Nach Rede: Trump will Fed-Chef Jerome Powell rauswerfen
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Nach Rede: Trump will Fed-Chef Jerome Powell rauswerfen

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Carlo Schmid

Die Spannungen zwischen Präsident Donald Trump und Notenbankchef Jerome Powell eskalieren. Nach einer Rede des Fed-Chefs, in der Powell die möglichen Folgen von Trumps Handelspolitik für Inflation und Wirtschaftswachstum offen kritisierte, legte Trump verbal nach und droht nun mit dessen Entlassung. Dabei geht es nicht nur um unterschiedliche Ansichten zur Zinspolitik, sondern um grundsätzliche Fragen der Machtverteilung im Staat. Sollte Jerome Powell von Donald Trump abgesetzt werden, wäre das ein Schock für die globalen Finanzmärkte – und für das Vertrauen in die US-Wirtschaft und den Dollar.

Trump droht mit Entlassung von Fed-Chef Jerome Powell, nachdem Powell öffentlich vor den wirtschaftlichen Folgen von Trumps Zollpolitik gewarnt hat.

Powell kritisiert, dass Trumps Zölle kurzfristig die Inflation anheizen und langfristig das Wachstum belasten könnten.

 Keine schnellen Zinssenkung geplant: Trotz schwächerer Konjunkturaussichten bleibt die Fed bei ihrer vorsichtigen Linie.

Trump will die rechtlichen Hürden zur Absetzung Powells aushebeln. Für Bitcoin und Aktien könnte dieser Präzedenzfall drastische Folgen haben.

Trump vs. FED-Chef Jerome Powell



Für Donald Trump ist Jerome Powell ein Hindernis auf dem Weg zur wirtschaftlichen Kontrolle. Der ehemalige Präsident wirft dem Fed-Chef vor, zu zögerlich bei Zinssenkungen zu agieren und damit eine wirtschaftliche Erholung der US-Wirtschaft zu verhindern. Nachdem Powell in seiner viel beachteten Rede beim Economic Club of Chicago am Mittwoch, dem 16. April erneut vor einer inflationsbedingten Abkühlung der Konjunktur gewarnt und Trumps Zölle als Preistreiber identifiziert hatte, platzte dem US-Präsidenten endgültig der Kragen.

Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump, das Ende von Powells Amtszeit „könne nicht schnell genug kommen“. Bei einem Treffen mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni vor wenigen Tagen in Rom legte er nach: „Wenn ich ihn raus haben will, ist er schnell weg.“ Die Botschaft ist klar: Trump will Kontrolle über die Zentralbankpolitik. Dass Powell sich weigert, politische Wünsche eins zu eins umzusetzen, macht ihn zum Feindbild Trumps.

Weil die US-Notenbank Federal Reserve kein offizielles Regierungsorgan ist, hat Trump allerdings keine unmittelbare Macht über die Besetzung ihrer Top-Ämter. Ein Gerichtsverfahren könnte das nun ändern – und gleichzeitig einen verfassungsrechtlichen Paradigmenwechsel in den USA herbeiführen, der gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik und globale Finanzmärkte haben könnte.

Warum kann Trump Powell nicht feuern?



Im Jahr 2017 hatte Trump Jerome Powell selbst als Nachfolger der Senatorin und ehemaligen Fed-Vorsitzenden Janet Yellen nominiert; eine Entscheidung, die er später öffentlich bereute. Als Powell sich schon damals gegen schnelle Zinssenkungen stellte, begann Trump ihn regelmäßig öffentlich zu attackieren. Bereits in seiner ersten Amtszeit prüfte das Weiße Haus rechtliche Möglichkeiten, um Powell abzusetzen. Ein Schritt, der schließlich aus Sorge vor verfassungsrechtlichen Konsequenzen unterlassen wurde.

Donald Trump kann Jerome Powell nicht ohne Weiteres entlassen, da der Fed-Chef gesetzlich geschützt ist und die Notenbank als unabhängig gilt. Doch Trumps Umfeld versucht, diesen Schutz nun über das Oberste Gericht zu kippen. Ziel ist es, dem Präsidenten mehr Macht über unabhängige Behörden zu geben, auch über die Federal Reserve. Sollte das Gericht dem zustimmen, wäre das ein historischer Präzedenzfall: Die Unabhängigkeit der Geldpolitik stünde auf dem Spiel, und die Märkte könnten mit Vertrauensverlust in den US-Dollar und die gesamte Wirtschaft der Vereinigten Staaten reagieren.

Für die Börse wäre ein Übergriff Trumps auf die Fed trotz der Aussicht auf sofortige geldpolitische Lockerung also keine gute Nachricht. Das ohnehin schon angeknackste wirtschaftliche Image der US-Wirtschaftspolitik würde weiter leiden, Aktien könnten im Schock heftige Volatilität erleben. Ob der Bitcoin in einer solchen Situation eher als Risiko-Asset eingestuft und abverkauft würde oder als unabhängiger Wertspeicher profitieren könnte, ist unklar.

Übrigens: Der Präsident der USA darf den Chef der Federal Reserve ernennen, weil das Amt politisch besetzt wird, mit Zustimmung des Senats. Die Entlassung ist jedoch, wie zuvor erwähnt, gesetzlich stark eingeschränkt, da die Fed unabhängig arbeiten soll.

