TikTok plant, ab September 2025 eine neue App-Version für den US-Markt einzuführen, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und ein drohendes Verbot zu verhindern. Die geplante Einführung einer neuen App-Version ist Teil einer strategischen Neuausrichtung von TikTok, die darauf abzielt, den Protecting Americans from Foreign Adversary Controlled Applications Act (PAFACA) zu erfüllen. Dieses Gesetz verlangt von TikTok, seine US-Aktivitäten vom chinesischen Einfluss zu trennen.
Die neue App, intern als M2 bezeichnet, soll eine eigenständige technische Basis bieten, die sich von der bisherigen TikTok-Infrastruktur abhebt. Diese Maßnahme ist eine Reaktion auf den wachsenden Druck der US-Regierung, der TikTok dazu zwingt, seine Verbindungen zu chinesischen Servern zu kappen. Auch ein vollständiges Verbot der Plattform war in der Vergangenheit mehrfach im Raum gestanden und kurzzeitig sogar umgesetzt worden, bis Donald Trump es verschob.
M2: Wie TikTok das US-Verbot umschiffen will
Die neue App M2 wird als technisch eigenständige Anwendung konzipiert, mit separatem Hosting und angepassten Datenschutzstandards. Nutzer in den USA müssen die neue Version installieren, um die Plattform weiterhin nutzen zu können. Die bisherige App bleibt bis März 2026 funktionsfähig, wird jedoch schrittweise eingestellt. Diese Umstellung markiert nicht nur einen technischen Schnitt, sondern auch einen strategischen Neuanfang für TikTok im US-Markt.
Auf funktionaler Ebene testet TikTok neue Formate, die stärker auf Community-Bindung ausgelegt sind. Bereits im Juni führte die Plattform das Broadcast-Feature Bulletin Boards ein, das für Conten-Creator mehr Kontrolle über ihre Inhalte und Interaktionen bieten soll. Die M2-App dürfte der bisherigen TikTok-Version äußerlich ähneln, aber in ihrer technischen Architektur grundlegend verändert sein: neues Hosting, angepasste Datenschutzrichtlinien und eine klare Trennung von chinesischer Infrastruktur.
Kauft Elon Musk das TikTok-Geschäft in den USA
Parallel zur Einführung der neuen App-Version wird auch über einen möglichen Verkauf des US-Geschäfts von TikTok verhandelt. Als potenzielle Investoren sind Amazon, der KI-Riese Perplexity, ein US-Regierungsfonds und Oracle im Gespräch. Bereits 2020 war Oracle unter der Trump-Regierung Teil eines geplanten Deals, der jedoch nie finalisiert wurde. Trump kündigte an, das Konsortium für einen möglichen Kauf in den kommenden Wochen öffentlich vorstellen zu wollen.
Die neue App-Version bildet die technische Basis für einen solchen Verkauf. Sie ermöglicht es TikTok, sich von der chinesischen Infrastruktur zu lösen und so den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden. Dies könnte den Weg für Investitionen und eine mögliche Übernahme durch US-Unternehmen ebnen. Kürzlich waren sogar Gerüchte über einen Einstieg von Elon Musk bei TikToks US-Zweig aufgekommen.
TikTok startet neu – und sollte sich beeilen
Mit der Einführung von M2 stellt sich TikTok neu auf – technisch, politisch und strategisch. Die Entertainment-Plattform reagiert damit auf den wachsenden Druck der US-Regierung und schafft eine separate App-Struktur, die sich vom bisherigen System abgrenzt. Ziel ist es, den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden und TikTok trotz der regulatorischen Hürden im US-Markt funktionsfähig zu halten. Für das Unternehmen bedeutet das ein Balanceakt zwischen Compliance und Community, damit US-Nutzer die App weiterhin verwenden können.
Ob die neue App-Version tatsächlich im September ausgerollt wird, ist jedoch noch offen. Auch ein vollständiger Rückzug der Mutterfirma ByteDance aus dem US-Markt bleibt – wenn auch unwahrscheinlich – eine mögliche Option. TikTok muss sich weiterhin den Herausforderungen der regulatorischen Anforderungen stellen und gleichzeitig seine Nutzerbasis in den USA halten. US-Präsident Donald Trump hatte das Verbot zuletzt zwar aufgeschoben, setzt aber alles daran, den chinesischen Einfluss auf US-Wirtschaft und Medien zu minimieren. Allzu viel Rücksicht sollte ByteDance aus dem Weißen Haus also nicht mehr erwarten. Die Zeit läuft.




