verkaufen, wird Sie der nächste Bärenmarkt einholen, ohne dass Sie mit raschelnden Scheinen in der Tasche ins Auto gestiegen sind. Was also tun? Am besten, Sie stellen sich schon jetzt darauf ein, dass Sie auf die eine oder andere Weise enttäuscht werden. Dann haben Sie – zumindest emotional – nichts mehr zu verlieren.
… wenn Sie sich selbst nicht im Griff haben
Jetzt kann man sich das noch nicht vorstellen. Bitcoin auf über $100 000, Ethereum vielleicht über $10 000. In den letzten sechs Monaten ging es quälend lang seitwärts und die Krypto-Community war schon aus dem Häuschen, wenn der Bitcoin die $65 000 mal für ein paar Stunden zurückerobern konnte – oder wenigstens nicht wieder unter $50 000 fiel. Jeder spricht beim kleinsten Anstieg von überhitzten Indikatoren, überkauften Preisbereichen und notwendigen Korrekturen. Da verliert man schnell die Fantasie für wirklich atemberaubende Anstiege, wie sie in den letzten Zyklen geschahen. All das ist heute nicht mehr möglich, unken Zweifler. Das haben Sie auch in den letzten Bullenmärkten gesagt. Vielleicht sind sie einfach verbittert, weil sie viel zu früh verkauft haben – oder viel zu spät. Wer am Anfang unrealistisch bärische Vorstellungen hat, schwenkt im Hype ebenso schnell zu unrealistisch bullischen Prognosen um. Und verliert. Bitcoin war in den letzten Zyklen nur wenige Tage im Bereich seines damaligen Allzeithochs, Altcoins teils nur wenige Stunden, bevor sie wieder um 30 oder 40 Prozent nach unten rauschten. Da ist es besser, Stück für Stück Gewinne zu realisieren, als auf den perfekten Zeitpunkt zu hoffen. Den trifft man sowieso nicht. Tun Sie sich selbst den Gefallen und nehmen Sie Poker-Chips vom Tisch. Stück für Stück, auch wenn Ihr Ideal-Preisziel noch nicht erreicht ist. Gewinn ist Gewinn. Werden Sie nicht hektisch, warten Sie aber auch nicht zu lang. Halten Sie Ihre Emotionen in beide Richtungen im Zaum. Ihre Tasche mit den Dollar-Scheinen darin wird es Ihnen danken. Der Markt aber ist undankbar. Vergessen Sie das nicht.


Bei vielen Altcoins dauert das Zyklus-Top nur Sekunden. Die Top-125 aller Kryptowährungen waren 2021 nur wenige Tage auf Top-Niveau, bevor schnelle und starke Korrekturen folgten.
Im Sinne des eigenen Kapitals sollte man in die größte Euphorie hinein verkaufen. Zahlen im Portfolio sind nichts wert – nur realisierte Gewinne sind echte Profite!

