Haben Sie sich schon einmal gefragt, wer in Deutschland wirklich reich ist? Nicht in der Version, die man auf Instagram sieht oder aus Filmen kennt, sondern in unserer Realität.
Eine wissenschaftliche Untersuchung aus Berlin (Jahr 2020) liefert darauf einen erstaunlich nüchternen Blick und das Ergebnis ist eindeutig: Vermögen ist in Deutschland stark konzentriert. Die oberen zehn Prozent besitzen rund zwei Drittel des gesamten individuellen Nettovermögens. Noch deutlicher wird es ganz oben: Das reichste Prozent vereint rund 35 Prozent des Vermögens auf sich.
Wenn so viel Vermögen doch in so wenigen Händen liegt, sollten wir dann nicht wissen, wer genau zu dieser Gruppe gehört?
Wer sind Deutschlands Millionäre wirklich?
Viele stellen sich reiche Menschen als junge Startup-Gründerinnen vor oder als Erben aus einer anderen gesellschaftlichen Welt. Die Realität sieht jedoch bodenständiger aus – nämlich älter. Rund 40 Prozent der Millionäre und Millionärinnen sind 65 Jahre oder älter, weitere 37 Prozent zwischen 50 und 64. Das Vermögen eines Menschen entsteht also meist nicht über Nacht, sondern über Jahrzehnte hinweg.
Des weiteren zeigt die Studie, dass Reichtum nicht nur eine Frage des Kontostands ist, sondern auch der gesellschaftlichen Struktur. Denn auch bei der Geschlechterverteilung zeigt sich ein klares Muster. Deutschlands Millionäre sind überwiegend männlich, nur 31 Prozent sind Frauen.
Deutschlands Millionäre sind überwiegend älter, mehrheitlich männlich und häufig selbständig.
Und während viele vermuten, Vermögen entstehe vor allem durch hohe Gehälter oder die richtige Karriere, weist die Studie auf einen viel entscheidenderen Zusammenhang hin: Reichtum ist in Deutschland sehr eng mit Selbständigkeit verbunden. Etwa 73 Prozent der deutschen MillionärInnen sind nämlich selbständig.
Wie wir uns hätten selbst denken können, führt der Weg zum großen Vermögen also selten über ein klassisches Angestelltenverhältnis. Häufig entsteht er genau dann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und damit gewiss auch Risiken in Kauf nehmen.
Reichtum ist selten Cash – das wird oft unterschätzt
Wer versteht, wie eng Vermögen mit Selbständigkeit und Unternehmertum verbunden ist, erkennt auch schnell, warum Reichtum im Alltag häufig unsichtbar bleibt. Denn das Vermögen vieler Millionäre liegt nicht auf dem Konto, sondern steckt in Vermögensformen, die man nicht jeden Tag vor Augen hat.
Deutsche Millionäre haben den größten Teil ihres Vermögens tatsächlich im Betriebsvermögen (etwa 40 Prozent), also in Unternehmen oder Unternehmensanteilen. Hinzu kommen sonstige Immobilien (ca. 25 Prozent) und selbstgenutztes Wohneigentum (ca. 18 Prozent). Geldanlagen spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.
Reichtum ist also weit mehr als die tägliche (aktive) Arbeitszeit, die man leistet. Wohlstand entsteht nicht (direkt), wenn man für sein Geld arbeitet. Sondern dann, wenn man das Geld für sich arbeiten lässt. Und das geht am besten, wenn man Wertanlagen besitzt, die regelmäßig Geld abwerfen.
Zufriedenheit ja – Freizeit nein
Das heißt aber nicht, dass Millionäre nichts tun. Viele arbeiten viel, tatsächlich sogar mehr als der Großteil unserer Gesellschaft. Laut der Studie kommen erwerbstätige Millionäre im Durchschnitt auf knapp 47 Arbeitsstunden pro Woche – deutlich mehr als Menschen in den unteren Vermögensgruppen.
Reichtum bedeutet also nicht automatisch mehr Zeit. In vielen Fällen bedeutet er das genaue Gegenteil: mehr Entscheidungen, mehr Verpflichtungen, mehr Druck. Und spätestens jetzt wird sichtbar, dass Vermögen nicht nur ein materielles Thema ist, sondern auch ein psychologisches.
Selbstwirksamkeit: Der unterschätzte Faktor hinter unternehmerischem Erfolg
Wenn Reichtum so häufig mit Selbständigkeit verbunden ist, dann stellt sich zwangsläufig die nächste Frage: Was braucht ein Mensch innerlich, um diesen Weg überhaupt zu gehen?
Hier kommt ein Faktor ins Spiel, der in der Debatte über Reichtum selten erwähnt wird, wissenschaftlich aber belegt ist: Selbstwirksamkeit. In der Psychologie meint man damit das grundlegende Vertrauen in die eigene Fähigkeit, auch schwierige und neue Situationen zu bewältigen. Das Gefühl: „Ich finde einen Weg. Selbst dann, wenn es kompliziert wird“.
Eine weitere große deutsche Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, wie wichtig genau dieses Gefühl für unternehmerischen Erfolg ist. Die Forscherinnen und Forscher begleiteten dafür über 1400 Unternehmer in den ersten Monaten nach der Unternehmensgründung, um zu untersuchen, wie stark ihre Selbstwirksamkeit mit dem weiteren Verlauf zusammenhing.
Und tatsächlich: Gründerinnen und Gründer mit hoher Selbstwirksamkeit hatten bessere Chancen, dass ihr Unternehmen überlebt.
Wieso Selbstwirksamkeit so eine bedeutend große Rolle beim Erfolg spielt? Weil Menschen, die an ihre eigenen Fähigkeiten glauben, dranbleiben. Auch wenn es schwierig wird. Sie geben bei Rückschlägen seltener auf und interpretieren Fehler eher als Lernprozess. Selbst wenn Ergebnisse zunächst ausbleiben, bleiben MillionärInnen handlungsfähig.
Gerade am Anfang eines Unternehmens ist vieles unsicher: Kunden können fehlen, Einnahmen schwanken und Probleme tauchen auf, wo man sie nicht erwartet hat. Wer in diesen kritischen Phasen durchhält, der öffnet langfristige Türen für Erfolg. Vorausgesetzt natürlich, man schätzt die eigenen Chancen und Risiken realistisch ein.
Was wir daraus mitnehmen können
Die wichtigste Erkenntnis am Ende ist nicht nur, wie stark Vermögen in Deutschland konzentriert ist. Sondern dass Vermögen nicht nur Geld ist. Es ist ein Zusammenspiel aus Entscheidungen und langfristigem Denken – und oft auch aus psychologischen Ressourcen wie dem Gefühl: Ich kann etwas bewegen.
Niemals zu unterschätzen ist dabei das eigene Mindset. Will man zu den deutschen Millionärinnen und Millionären zählen, so sollte man sich nicht (nur) darum sorgen, was man besitzt. Sondern auch darum, was man sich selbst auf dem Weg dahin zutraut.

Reichtum entsteht meist nicht durch Arbeitszeit, sondern durch Besitz von Unternehmen und Immobilien, die dauerhaft Erträge liefern.
Selbstwirksamkeit heißt: an die eigenen Fähigkeiten glauben und auch in schwierigen Situationen weitermachen.
Die Studie zeigt: Wer an sich glaubt, bleibt in schwierigen Startphasen dran – und erhöht so die Chance, dass das Unternehmen wächst.

