Am Mittwoch hat US-Präsident Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses einen "Befreiungstag" für die amerikanische Wirtschaft ausgerufen. Schon vor Wochen hatte er angekündigt, Zölle gegen alle US-Handelspartner zu verhängen, um die heimische Wirtschaft zu schützen. Wie ernst man es meint, unterstrich Anfang der Woche Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses, die Trumps Terminwahl des 2. April damit erklärte, dass man jeglichen Aprilscherzen vorbeugen wolle. Mit einem neuen Dekret führt Trump nun reziproke Zölle ein, die Importe aus 185 Ländern betreffen.
Waren aus der EU sollen etwa mit einer Pauschale von 20 Prozent verzollt werden, chinesische Einfuhren mit 34 Prozent – jeweils zuzüglich bereits bestehender Zölle. Laut Trump sollen diese Maßnahmen Jahrzehnte unfairer Handelspraktiken beenden – Experten warnen jedoch vor einer Wirtschaftskrise. Die Geschichte zeigt: Bei früheren Rezessionen der USA spielten Zölle oft eine wichtige Rolle. Schon vor Trump nutzte eine ganze Reihe von US-Präsidenten das Werkzeug des Strafzolls für ihre Zwecke. Besonders nachhaltig war der Protektionismus aber nie.
Donald Trumps altes Vorbild
Historisch gesehen haben die Vereinigten Staaten immer wieder auf Zölle zurückgegriffen, um ihre Wirtschaft zu schützen. Ein prominentes Beispiel ist Präsident William McKinley, der Ende des 19. Jahrhunderts als Verfechter des Protektionismus, also der wirtschaftlichen Abschottung nach außen, galt. McKinley argumentierte, dass Schutzzölle die heimische Industrie fördern und Arbeitsplätze sichern würden. Unter McKinley (damals noch hochrangiger Senator) wurde 1890 der McKinley-Zolltarif eingeführt, der die Zölle auf Importe deutlich erhöhte.
William McKinley bei seiner Amtseinführung: Der 25. Präsident der Vereinigten Staaten setzte auf Protektionismus und erhöhte Einfuhrzölle zum Schutz der heimischen Wirtschaft
Diese Politik führte kurzfristig zu einem Anstieg der Industrieproduktion, verursachte jedoch auch höhere Preise für Verbraucher und verschärfte die wirtschaftlichen Spannungen mit Handelspartnern. Kurz darauf gerieten die USA in eine der ersten großen Wirtschaftskrisen seit ihrer Einigung: Die sogenannte Panik von 1893 wurde ausgelöst durch eine Bankenkrise, den Zusammenbruch von Eisenbahngesellschaften und einen massiven Abfluss von Goldreserven. Die Arbeitslosigkeit stieg stark an, und das Land fiel in eine langanhaltende Depression.
McKinley erbte diese Krise, als er 1897 Präsident wurde, und setzte weiterhin auf Protektionismus, um die amerikanische Industrie zu stärken. Tatsächlich stabilisierte sich die Wirtschaft während seiner Amtszeit bis 1901. Dennoch argumentieren einige Historiker, dass der aggressive Protektionismus zu diplomatischen Spannungen und Handelsrückgängen führte, die sich später negativ auswirkten. McKinleys Politik geriet über die Jahrzehnte in Vergessenheit, kehrte aber ausgerechnet in diesem Jahr auf die Weltbühne zurück.
Hoover und die Große Depression
Bei seiner Antrittsrede lobte Donald Trump seinen alten Amtsvorgänger und dessen Zollstrategie. Als Zeichen der Anerkennung ordnete Trump an, den höchsten Berg Nordamerikas namens Denali wieder in Mount McKinley umzubenennen. Vor 1975 hatte der Denali diesen Namen schon einmal getragen, erhielt von der Geografie-Behörde des Bundesstaats Alaska aber seinen alten Namen zurück, den ihm Ureinwohner vor der Erschließung des Gebiets durch westliche Siedler einst gegeben hatten.
William McKinley ist aber nicht der einzige historische Präsident, dem Trump in Sachen Zollstrategie nacheifert. Ein weiteres markantes Beispiel für globalpolitische Auswirkungen von US-Zöllen ist der Smoot-Hawley Tariff Act von 1930, der unter Präsident Herbert Hoover verabschiedet wurde. Dieses Gesetz erhöhte die Zölle auf über 20 000 importierte Waren auf Rekordniveau. Hoovers Absicht war, die heimische Wirtschaft während der beginnenden Weltwirtschaftskrise zu schützen.
Straßenszene während der Großen Depression 1930er Jahre: Menschen protestieren wegen hoher Arbeitslosigkeit und Inflation.
