Das Wichtigste auf einen Blick
In Mexiko treffen die geplanten fünfzig-Prozent-Zölle auf Elektroautos aus China Tesla besonders hart, wodurch geplante Fabrikprojekte gestoppt wurden und Lieferungen von Model 3 und Model Y aus Shanghai stark eingeschränkt sind. Gleichzeitig steigt die Produktion in der deutschen Gigafactory Grünheide deutlich an, um die globale Nachfrage zu decken, obwohl die Zulassungen in Deutschland im August um rund vierzig Prozent zurückgingen. Auf europäischer Ebene kämpft Tesla mit drastischen Absatzrückgängen, während der chinesische Konkurrent BYD in vielen Märkten deutlich stärker wächst.
Um die nationale Industrie zu schützen, hat Mexiko Strafzölle in Höhe von 50 Prozent gegen Elektroautos aus China verhängt. Das ist für den wankenden E-Auto-Riesen Tesla ein Problem: Mehr als die Hälfte der globalen Produktion findet im Reich der Mitte statt. Betroffen sind vor allem Model 3 und Model Y aus Shanghai, deren Verkauf in Mexiko stark eingeschränkt wird. Helfen soll die Berliner Gigafactory in Grünheide durch eine deutliche Steigerung der Produktion. Und das, obwohl die Tesla-Verkäufe in Europa (und vor allem in Deutschland) zuletzt deutlich rückläufig waren.
„Game-Changer“: Mexiko sanktioniert Tesla
Mexikos geplante 50-Prozent-Zölle auf Elektrofahrzeuge aus Ländern ohne Freihandelsabkommen treffen Tesla besonders hart. Das betrifft ausschließlich in China produzierte Fahrzeuge, während US-Autokonzerne wie GM oder Ford verschont bleiben. Eugenio Grandio, Präsident der Electric Mobility Association in Mexiko, kommentierte: „Fünfzig Prozent ist eine sehr aggressive Zahl. Das ist definitiv ein Game-Changer.“ Tesla hatte den Bau einer Fabrik in Nordmexiko bereits ausgesetzt, geplant waren bis zu 6000 Arbeitsplätze. Der große chinesische Konkurrent BYD stoppte seine geplante Fabrik ebenfalls. China mahnte Mexiko, die Zölle „ernsthaft zu überdenken“.
Bisher macht die mexikanische Regierung aber keine Anstalten, ihre Zollpläne zu kippen. Tesla steht vor der Herausforderung, alternative Lieferquellen zu nutzen. Laut Salvador Rosas, Vizepräsident des Tesla Owners Club in Mexiko, wurden alle bisher in Mexiko verkauften Model 3 und Model Y aus Shanghai geliefert. „Tesla hat vermutlich noch Lagerbestände vor Ort, die kurzfristig genutzt werden können“, erklärte Rosas. Analysten betonen jedoch, dass die hohen Zölle die Dynamik des mexikanischen E-Automarkts bremsen könnten. Zumindest die internationale Kooperation könnte dadurch massiv erschwert werden.
Löst Berlin die Mexiko-Misere?
Tesla reagiert auf die mexikanischen Lieferbeschränkungen mit einer Produktionssteigerung in der Gigafactory bei Berlin-Grünheide. Werksleiter André Thierig erklärte: „Wir haben die Produktionspläne für das dritte und vierte Quartal nach oben korrigiert, da die Verkaufszahlen sehr gut sind.“ Das Werk beliefert über dreißig Märkte weltweit und spielt eine Schlüsselrolle für Teslas globale Strategie. Mit rund 11 000 Mitarbeitern soll die gesteigerte Produktion Lieferengpässe aus Shanghai kompensieren. Thierig betont: „Die Absatzlage insgesamt ist positiv, und wir sehen Wachstumschancen in allen Märkten, die wir beliefern.“
Trotz des Rückgangs der Zulassungen in Deutschland um fast vierzig Prozent im August bleibt die strategische Bedeutung der Fabrik also groß. Die Gigafactory liefert Fahrzeuge in ein Umfeld, das von chinesischer Konkurrenz und politischen Unsicherheiten geprägt ist. BYD etwa plant, schon bald die Produktion in einer neuen ungarischen Fabrik zu starten. Mit der Produktionsanpassung will Tesla nicht nur den europäischen Absatz stabilisieren, sondern auch auf geopolitische Risiken reagieren. Ob der interne Optimismus bei Tesla allerdings tatsächlich so groß ist, wie der Berliner Werksleiter Thierig weismachen will, ist fraglich.
Schließlich kämpft Tesla in Europa weiter mit stark rückläufigen Verkaufszahlen. In Deutschland gingen die Zulassungen zuletzt um zwei Drittel Prozent zurück, in Schweden um mehr als 80, in Frankreich um 47.3 Prozent. Matthias Schmidt´, Autoanalyst bei Schmidt Automotive, kommentierte bei t-online: „Es klingt wahnhaft, wenn Musk verleugnet, dass es Probleme beim Absatzvolumen gibt.“ Die mexikanischen Zölle verschärfen dieses Problem zusätzlich, aber auch in Deutschland sorgt politische Unklarheit für Kopfzerbrechen bei Tesla. Zentraler Streitpunkt: das Verbrennerverbot.
Tesla kritisiert deutsche Verbrenner-Politik
Man sollte meinen, Tesla würde von der Debatte um ein mögliches Verbrennerverbot ab 2035 in Deutschland profitierten. Die Unsicherheit bei der Umsetzung von Umweltauflagen und E-Fahrzeugförderungen auf der anderen Seite setzen aber auch dem Stromer-Giganten zu. „Widersprüchliche Signale gefährden den Standort“, mahnte der Berliner Werksleiter Thierig und spielte dabei auf die jüngst offenbar gewordene Zerstrittenheit in der Regierungskoalition an, wenn es um die konkrete Umsetzung des Verbrennerverbots geht.
CDU-Kanzler Friedrich Merz etwa forderte zuletzt immer wieder Technologieoffenheit, SPD-Politikerin Isabel Cademartori bezeichnete die Forderungen der Union als „industriepolitisch unverständlich“. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge wiederum warnte: „Am Verbrenner-Aus zu rütteln wäre verantwortungslos.“ Tesla jedoch wünscht sich klare, stabile politische Rahmenbedingungen für Investitionen in Elektromobilität, insbesondere für den ostdeutschen Automobilstandort. „Die Diskussionen über den Verbrennerausstieg und widersprüchliche Signale auf der IAA sind eine Herausforderung für den Standort Grünheide“, kritisierte Thierig folgerichtig.
Aber auch abseits von Deutschland und Mexiko läuft es nicht besonders rund für Tesla. Kürzlich zog der Konzern das günstigere Einstiegsmodell des Cybertrucks mit Heckantrieb aus dem Verkauf. Kunden kritisierten fehlende Funktionen wie Frontmotor, Luftfederung und automatische Laderaumabdeckung. Im zweiten Quartal 2025 wurden nur rund 5000 Einheiten verkauft, weniger als die Hälfte der Spitzenwerte von 2024. Auch hier soll Grünheide nun aushelfen – auch, wenn Werksleiter Thierig unermüdlich die starke Nachfrage auf über 30 Märkten beschwört. Vielleicht ist die E-Auto-Minikrise für Tesla aber auch gar nicht so entscheidend. Wenn es nach Elon Musk geht, sollen Künstliche Intelligenz und humanoide Roboter schon bald weite Teile des Geschäfts tragen.




