Guten Morgen,
am Donnerstag steigt der wohl aufsehenerregendste Wirtschaftsgipfel des Jahres in Peking: Donald Trump reist mit einer Delegation hochrangiger Vertreter der US-amerikanischen Technologiebranche und Industrie in die chinesische Hauptstadt, um Staatschef Xi Jinping zu treffen. Mit von der Partie sind laut Medienberichten prominente Namen wie Tesla-Chef Elon Musk, der scheidende Apple-Chef Tim Cook und Wallstreet-Größen wie BlackRock-CEO und Bitcoin-Fan Larry Fink oder David Solomon, Vorstand von Goldman Sachs. Cisco-Chef Chuck Robins soll dankend abgelehnt haben, Nvidia-CEO Jensen Huang wurde laut Insider-Infos gar nicht erst eingeladen.
Brisant ist nicht nur die Teilnehmerliste, sondern auch das breite Spektrum sensibler geopolitischer Themen, die in Peking an der Tagesordnung stehen sollen. Neben der Taiwan-Frage (existenziell für die westliche Chip-Industrie) und einem möglichen Iran-Frieden (entscheidend für die Stimmung an den Energiemärkten) dürften auch Handelsfragen in den Fokus rücken: Seit mehr als einem Jahr bekriegen sich die USA und China gegenseitig mit zeitweise horrenden Einfuhrzöllen. Zuletzt kühlte der Zwist wieder ab, die Handelsschranken bleiben aber erheblich. Was ist vom Peking-Gipfel zu erwarten?
Nervosität um Taiwan, Unsicherheit im Iran: Trump und Xi unter Druck
Das drängendste Thema bleibt der Konflikt mit dem Iran. Die anhaltenden Spannungen rund um die Straße von Hormus treffen vor allem China, das große Teile seiner Energieimporte durch die Region transportiert. Gleichzeitig wächst in Washington der Druck auf Trump, den Krieg politisch und wirtschaftlich unter Kontrolle zu bringen. Anleger beobachten deshalb genau, ob Xi bereit ist, seinen Einfluss auf Teheran geltend zu machen. Eine diplomatische Annäherung könnte die zuletzt angespannte Stimmung an den Rohstoff- und Industriebörsen beruhigen, während jede neue Eskalation die Sorge vor einer länger anhaltenden Energiekrise verstärken würde.
Besonders heikel bleibt zudem die Taiwan-Frage. China betrachtet die demokratisch regierte Insel als eigenes Territorium, während die USA seit Jahrzehnten als Schutzmacht auftreten. Für die Weltwirtschaft ist Taiwan weit mehr als ein geopolitischer Konfliktherd: Die Insel bildet das Zentrum der globalen Halbleiterproduktion. Schon kleine Veränderungen im Tonfall zwischen Trump und Xi könnten deshalb weitreichende Folgen für Technologie- und Industrieunternehmen haben. Viele Investoren hoffen auf Signale der Stabilität, zugleich wächst die Nervosität vor möglichen militärischen Drohgebärden Pekings oder einer weiteren strategischen Entkopplung zwischen den Großmächten.
Auch wirtschaftspolitisch stehen beide Präsidenten unter Druck. Trump will Erfolge beim Zugang amerikanischer Unternehmen zum chinesischen Markt präsentieren und zugleich härter gegen chinesische Exportpraktiken auftreten. Xi dagegen drängt auf ein Ende der amerikanischen Strafzölle und mehr Berechenbarkeit in der US-Handelspolitik. Für exportorientierte Branchen in Europa und Asien ist der Gipfel deshalb von erheblicher Bedeutung. Die Börsen reagieren inzwischen weniger auf konkrete Abschlüsse als auf die Frage, ob sich der Ton zwischen Washington und Peking entschärft oder ob ein neuer Zyklus protektionistischer Maßnahmen bevorsteht.
Die Sache mit dem starken Dollar:
Hinzu kommt die Unsicherheit rund um den Dollar und die globale Konjunktur. Die geopolitischen Krisen der vergangenen Monate haben die amerikanische Währung gestärkt, zugleich aber die Finanzierungskosten vieler Staaten und Unternehmen erhöht. Sollte der Gipfel Anzeichen einer Entspannung liefern, könnte dies die Hoffnung auf stabilere Handels- und Investitionsbedingungen stärken. Bleiben die Fronten dagegen verhärtet, dürften Sorgen über schwächeres Wachstum, fragile Lieferketten und anhaltend hohe Energiepreise dominieren. Genau deshalb richtet sich der Blick der internationalen Finanzwelt in diesen Tagen weniger auf einzelne Abkommen als auf die politische Chemie zwischen Trump und Xi.
Den Börsen ist die Nervosität noch nicht so recht anzumerken. Der S&P 500 stabilisierte sich gestern oberhalb von 7400 Punkten, der Tech-Index Nasdaq-100 verteidigte zum Tagesschluss die 29 300-Punkte-Marke. Der Hongkonger Index Hang Seng gab gestern etwas nach und zog sich unter 26 400 Punkte zurück. Das bisherige Jahreshoch erreichte der Hang Seng bei über 28 000 Punkten Ende Januar, sein letztes Allzeithoch datiert aus dem Jahr 2018 und lag bei knapp 33 500 Punken. Im Vergleich zu dem starken US-Aktienmarkt, wo nun sogar die kleineren Aktien im Russell 2000 stark performen und der Industrie-Index Dow Jones nachzieht, hängt China also noch hinterher.
Außergewöhnlich volatil bleibt derweil der Energiesektor: Die amerikanische Referenzölsorte WTI stieg gestern einmal mehr über 100 Dollar pro Barrel, der europäische Brent-Preis folgte sogar noch etwas fulminanter. Neue Unsicherheit trieb auch den Goldpreis zurück über 4770 Dollar, der Anstieg wurde aber rasch wieder abverkauft, der Handelstag schloss unter 4700 Dollar. Ähnliches Bild bei Silber: Kurz ging es gestern auf 87 Dollar und damit den höchsten Stand seit Anfang März, bevor sich der Kurs wieder unter 84 Dollar zurückzog.
HKCM-Tops und -Flops
Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent
| Endeavour Silver | +12.6 |
Rocket Lab | +11.26 |
AST SpaceMobile | +10 |
Rigetti Computing | +8.29 |
Cloudflare | -23.62 |
| Rheinmetall | -9.18 |
Earnings
Under Armour (erw. EPS: -0.02 USD)
D-Wave Quantum (erw. EPS: -0.08 USD)
Bayer (erw. EPS: 2.31 EUR)
Siemens Energy (erw. EPS: 0.96 EUR)
Tencent Music (erw. EPS: 0.20 USD)
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