Jerome Powells Rede: Inflation und Zölle



In seiner Rede hat Powells die US-Wirtschaft trotz globaler Unsicherheit zwar als solide eingestuft und auch der Arbeitsmarkt sei laut dem Fed-Chef in einer sehr guten Verfassung. Trotzdem rechnet er mit weiterer Volatilität an den Märkten und droht vor schwacher Entwicklung des US-Dollars und der Konjunktur. Zur Inflation bemerkte er, dass diese wohl durch Zölle kurzfristig steigen dürfte.

Rasche und mehrfache Zinssenkungen sehe er in naher Zukunft nicht. Schließlich sei die Schuldensituation tragbar und bedürfe keiner kurzfristigen Anpassung der Geldpolitik. In seiner Rede machte Powell außerdem deutlich, dass die jüngst von Präsident Trump verhängten Zölle die Inflation kurzfristig anheizen dürften. Die Belastung für Verbraucherpreise sei bereits messbar, während langfristige Inflationserwartungen bisher stabil blieben.

Damit scheinen umfangreiche Zinssenkungen wieder in weitere Ferne zu rücken. Die Fed sieht niedrige Inflation als Voraussetzung für eine Lockerung ihrer Zinspolitik. US-Präsident Donald Trump, der Powell vorwirft, mit seiner straffen Geldpolitik eine Rezession in Kauf zu nehmen, dürfte über die Kritik an seiner Zollstrategie wenig erfreut sein.

Keine Zinssenkungen wegen Stagflation?

Abschließend warnte Powell auch, dass eine drastische Reduktion von Importen, wie sie von der US-Regierung angestrebt wird, zu einer Stagflation führen könnte. Dies bedeutet gleichzeitige wirtschaftliche Stagnation und steigende Preise. Ein Szenario, das zuletzt in den 1970er Jahren große Probleme verursacht hat.

Heute könnten Zölle zur Verteuerung von Waren und Dienstleistungen in den

USA führen, während die Einfuhrbeschränkungen eine mittelfristige Verlangsamung von Produktionsprozessen im industriellen Sektor bewirken dürften. Donald Trumps Plan besteht zwar darin, diese Defizite durch den Aufbau großer Fertigungskomplexe in den USA zu kompensieren – dieser Plan aber dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen.

Trotz schwächerer Wachstumsprognosen und steigender Unsicherheit gab Powell keine Hinweise auf eine baldige Zinssenkung. Die Federal Reserve wolle weiterhin datenbasiert entscheiden und auf Sicht fahren. Damit wiederholt Powell seinen Standpunkt von früheren Ansprachen zum Thema Geldpolitik. An der Börse wurden Powells abwartende geldpolitische Haltung und die implizite Warnung vor einem wirtschaftlichen Abschwung infolge der radikalen Zollpolitik von Donald Trump mit Nervosität aufgefasst.

Deutliche Abverkäufe sorgten nach Powells Rede für Rücksetzer im Tech-Index Nasdaq und dem S&P500. Auch der Bitcoin korrigierte leicht, größere Altcoins verloren teils mehrere Prozent an Marktwert innerhalb weniger Minuten. Das liegt auch an der schlechten Stimmung unter Konsumenten in den Vereinigten Staaten. Erst kürzlich veröffentlichte die American Association of Individual Investors (AAII) eine Umfrage, der zufolge Kleinanleger mit Blick auf die nächsten Monate aktuell so pessimistisch sind wie zuletzt während der Weltwirtschaftskrise 2008.

Umfrage der BofA: Hedgefonds bangen



Dass sich die wirtschaftliche Stimmung eingetrübt hat, betonte auch Jerome Powell bei seiner Rede in Chicago. Sowohl Konsumenten als auch Unternehmen blicken demnach zunehmend skeptisch auf die Zukunft. Der Handelskonflikt sei dabei ein wesentlicher wirtschaftlicher und psychologischer Belastungsfaktor. Aber nicht nur Privatleute sind pessimistisch, was die wirtschaftliche Entwicklung anbelangt. Auch Banken und Hedgefonds reduzieren ihr Risiko zusehends wegen schwacher ökonomischer Aussichten.

Laut einer aktuellen Umfrage der Bank of America unter 164 Fondsmanagern hat sich die Sorge vor einem globalen Konjunktureinbruch massiv verstärkt. Die Umfrage wurde zwischen dem 4. und 10. April durchgeführt. Die Ergebnisse: 49 Prozent der Befragten rechnen mit einer harten Landung der Weltwirtschaft in den nächsten zwölf Monaten. Ein deutlicher Anstieg gegenüber den elf Prozent im Vormonat. Die Zuversicht in eine sanfte Landung sank im gleichen Zeitraum von 64 auf 37 Prozent.

Warum Trump den Fed-Chef feuern will


Nach der kritischen Rede von Fed-Chef Jerome Powell zu Trumps Wirtschaftspolitik droht der US-Präsident nun offen mit dessen Entlassung, obwohl er Powell selbst 2017 nominiert hatte. Trump wirft Powell vor, mit zu hoher Zinspolitik eine Erholung zu blockieren. Da der Präsident den Fed-Chef nicht direkt entlassen kann, versucht sein Umfeld über das Oberste Gericht, diese gesetzliche Schranke zu kippen. Das könnte die Unabhängigkeit der Geldpolitik gefährden und die Märkte destabilisieren. In seiner Rede warnte Powell vor steigender Inflation durch Trumps neue Zölle. Zinssenkungen lehnt er vorerst ab. Die Märkte bleiben nervös.

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