RSI und MACD: Wie man bei Bitcoin und Aktien profitable Trends erkennt
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RSI und MACD: Wie man bei Bitcoin und Aktien profitable Trends erkennt

Author

Simeon Koch

„Der Bitcoin zeigt eine bullische Divergenz!“ Haben Sie diesen Satz schon einmal gehört und nicht gewusst, was damit gemeint ist? Dann sind Sie hier richtig. Heute betrachten wir zwei der wichtigsten technischen Indikatoren für Trendwechsel im Kurs von Aktien, Kryptowährungen oder Rohstoffen: den Relative-Stärke-Index (RSI) und den Moving Average Convergence Divergence-Indikator, kurz MACD. Beide bewerten das Momentum eines Preisverlaufs und signalisieren, wann es lohnenswert sein könnte, einzukaufen oder auszusteigen. RSI und MACD sind wichtige Eckpfeiler für das technische Verständnis von Charts – und helfen dabei, kurz- und langfristig profitabel zu investieren.

Überkauft? Unterbewertet? Relative Stärke und Momentum

Der Relative Strength Index (RSI) zählt zu den bekanntesten technischen Indikatoren für kurz- und langfristige Chartanalyse und wurde bereits 1978 vom amerikanischen Ingenieur und Finanzmarktanalysten John Welles Wilder entwickelt, der ihn in seinem Buch New Concepts in Technical Trading Systems vorstellte. Der RSI misst die Geschwindigkeit und das Ausmaß von Preisveränderungen eines Wertpapiers und hilft dabei, überkaufte oder überverkaufte Marktbedingungen zu identifizieren.

Einfach gesagt zeigt der RSI an, wenn eine Aktie über- oder unterbewertet ist. Er wird als sogenannter Oszillator auf einer Skala von 0 bis 100 dargestellt, wobei ein Wert über 70 überkaufte (überbewertete) und ein Wert unter 30 überverkaufte (unterbewertete) Kurse signalisiert. Der RSI kann somit auch Hinweise auf bevorstehende Kursumkehrungen oder Korrekturen geben.

Beispiel Bitcoin: Läuft der RSI in den überverkauften Bereich (rote Kreise), folgt meist ein Anstieg, beim überkauften Bereich (grün) häufig ein Abverkauf.

Die Berechnung des RSI erfolgt auf Basis der letzten 14 Zeiteinheiten, etwa den 4-Stundenintervallen oder Handelstagen, je nach Chart-Skalierung. Grob gesprochen wird aus allen positiven und allen negativen Kerzen dieser Phase jeweils ein Durchschnitt ermittelt. Mithilfe einer feststehenden Formel wird dann ein Wert zwischen 0 und 100 für den RSI errechnet. Je größer die Verluste in den letzten 14 Zeiteinheiten, desto niedriger der RSI; je stärker die kurzfristigen Zugewinne des Kurses, desto höher.

Durch seine fortlaufende Berechnung und die Bildung von Mittelwerten über die letzten 14 Zeiteinheiten glättet sich der RSI zu einer Linie ohne große Ausschläge. Wenn der Bitcoin also in den letzten 14 Tagen einen starken Ausschlag nach oben und einen ebenso starken nach unten hatte, bewegt sich der RSI auf Tagesebene kaum, weil sich die Bewegungen im Durchschnitt der letzten zwei Wochen gegenseitig aufheben. Der RSI erreicht dadurch nur in sehr starken Trends extrem hohe oder niedrige Werte.

Die Macht der Extreme: bullische und bärische Divergenz

Besonders interessant für erfahrene Trader sind sogenannte RSI-Divergenzen. Sie entstehen, wenn sich der Kurs eines Wertpapiers in die entgegengesetzte Richtung zum RSI entwickelt. Eine bullische Divergenz tritt beispielsweise auf, wenn der RSI ein höheres Tief bildet, während der Kurs weiter fällt. Das kann auf einen bevorstehenden Aufwärtstrend hinweisen. Umgekehrt bildet der RSI bei einer bärischen Divergenz niedrigere Hochs, während der Kurs weiter steigt. In diesem Szenario ist eine Umkehr nach unten wahrscheinlich.

Bildet der Kurs höhere Hochs, während der RSI abfällt, entsteht eine bärische Divergenz. Ein fallender Kurs bei steigendem RSI ist bullisch divergent.

