Die wichtigsten Punkte
Renault und Geely gründeten Horse Powertrain Limited, um Hybrid- und Verbrennungsantriebe weltweit zu entwickeln und zu produzieren. Mit 19 000 Mitarbeitern, 17 Werken und einem erwarteten Umsatz von 15 Milliarden Euro will das Unternehmen Marktführer werden. Aramco hält seit Ende 2024 zehn Prozent und stärkt die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe und CO₂-armer Motoren für eine nachhaltigere Mobilität.
Ein neues Kraftzentrum entsteht
Wenn sich zwei Giganten zusammenschließen, verändert das die Industrie. Doch mit der Gründung von Horse Powertrain Limited im Mai 2024 haben Renault und Geely mehr geschaffen als nur ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen – sie haben den Grundstein für eine neue Ära des Verbrennungs- und Hybridantriebs gelegt. Von London aus soll das Joint Venture den Markt für moderne Antriebssysteme dominieren und mit jährlich fünf Millionen Einheiten sowie einem Umsatz von 15 Milliarden Euro zu einem globalen Schwergewicht avancieren.
CEO Matias Giannini steht an der Spitze eines Projekts, das ehrgeiziger kaum sein könnte: 17 Werke, 19 000 Beschäftigte, fünf Forschungszentren – ein globales Netz für eine Technologie, die im Schatten der Elektromobilität wieder an Strahlkraft gewinnt. Denn während die Welt über E-Autos spricht, wissen die Strategen von Renault und Geely, dass bis 2040 noch immer mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge Verbrennungsmotoren nutzen werden. Das neue Unternehmen will genau hier ansetzen – mit Hybridlösungen, alternativen Kraftstoffen und einer Vision: nachhaltige Mobilität durch Effizienz statt Verzicht.
Und Aramco steigt ein
Nur ein halbes Jahr nach der Gründung folgte der nächste Coup: Der saudische Energieriese Aramco übernahm im Dezember 2024 zehn Prozent an Horse Powertrain Limited. Mit dieser Beteiligung sank der Anteil von Renault und Geely auf jeweils 45 Prozent – doch strategisch war der Schritt ein Gewinn für alle. Aramco bringt nicht nur Kapital, sondern entscheidendes Know-how im Bereich synthetischer Kraftstoffe und CO₂-armer Energie mit. Diese Partnerschaft erweitert den technologischen Horizont des Joint Ventures erheblich: Neben klassischen Hybridsystemen sollen künftig auch Antriebe entstehen, die mit grünem Methanol, Ethanol oder Wasserstoff betrieben werden.
Aramco beteiligte sich 2024 mit zehn Prozent an Horse Powertrain und stärkt das Joint Venture mit Know-how für klimafreundliche Antriebstechnologien.
Aramcos Einstieg unterstreicht, dass der Weg zur Klimaneutralität nicht allein über Batterien führt. Die Investition, basierend auf einer Unternehmensbewertung von 7.4 Milliarden Euro, markiert den Beginn einer engen Zusammenarbeit mit Valvoline Global – einem Partner mit über 150 Jahren Erfahrung in Schmierstoffen und Motorentechnologie. So wird Horse Powertrain nicht nur ein Hersteller, sondern ein Innovationsnetzwerk, das Forschung, Produktion und Anwendung weltweit verbindet.
Hybridstrategie mit Weitblick – wie Renault und Geely den Markt neu ordnen
Während die Elektromobilität in Europa Fahrt aufnimmt, denken Renault und Geely längst globaler. In Asien, Lateinamerika und Afrika entstehen Märkte, in denen Hybrid- und Verbrennungstechnologien noch auf Jahrzehnte dominieren werden. Das 2025 gestartete Entwicklungsprogramm auf Basis der Geely-GEA-Plattform zeigt, wohin die Reise geht: Neue SUV-Modelle – teils elektrisch, teils als Plug-in-Hybride – sollen von China aus für Regionen entstehen, in denen Infrastruktur und Kaufkraft nicht überall den Sprung zur reinen Elektromobilität erlauben.
Renault bringt dabei Design und Marktzugang ein, Geely liefert Technologie und Produktionskapazität. Aramco wiederum sorgt mit alternativen Kraftstoffen für eine umweltfreundlichere Perspektive. Diese Allianz könnte sich als Modell für die gesamte Industrie erweisen: ein hybrider Ansatz – technologisch wie strategisch. Denn Horse Powertrain Limited steht sinnbildlich für einen Paradigmenwechsel. Es ist kein nostalgischer Rückgriff auf den Verbrenner, sondern die konsequente Evolution seiner besten Eigenschaften – vernetzt, effizient und bereit für die nächste Generation Mobilität.
FAQ
Welche Automarken gehören Geely?
Zu Geely gehören zahlreiche Automarken wie Volvo Cars und Polestar, aber auch der britische Hersteller Lotus und die Marke Zeekr. Das Portfolio umfasst zudem Marken wie Lynk & Co, LEVC (London Electric Vehicle Company), Geely Auto sowie Anteile an anderen Unternehmen wie Aston Martin und Renault Korea.
Wann kommt Geely nach Deutschland?
Geely plant den Deutschlandstart seiner Elektromarke Zeekr voraussichtlich zwischen 2026 und 2027. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.
Ist Geely an Mercedes beteiligt?
Ja, der chinesische Geely-Konzern ist an der Mercedes-Benz Group beteiligt; er ist mit rund 9.7 Prozent der größte Einzelaktionär seit 2018. Darüber hinaus arbeiten die beiden Unternehmen in einem 50:50-Joint-Venture an der Marke Smart und nutzen teilweise Geelys Motortechnologie für bestimmte Mercedes-Modelle.
Wird Mercedes einen Geely-Motor verwenden?
Ja, Mercedes wird künftig Motoren verwenden, die gemeinsam mit Geely entwickelt und in China produziert werden – darunter den neuen M252-Vierzylinder, der in Werken gefertigt wird, die eng mit Geely und Aurobay verbunden sind. Beide Unternehmen arbeiten zudem an Weiterentwicklungen der modularen Motorenfamilien FAME und MGE. Beim neuen Mercedes-CLA soll ein 2.0-Liter-Turbomotor aus dem Horse/Geely-Netzwerk zum Einsatz kommen.
Wie viel Prozent von Mercedes gehört den Chinesen?
Die chinesische BAIC Group hält derzeit rund 9.98 Prozent der Stimmrechte an der Mercedes-Benz Group AG und ist damit der größte Einzelaktionär. Geely-Gründer Li Shufu besitzt über seine Beteiligungsgesellschaft etwa 9.69 Prozent der Anteile. Zusammen kontrollieren chinesische Investoren damit knapp 20 Prozent der Stimmrechte bei Mercedes.




