Nach Rücktritt: Trump benennt neuen Fed-Gouverneur
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Nach Rücktritt: Trump benennt neuen Fed-Gouverneur

Author

Esma Sakalli

Der überraschende Rücktritt von Adriana Kugler aus dem Gouverneursrat der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) eröffnet US-Präsident Donald Trump die Chance, die Geldpolitik der Vereinigten Staaten weiter in seinem Sinne zu beeinflussen. Kugler, die erste hispanische Frau im siebenköpfigen Fed-Gremium und eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin, legt ihr Amt zum 8. August 2025 nieder und kehrt an die Georgetown University zurück.

Ihr Abgang kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Die Fed ringt mit der richtigen Zinspolitik in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld, während Trump lautstark niedrigere Zinsen fordert und gleichzeitig das Vertrauen in offizielle Konjunkturdaten erschüttert.

Kuglers Rolle in der Fed

Adriana Kugler war erst seit September 2023 Mitglied im Board of Governors der Fed. Sie galt im Ratsgremium als Stimme der Vernunft, die auf Daten und Fakten basierte. So unterstützte Kugler zuletzt Fed-Chef Jerome Powell in dessen vorsichtiger Linie, die Leitzinsen vorerst unverändert zu lassen, um die Auswirkungen von Trumps neuer Zollpolitik auf Inflation und Konjunktur abzuwarten.

Während ihrer Amtszeit arbeitete Kugler in wichtigen Fed-Ausschüssen mit, etwa im Ausschuss für Finanzstabilität und im Ausschuss für Angelegenheiten der regionalen Notenbanken. Intern genoss sie hohes Ansehen: Fed-Chair Powell lobte ihre „beeindruckende Erfahrung und akademische Einsichten“, die sie in die Arbeit der Notenbank einbrachte.

Trumps Chance, die Fed in seinem Sinne umzubauen

Durch Kuglers Rücktritt erhält Donald Trump zum ersten Mal in seiner neuen Amtszeit die Möglichkeit, einen Sitz im Führungsgremium der Fed neu zu besetzen. Beobachter werten dies als potenziellen Wendepunkt: Trump kann nun einen Verbündeten ins Boot holen, der seine Präferenz für niedrige Zinsen und lockere Geldpolitik teilt.

In den vergangenen Monaten hat der Präsident nicht mit Kritik an der Federal Reserve gespart. Er wirft der Notenbank – insbesondere Fed-Chef Powell – vor, mit ihrer straffen Zinspolitik das Wachstum abzuwürgen. Öffentlich titulierte Trump den Zentralbankchef gar als „sturen Idioten“ und drohte wiederholt, ihn abzusetzen. Obwohl Powell rechtlich gesehen nur schwer vom Präsidenten entfernbar ist, zeigt der aggressive Ton die Spannungen zwischen dem Weißen Haus und der unabhängigen Notenbank.

Kontroverse um angeblich manipulierte Arbeitsmarktdaten

Parallel zu den Personalien an der Fed spitzt sich eine ungewöhnliche Kontroverse um die Vertrauenswürdigkeit offizieller US-Konjunkturdaten zu. Präsident Trump hat in den letzten Tagen offen Zweifel an den jüngsten Arbeitsmarktzahlen geäußert und sogar behauptet, diese seien absichtlich geschönt worden, um seine wirtschaftspolitischen Erfolge kleinzureden.

Konkret geht es um den jüngsten Monatsbericht, der für Juli lediglich 73.000 neue Stellen auswies – ein überraschend schwaches Ergebnis, zumal die Regierung zugleich die Beschäftigungszahlen für Mai und Juni massiv nach unten korrigieren musste. Insgesamt wurden in diesen beiden Monaten 258.000 weniger Jobs geschaffen als ursprünglich berichtet. Der Arbeitsmarkt zeigt also Anzeichen einer deutlichen Abkühlung.

Der BLS-Skandal

Statt diese Schwäche als Warnsignal ernst zu nehmen, reagierte Trump auf seine Weise: Er feuerte kurzerhand die Chefin des Bureau of Labor Statistics (BLS), Erika McEntarfer, die für die Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten verantwortlich war. In Trumps Darstellung hat McEntarfers Behörde die Zahlen „manipuliert“ – Belege dafür blieb er allerdings schuldig.

Sein Wirtschaftsberater, Kevin Hassett, sprang dem Präsidenten zur Seite und bemängelte die Qualität der Daten. Die Arbeitsmarktstatistik sei „sehr unzuverlässig“ geworden und habe seit der Pandemie mit großen Revisionen zu kämpfen, so Hassett. Er hält einen Führungswechsel für gerechtfertigt, um „transparente und verlässliche“ Daten zu gewährleisten.

Kritik auch aus eigenen Reihen

Auf die kritische Nachfrage, welche Beweise es für bewusste politische Verzerrungen gebe, verwies Hassett lediglich auf die umfangreichen Korrekturen an den Vormonatswerten – für viele Experten kein Indiz für Täuschung, sondern ein normales statistisches Verfahren, um zunächst unvollständige Meldungen zu ergänzen.

Die Vorwürfe aus dem Weißen Haus haben einen Sturm der Kritik ausgelöst – über Parteigrenzen hinweg. Selbst einige republikanische Abgeordnete warnten, Trump untergrabe ohne Anlass das Vertrauen in staatliche Institutionen. Ehemalige hohe Beamte betonten, dass die Leiterin der Statistikbehörde gar keinen direkten Einfluss auf die Berechnung der Jobzahlen habe.

Ausblick auf die zukünftige Fed-Politik

Angesichts dieser Gemengelage – ein Präsident, der Druck auf die Notenbank und die Statistikbehörden ausübt, eine Wirtschaft, die Anzeichen von Schwäche zeigt, und eine Inflation, die durch neue Importzölle wieder Auftrieb erhalten könnte – steht die Federal Reserve vor schwierigen Entscheidungen. Mit Kuglers Weggang verliert Fed-Chef Powell eine Vertraute, die seine vorsichtige Haltung teilte.

Doch die Fakten könnten schon bald so oder so eine Kursänderung erzwingen: Die enttäuschenden Jobdaten und die abgekühlte Arbeitsmarktdynamik nähren die Erwartung, dass die Fed in den kommenden Monaten erstmals seit der großen Inflationsbekämpfung wieder die Zinsen senken wird. Allerdings wird viel davon abhängen, wen Trump als Nachfolger für Kugler nominiert.

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Esma Sakalli

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