Eine der wichtigsten Schwächen des RSI ist seine Fehleranfälligkeit in stark trendenden Märkten. In den letzten Krypto-Bullenmärkten blieb der Indikator oft wochen- oder monatelang im extrem überkauften Niveau. Bei kurzfristigen Handelsentscheidungen sind anhaltende Extremsignale aber wenig hilfreich. Um mittel- und längerfristige Trendwenden zu erkennen sowie RSI-Signale auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen, wird häufig der Moving Average Convergence Divergence-Indikator (MACD) herangezogen. Der MACD reagiert etwas langsamer als der RSI auf Kursbewegungen, ist deshalb aber in der langfristigen Perspektive zuverlässiger.

Wann übertreibt der Markt? Und wann dreht er?

Der MACD ist ebenso wie der RSI ein trendfolgender Indikator. Das bedeutet, dass er keine Zukunftsprognosen gibt, sondern auf vergangene Kursbewegungen und Trends reagiert. Der MACD funktioniert nach einer ähnlichen Logik wie das Bullmarket Support Band und stellt die Beziehung zwischen zwei gleitenden Durchschnitten (EMAs) eines Asset-Preises dar. Er wird berechnet, indem man den 26-Tage-EMA vom 12-Tage-EMA subtrahiert. Eine Signallinie (ein 9-Tage-EMA des MACD selbst) wird über den MACD gelegt und dient als Kauf- oder Verkaufssignal.

Ein Kaufsignal entsteht, wenn sich der MACD über die Signallinie bewegt, der Kurs also im Vergleich zur durchschnittlichen Bewegung der letzten Zeit stärker ansteigt und diese Bewegung so nachhaltig durchhält, dass der MACD sie registriert. Ein Verkaufssignal entsteht, wenn der MACD unter seinen gleitenden 9-Tage-Durchschnitt fällt, der Preis also in eine stärkere Abwärtsbewegung geht als im Schnitt der näheren Vergangenheit. Beides bedeutet eine Trendwende, die mithilfe des MACD sichtbar wird.

Wenn die grüne Linie (12-Tage-EMA) die rote (26-Tage-EMA) unterschreitet (rote Kreise), fällt der MACD ins Negative – und umgekehrt (grüne Kreise). Schneidet der MACD seine Signallinie (9-Tage-EMA), signalisiert das einen Trendwechsel.

Der RSI reagiert in der Regel schneller als der MACD, da er auf kurzfristige Preisänderungen basiert. Während der MACD zwei gleitende Durchschnitte (den 12-Tage- und 26-Tage-EMA) vergleicht, die beide verzögert auf Preisbewegungen reagieren, berechnet der RSI das Momentum basierend auf den tatsächlichen Gewinnen und Verlusten der letzten 14 Perioden. Daher kann der RSI kurzfristige Veränderungen schneller erfassen, während der MACD etwas langsamer ist, da er durch die Verzögerung der gleitenden Durchschnitte geglättet wird.

Beide Indikatoren sind trendfolgend (engl.: lagging), da sie auf historischen Daten basieren. Das bedeutet, dass sie die Preisbewegungen eines Wertpapiers nachträglich analysieren. Allerdings weist der RSI in manchen Fällen proaktiver auf überkaufte oder überverkaufte Bedingungen hin, da er auf extremeres Momentum reagiert. Der MACD ist tendenziell besser geeignet, um längerfristige Trends zu bestätigen, während der RSI schneller kurzfristige Schwankungen anzeigt.

Sowohl der RSI als auch der MACD messen das Momentum des Kurses, also die Stärke und Geschwindigkeit der Preisbewegungen. Außerdem haben sie gemeinsam, dass sie versuchen, Übertreibungen in Marktbewegungen zu identifizieren: Der RSI misst, ob ein Wertpapier (oder ein anderer Wert) kurzfristig über- oder unterbewertet ist. Der MACD konzentriert sich auf die Bestätigung von längerfristigen Trends und signalisiert, wann ein Trendwechsel wahrscheinlich ist.

Konkrete Aussagen über die Länge und Stärke künftiger Preisbewegungen können sie aber nicht treffen. Nützlicher ist dabei die Elliott-Wellen-Methode, mit der wir eine Reihe internationaler Aktien, wichtiger Kryptowährungen und spannender Rohstoffe für Sie analysieren! Natürlich werfen aber auch wir im Hintergrund stets einen ergänzenden Blick auf diese beiden wichtigen Indikatoren.

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Simeon Koch

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