Die wichtigsten Punkte
PsiQuantum hat in einer Series-E-Runde eine Milliarde US-Dollar eingesammelt und wird nun mit sieben Milliarden bewertet. Mit dem Kapital sollen Standorte in Brisbane und Chicago aufgebaut und groß angelegte Testsysteme entwickelt werden. Das Unternehmen setzt auf einen photonenbasierten Ansatz mit Chips von GlobalFoundries und neuartigen optischen Schaltern aus Bariumtitanat. Nvidia steigt als Investor und Technologiepartner ein, um die Integration von GPUs und Quantenchips voranzutreiben.
Ein Milliardenversprechen für die Zukunft
Das Quanten-Start-up PsiQuantum hat am 10. September eine Finanzierung verkündet, die die Dimensionen dieses jungen Technologiefelds verdeutlicht: Eine Milliarde US-Dollar fließen in das Unternehmen, das in Palo Alto gegründet wurde und mittlerweile Standorte auf drei Kontinenten plant. Die neue Bewertung liegt bei sieben Milliarden US-Dollar. Angeführt wurde die Runde von Schwergewichten wie BlackRock, Temasek und Baillie Gifford, hinzu kamen Investoren wie Macquarie Capital, Ribbit Capital und NVentures, die Wagniskapital-Sparte von Nvidia.
Mit dem Kapital will PsiQuantum neue Anlagen in Brisbane und Chicago aufbauen, wo groß angelegte Testsysteme entstehen sollen, die das Design des Unternehmens unter realen Bedingungen beweisen. Der Anspruch ist hoch: Nur Quantenrechner mit Millionen stabiler Qubits können Berechnungen leisten, die für klassische Supercomputer unmöglich sind – etwa in der Medikamentenentwicklung, der Werkstoffforschung oder der Kryptografie.
Eine Technologie im Maßstab der Industrie
PsiQuantum setzt dabei auf einen photonenbasierten Ansatz. Lichtteilchen werden auf Siliziumchips kontrolliert, die auf industriellen Halbleiterlinien gefertigt werden können. Dieser Weg soll ermöglichen, Quantencomputer von Beginn an im industriellen Maßstab zu produzieren – im Gegensatz zu konkurrierenden Ansätzen mit supraleitenden Schaltkreisen oder Ionenfallen, die schwerer skalierbar sind. Ein Schlüssel ist die Zusammenarbeit mit GlobalFoundries, dessen Werk in New York PsiQuantums Chips fertigt.
Dort werden die Komponenten auf 300-Millimeter-Wafern hergestellt, ergänzt durch Bariumtitanat, eines der leistungsfähigsten elektro-optischen Materialien. Damit können extrem schnelle Schalter entwickelt werden, die Lichtpulse präzise steuern – eine zentrale Voraussetzung für den Bau großer Netzwerke von Quantenmodulen. Parallel arbeitet PsiQuantum an einem neuen Kühlsystem, das eher an modulare Serverracks erinnert als an die bekannten, kronleuchterartigen Kühlkammern. In diesen Schränken sollen hunderte Chips auf engem Raum betrieben werden können. Hinzu kommt, dass das Unternehmen bereits erfolgreiche Tests zur Vernetzung über Glasfasern vorgelegt hat, was die Skalierbarkeit über einzelne Module hinaus unterstreicht.
Nvidia als Beschleuniger
Dass Nvidia in dieser Runde nicht nur Geld, sondern auch Know-how einbringt, verleiht der Entwicklung zusätzliche Dynamik. Die Integration von Nvidias GPUs mit PsiQuantums Photonik-Chips soll die Brücke zwischen klassischer Hochleistungsrechenarchitektur und Quantenmaschinen schlagen. So könnten künftige Supercomputer hybride Systeme werden, in denen GPUs und Quantenprozessoren gemeinsam komplexe Aufgaben lösen. Für Nvidia ist dies auch eine Absicherung: Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz könnten Quantenmodule in Zukunft zum Standard gehören.
PsiQuantum sieht sich damit bestätigt. Firmengründer Jeremy O’Brien betont, dass man das Projekt nie als Experiment, sondern als Ingenieursaufgabe verstanden habe. Nach fast zehn Jahren Entwicklungsarbeit, so sagt er, seien nun alle Bausteine vorhanden – von den Chips über die Schalter und Netzwerke bis hin zur Kühlung. Mit dem frischen Kapital beginnt nun die Phase, in der aus Technologiebausteinen ein nutzbares, großskaliges System werden soll. Ob PsiQuantum damit tatsächlich den ersten millionenfach skalierbaren Quantencomputer baut, bleibt ungewiss. Doch das Rennen um die künftige Rechenhoheit hat mit dieser Finanzierungsrunde eine neue Dimension erreicht.
FAQ
Was ist PsiQuantum?
PsiQuantum ist ein 2016 gegründetes Start-up mit Sitz in Palo Alto, das Quantencomputer auf Basis von Photonik entwickelt. Ziel ist der Bau von millionenfach skalierbaren, fehlertoleranten Quantenmaschinen, die komplexe Probleme lösen können, an denen klassische Supercomputer scheitern. Das Unternehmen arbeitet dabei mit Halbleiterfertigung im industriellen Maßstab, unter anderem mit GlobalFoundries.
Ist PsiQuantum legitim?
Ja, PsiQuantum gilt als eines der führenden Start-ups im Bereich Quantencomputing und hat bereits mehrere Milliarden Dollar an Finanzierungen eingeworben. Es wird von renommierten Investoren unterstützt und arbeitet mit etablierten Industriepartnern wie Nvidia und GlobalFoundries zusammen. Zudem entwickelt es konkrete Standorte in Brisbane und Chicago, um seine Technologie im großen Maßstab zu erproben.
Wer hat in PsiQuantum investiert?
In der jüngsten Finanzierungsrunde führten BlackRock, Temasek und Baillie Gifford die Investitionen an. Weitere Investoren sind unter anderem Macquarie Capital, Ribbit Capital, NVentures (Nvidias Wagniskapitalarm), die Qatar Investment Authority sowie Fonds von Morgan Stanley und SentinelOne. Auch frühere Unterstützer wie T. Rowe Price Associates und Blackbird Ventures sind beteiligt.
Kann man PsiQuantum-Aktien kaufen?
Nein, PsiQuantum ist derzeit ein privat geführtes Unternehmen und nicht an der Börse gelistet. Aktien sind daher nur über direkte Beteiligungen von Venture-Capital-Firmen und institutionellen Investoren erhältlich. Für Privatanleger besteht aktuell keine Möglichkeit, Anteile zu erwerben.
Was macht PsiQuantum?
PsiQuantum entwickelt Quantencomputer, die Lichtteilchen (Photonen) auf Siliziumchips nutzen, um Rechenoperationen auszuführen. Diese Technologie soll es ermöglichen, Quantenmaschinen im industriellen Maßstab zu fertigen und Millionen von Qubits zu erreichen. Das Unternehmen arbeitet außerdem an Kühlung, Netzwerken und Software, um die Systeme praktisch einsetzbar zu machen.





