Und dreimonatlich grüßt das Murmeltier: Der durch den KI-Hype getriebene Börsenshootingstar Nvidia, der sich zwischenzeitlich sogar zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgeschwungen hatte, konnte zuletzt ein atemberaubendes Quartalsergebnis an das nächste reihen. Gestern Abend nach Handelsschluss legte der Marktführer für Computerchips und KI-Hardware seine Zahlen für das abgelaufene Quartal vor – und abermals konnte CEO und Gründer Jensen Huang hierbei mehr als überzeugen und wieder ein beeindruckendes Wachstum vorweisen! So profitiert das Unternehmen weiterhin vom Boom rund um Künstliche Intelligenz und dem daraus resultierenden Wettrüsten der großen Tech-Konzerne. Auch verkündete Huang, dass man Aktien im Wert von $50 Milliarden zurückkaufen werde. Nichtsdestotrotz scheint sich das massive Umsatzwachstum langsam aber sich etwas abzubremsen, was aber bei der schieren Größe des Unternehmens letztlich eine absolut normale Entwicklung ist. Zudem ließ Nvidia verlauten, dass es Probleme bei der Produktion des neuen Blackwell-Chipsystems gab, was möglicherweise zu Verzögerungen bei der Auslieferung führe. Ob die erfolgsverwöhnten Anleger nun enttäuscht waren oder verunsichert – sie reagierten jedenfalls mit Abverkäufen und schickten die Aktie nachbörslich auf eine fast siebenprozentige Talfahrt.
Umsatz und Gewinn steigen im Jahresvergleich wieder um über 100 Prozent
Nach $26 Milliarden im ersten Quartal legte Nvidia in Sachen Umsatz im zweiten Vierteljahr nochmals einen drauf: Ganze $30 Milliarden setzte das Unternehmen um und steigerte sich somit im Jahresvergleich ($13.5 Milliarden) um 122 Prozent, erwartet worden waren $28.86 Milliarden. Am stärksten ins Gewicht fiel hier einmal mehr das Geschäft mit Rechenzentren, bei welchem der Umsatz nach $22.6 Milliarden im ersten Quartal nun bei $26.3 Milliarden lag. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum, als man in diesem Bereich auf $10.32 Milliarden kam, konnte ein Plus in Höhe von 154 Prozent verzeichnet werden. Ein noch stärkeres Wachstum im Jahresvergleich verbuchte das Unternehmen beim Nettogewinn, wo man die $6.2 Milliarden um 168 Prozent auf $16.6 Milliarden nach oben schrauben konnte – die Prognosen der Analysten lagen hier bei $15.2 Milliarden.
Die Nvidia-Zahlen für das abgelaufene 2. Quartal, nebst den Zahlen zum 1. Quartal sowie zum 2. Quartal des Vorjahres.
Verzögerungen bei der Blackwell-Auslieferung?
Derweil ließ das Management bei der Präsentation der Quartalszahlen in Person der Finanzchefin Colette Kress durchblicken, dass man bei der Produktion des neuen Blackwell-Chipsystems – wohl nach Start der Produktion – noch Veränderungen an der sogenannten Maske vornehmen musste. Diese Überarbeitungen sind laut Huang nun aber abgeschlossen, es seien „keine funktionalen Veränderungen notwendig“ gewesen. Dennoch gehen viele Experten davon aus, dass Nvidia dadurch in seinem Zeitplan etwas zurückgeworfen wurde. Huang preist Blackwell bereits seit Monaten als revolutionäre Innovation an, die das Training von KI-Software erheblich beschleunigen und darüber hinaus kostengünstiger gestalten soll. Bei einer Präsentation im März führte er den OpenAI-Chatbot ChatGPT als Beispiel an. Das aktuelle Chipsystem Grace Hopper sei in der Lage, den Chatbot in drei Monaten mit 8000 Chips und einem Energieverbrauch von 15 Megawatt zu trainieren. Mit Blackwell würde dasselbe Ergebnis in der gleichen Zeit mit nur 2000 Chips und einem Energieverbrauch von vier Megawatt erreicht. Die „Vorfreude der Kunden auf Blackwell“ sei unglaublich groß – und dennoch bleibe die Nachfrage nach den Hopper-Chips weiterhin riesig.
Wachstum auch im aktuellen Quartal
Jensen Huang zufolge sind die großen Tech-Konzerne derzeit „in unglaublicher Eile, ihre Infrastruktur auszubauen“, um das „Rennen zur nächsten Ebene“ generativer KI für sich zu entscheiden. Hierzu benötigen Amazon, Google, Microsoft und Co. die leistungsstarken Nvidia-Chips, die nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters weltweit auf einen Marktanteil von deutlich über 80 Prozent kommen. Auch deshalb rechnet das Unternehmen im laufenden dritten Quartal mit einer weiteren Umsatzsteigerung, sollen die Erlöse doch in diesem Vierteljahr bei rund $32.5 Milliarden liegen. Damit übertrifft Nvidia zwar die durchschnittliche Erwartung der Analysten ($31.9 Milliarden), optimistische Schätzungen lagen jedoch bei bis zu $37.9 Milliarden.
Eigentlich sollte man meinen, dass solch beeindruckende Zahlen und Prognosen eine neuerliche Kursrallye der Nvidia-Aktie triggern – doch das Wertpapier sackte gestern nachbörslich deutlich ab. Dies ist entsprechend einmal mehr ein Beleg dafür, dass es nicht ausreichend ist, lediglich die fundamentalen Entwicklungen zu betrachten, um mögliche Kursbewegungen zu antizipieren. Für uns war der gestrige Abverkauf alles andere als überraschend. So verorten wir den Titel auf Basis unserer Elliott-Wellen-Analyse bereits seit dem Welle-(III)-Hoch vom 20. Juni primär in einer größeren und recht komplexen (Zwischen-)Korrektur. Wir haben für die Abonnenten unseres TECH33-Aktienpakets auch bereits eine Zielzone skizziert, innerhalb welcher wir wieder auf der Long-Seite einsteigen möchten.



Der Nvidia-Stundenchart.

