Norwegens grünes Bitcoin-Mining
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Norwegens grünes Bitcoin-Mining

Blicken wir nach Norwegen, so sehen wir ein Land mit einer reichen Geschichte in der Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Die norwegische Landschaft mit ihren Flüssen, Seen und Bergen bietet ideale Bedingungen für eine solche Infrastruktur, insbesondere für Wasserkraft. Das skandinavische Land hat mit 5.05% weltweit den zweitgrößten Anteil von Wasser an der Landfläche und rund 1700 aktive Wasserkraftwerke. Dies macht das Venedig des Nordens zu einem wichtigen Akteur im Bereich der nachhaltigen Energie. Der Anteil der Energieträger an der Nettostromerzeugung im Jahr 2022 entfiel hier lediglich zu 0.9% auf Erdgas, dafür zu 88.4% auf Wasserkraft und zu 10.3% auf Windkraft (Onshore). In den nördlichen Regionen Norwegens mit reichlich Wasserkraftkapazität werden bisweilen Energieüberschüsse erzeugt, was aus der Verbindung von natürlichen Ressourcen und einer spärlichen Bevölkerungsdichte resultiert.

Wohin mit so viel Energie?

Nicht zuletzt durch den beeindruckenden Einzug des Elektroautos in Norwegen aufgrund der dortigen Steuerbefreiung für E-Fahrzeuge (2021 waren rund 80% der in Norwegen zugelassenen Kfz Elektroautos) hat das Land einen hohen Bedarf an Elektrizität und verbraucht seine Überschüsse immer öfter ohne fremde Hilfe. Aber Strom ist dort auch verhältnismäßig günstig. Die Kilowattstunde (kWh) kostet in den meisten Teilen des Landes zwischen 0.03€ und 0.06€ netto (in Deutschland liegt der durchschnittliche Strompreis übrigens aktuell bei 0.48€/kWh), und der Strompreis in Mittel- und Nordnorwegen kann sich erst recht sehen lassen: Dort schlägt eine kWh mit günstigen 0.02€ netto zu Buche. Das ist so günstig, dass man den Strom für Tätigkeiten einsetzt, die bekannt dafür sind, immense Mengen an Energie zu vertilgen.

Hier kommt der Bitcoin ins Spiel

Ein bemerkenswertes Beispiel für die Nutzung der norwegischen günstigen grünen Energie ist das Bitcoin-Mining. Bitcoin-Mining ist der Vorgang, bei dem komplexe mathematische Rätsel gelöst werden, um neue Bitcoins zu generieren und Transaktionen im Netzwerk zu überprüfen. In unserem Artikel „Die Blockchain“ können Sie nachlesen, wie so ein Prozess genau vonstattengeht. Die Lösung dieser Rätsel erfordert eine enorme Rechenleistung, was überaus energieintensiv ist. Nicht zuletzt deswegen wird der Bitcoin oft als „Klimakiller“ bezeichnet. Hochrechnungen des Cambridge Centre for Alternative Finance legen nahe, dass der Mining-Sektor mehr Energie pro Jahr verbraucht als zufälligerweise ganz Norwegen (wir berichteten darüber auch schon in diesem Artikel). Außerdem soll der daraus resultierende CO2-Ausstoß dem von Singapur entsprechen. Auch letzterer Vorwurf verliert durch die Verwendung erneuerbarer Energiequellen beim Mining vollständig an Bedeutung und lässt somit die Norweger ruhig schlafen.

Wer schürft Bitcoin in Norwegen?

Mit einer Hashrate von 0.74% (Stand 01/22) der Gesamthashrate des Bitcoins leisten norwegische Miner zwar nicht den größten, aber dennoch einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Netzwerks. Aufgrund des starken öffentlichen Drucks in Bezug auf den CO2-Fußabdruck, hat die Nutzung erneuerbarer Energien oberste Priorität für die Miningbetriebe. Die Branche setzt sich aus einigen einheimischen und mehreren großen internationalen Unternehmen zusammen. Lokale Akteure sind Kryptovault und Arcane Green Data, zu den größeren globalen Unternehmen gehören Northern Data, Bitdeer, Bitzero und COWA.

Günstige Nebeneffekte

Schwankungen, die bei erneuerbaren Energien regelmäßig durch Überproduktion in Erscheinung treten, könnten durch Bitcoin als Technologie flexibel ausgeglichen werden, um Überschüsse abzunehmen und Netzfrequenzen zu stabilisieren. Der Ausbau grüner Stromquellen könnte dadurch beschleunigt werden. Eine vollständige Integration des Minings in die grüne Wertschöpfungskette ist dann möglich, wenn es nicht nur als Energieverbraucher, sondern auch als Energiequelle betrachtet wird. Die entstehende Wärmeabstrahlung (Abwärme) von Mining-Geräten, die oft nur als unvermeidbares Nebenprodukt angesehen wird, kann ebenso als natürliche Energiequelle, zum Beispiel für Heizsysteme oder Warmwasser, genutzt werden. Zudem bestehen weitere innovative Konzepte wie die Kombination von Bitcoin-Rechenzentren mit Booster-Wärmepumpen, um Abwärme effizient auf hohe Temperaturen zu bringen. Diese Technologien könnten als Basis für neue Geschäftsmodelle dienen, wie beispielsweise Vertical Farming oder spezielle Teiche zur Zucht von Meeresorganismen. In einer Ära der zunehmenden Digitalisierung und des steigenden Stromverbrauchs für Datenverarbeitung gewinnt effizientes Energie-Recycling stark an Bedeutung.

Wie nutzt Norwegen die Bitcoin-Wärme aktuell?

Auf einem Gelände der größten Bitcoin-Mining-Operation Norwegens reiht sich eine Reihe großer blauer Container voll mit zerkleinertem Holz. Warmluft wird durch flexible Wellrohrleitungen, die aus der Lagerhalle herausragen, in die Container gepumpt. Das Holz wird durch einen Teil der Abwärme erwärmt, die von den Tausenden gestapelten Hochleistungscomputerservern (Minern) abgegeben wird, die in der Lagerhalle vor sich hinschürfen. Trotz der Gebläse zur Belüftung, deren Lärm so laut ist, dass das Unternehmen etwa 1.5 Millionen britische Pfund für die Isolierung ausgeben musste, nachdem sich Nachbarn beschwert hatten, können die heißen Bereiche in der Lagerhalle 55°C erreichen. Es handelt sich um eine von zwei Mining-Anlagen, die dem norwegischen Unternehmen Kryptovault gehören. Nach ein paar Tagen (anstatt einiger Monate bei regulärer Lufttrocknung) wird ein örtlicher Holzfäller, dankbar für den kostenlosen Service, das Holz zum Verkauf abholen. Bei einem bewussten Ansatz für das Mining lässt sich kaum von einem „Klimakiller" sprechen; vielmehr können die entstehenden Synergien allen Beteiligten zugutekommen.

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