Dass Rio Tinto nicht der beste Arbeitgeber ist, weiß man schon längst. Neben den jahrtausendealten historischen Glaubensstätten der Aborigines, die das Bergbauunternehmen wegen Grabungen zerstörte, ist Rio Tinto besonders für seine toxische Arbeitskultur bekannt. Rund die Hälfte der Belegschaft wurde oder wird aktiv gemobbt, wie aus einem Bericht von Januar 2022 hervorging. Zudem gaben über 30% der Frauen im Unternehmen an, sexuell belästigt worden zu sein. Bei Männern sind es 7%. Das Vorzeigeunternehmen schlechthin ist Rio Tinto also nicht und diesen Ruf verteidigt man in Australien vehement.
Vor etwa zwei Wochen verschwand in Australien ein Behältnis mit hoch radioaktivem Material. Dies löste den Alarmzustand in der Provinz West-Australiens aus. Es handelt sich um eine Kapsel mit 6 Millimetern Durchmesser und einer Länge von 8 Millimetern. Enthalten ist darin Caesium-137 mit einer Strahlkraft von 10 Röntgengeräten pro Stunde. Diese doch sehr nordamerikanische Art und Weise, die Strahlkraft zu beschreiben, zeigt sehr gut, wie hoch die Energiedichte ist und weshalb dieser Vorfall einen Alarm in der Provinz auslöste. Wenn man sich diesem Objekt auf mehr als 5 Meter nähert, besteht die Gefahr von radioaktiven Verbrennungen und natürlich schwerer Erkrankung.
Heute kam dann heraus, wer der Übeltäter war: Rio Tinto. Das Minenunternehmen benutzt radioaktive Stoffe, um die Dichte von Eisenerz zu ermitteln. Bei einem Transport von Newman nach Perth, also auf einer Strecke von über 1400 Kilometern, sei wohl diese hochgefährliche Kapsel „vom LKW gefallen“. Als wäre das nicht schon peinlich genug, setzt Rio Tinto noch einen oben drauf: „Wir entschuldigen uns für das Auslösen des Alarms“. Mit einem einfachen „Sorry“ nach fast 2 Wochen zeigt sich das Unternehmen nicht sehr wortgewandt. Nun suchen spezialisierte Rettungskräfte buchstäblich nach der Nadel im Heuhaufen: Eine 8mm lange Kapsel auf einer Strecke, die länger ist als Großbritannien. Fraglich, ob da ein „Sorry“ ausreicht.