Doch die Maßnahme führte zu Vergeltungszöllen anderer Länder, was den internationalen Handel weiter einbrechen ließ und die Wirtschaftsprobleme verschärfte. Länder, die mit Gegenmaßnahmen reagierten, reduzierten ihre Importe aus den USA teils um mehr als 40 Prozent, was die wirtschaftliche Lage weiter verschlechterte. Die Arbeitslosigkeit explodierte, die industrielle Produktion kam zum Erliegen und die Weltwirtschaftskrise, auch bekannt als Great Depression, nahm ihren Lauf.
Das verflixte Defizit
In den 1970er Jahren sah sich Präsident Richard Nixon mit wirtschaftlichen Herausforderungen wie Inflation und einem Handelsbilanzdefizit konfrontiert – erneut verblüffende Parallelen zur heutigen Situation. 1971 kündigte er eine New Economic Policy (dt. Neue Wirtschaftspolitik) an, die unter anderem eine zehnprozentige Importabgabe beinhaltete. Diese Maßnahme sollte das Handelsbilanzdefizit reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft stärken. Kurzfristig führte dies zu einer Stabilisierung der Wirtschaft, jedoch folgte eine Rezession Mitte der 1970er Jahre, die durch Ölkrisen und anhaltende Inflationsprobleme verschärft wurde.
William McKinley, Ronald Reagan, Herbert Hoover: Keiner verhängte so hohe und umfassende Zölle wie Donald Trump am Mittwoch.
Wenige Jahre später, Mitte der 1980er, stand Präsident Ronald Reagan erneut vor der Herausforderung eines wachsenden Handelsdefizits, insbesondere gegenüber Japan. Um die heimische Industrie zu schützen, verhängte seine Administration 1981 freiwillige Exportbeschränkungen für japanische Autos. Diese Maßnahmen sollten der angeschlagenen US-Autoindustrie Zeit zur Erholung geben. Obwohl die Importe japanischer Autos zurückgingen, führte dies nicht zu einer signifikanten Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der US-Autohersteller, und das Handelsdefizit blieb bestehen.
Und dann kam auch schon Trump, um das nächste Kapitel der US-Zollgeschichte aufzuschlagen. 2016 zum ersten Mal gewählt, ergriff Trump 2018 aggressive Zollmaßnahmen, vor allem gegenüber China, um das Handelsdefizit zu reduzieren und die heimische Produktion zu stärken. Diese Politik führte zu einem Handelskrieg mit gegenseitigen Zollerhöhungen, der Unsicherheit auf den Märkten schuf und das globale Wirtschaftswachstum bremste. Im Unterschied zur heutigen Situation war der Konflikt aber primär auf China und Europa beschränkt. Die aktuellen Zölle wenden sich gegen weite Teile der Welt.
Keine Gewinner im Handelskrieg
Wie schon mehrere Male zuvor in der US-Geschichte scheint sich auch diesmal ein internationaler Handelskonflikt anzubahnen. Die Europäische Union zeigte sich alarmiert über Trumps jüngst verhängte Zölle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete diese Maßnahmen als "schweren Schlag für die Weltwirtschaft" und warnte vor den weitreichenden negativen Konsequenzen für Millionen von Menschen weltweit. Sie betonte, dass die EU bereits ein erstes Paket von Gegenmaßnahmen als Reaktion auf die US-Stahlzölle fertiggestellt habe und weitere Schritte vorbereite, falls Verhandlungen scheitern sollten. Gleichzeitig unterstrich von der Leyen die Bereitschaft der EU, den Dialog mit Washington zu suchen.
Der Handelskrieg hat noch nicht begonnen, die Börsen haben schon verloren: Just nach Trumps Zoll-Rede am Mittwoch stürzte der S&P500 auf ein Mehrmonatstief.
Auch China reagierte entschieden auf die von den USA angekündigten Zölle, die chinesische Exporte mit insgesamt über 50 Prozent belasten würden. Das chinesische Handelsministerium forderte Washington auf, die einseitigen Zollmaßnahmen umgehend aufzuheben, und warnte, dass diese nicht nur die globalen Wirtschaftsbeziehungen gefährden, sondern auch den Interessen der USA selbst schaden würden.
China kündigte an, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um seine eigenen Interessen zu schützen, und betonte, dass es in einem Handelskrieg keine Gewinner gebe. Schon am Freitag verhängte Peking Vergeltungszölle in Höhe von 34 Prozent gegen amerikanische Produkte. Die Märkte stürzten erneut, die Angst vor einem Zollkrieg wächst. Und dass es dabei tatsächlich keine Gewinner gibt, beweist der Blick in die US-Historie. die Ob McKinley, Hoover, Nixon und Reagan: Nachhaltige Verbesserung brachte protektionistische Zollpolitik für die Vereinigten Staaten nie.




