Heizen und Tanken in Deutschland teurer: Trump droht mit Öl und Gas
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Heizen und Tanken in Deutschland teurer: Trump droht mit Öl und Gas

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Simeon Koch

Öl und Gas werden in Deutschland im Jahr 2025 Jahr teurer. Das liegt ausnahmsweise nicht an den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten oder den Sanktionen gegen Russland, sondern an der CO2-Abgabe, die seit gestern bei 55 Euro statt wie zuvor 45 Euro liegt. Konsumenten dürften diesen Anstieg um knapp 20 Prozent auf der Heizrechnung und an der Zapfsäule spüren, auf den globalen Energiesektor hat diese innerdeutsche Gesetzgebung freilich keinen Einfluss.

Wichtiger sind da schon die jüngsten Drohungen des designierten US-Präsidenten Donald Trump, der Europa dazu auffordert, mehr Rohöl und Erdgas aus den Vereinigten Staaten zu kaufen. Sollte die EU sich weigern, droht Trump mit Strafzöllen und erinnert die Europäer daran, dass die Abkehr vom russischen Gas lediglich durch eine neue Abhängigkeit ersetzt wurde – nämlich die von den USA.

Tanken und Heizen wird für Deutsche teurer

Drei Cent teurer wird laut ADAC der Liter Diesel oder Heizöl in diesem Jahr – zumindest, wenn die globalen Ölpreise stabil bleiben. „Dass Benzin und Diesel wegen der CO2-Abgabe auch wirklich um drei Cent teurer werden, ist nicht gesagt – denn theoretisch könnte beispielsweise Rohöl billiger werden und folglich auch die Kraftstoffpreise sinken“, schrieb der ADAC in einer Erklärung.

„Ich habe der EU gesagt, dass sie ihr Defizit gegenüber den Vereinigten Staaten durch den Kauf unseres Öls und Gases ausgleichen müssen", schrieb Trump unlängst auf Truth Social.

Laut dem deutschen Vergleichsportal Verivox zahlt man bei Gasheizungen wegen des steigenden CO2-Preises außerdem 0.22 Cent mehr pro Kilowattstunde. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Bedarf von 20 000 Kilowattstunden pro Jahr wären das auf zwölf Monate gerechnet Mehrkosten von 43 Euro. Mit der CO2-Abgabe will die Bundesregierung klimaschädliche Technologien unattraktiver machen – also etwa Verbrenner-Motoren, Gas- oder Ölheizungen.

Zudem kommen die staatlichen Einnahmen aus der erhöhten CO2-Bepreisung dem sogenannten Klima- und Transformationsfonds zugute, der klimafreundliche Projekte finanziert, etwa die Förderung von Wasserstoffwirtschaft, Elektromobilität oder Zuschüsse für den Austausch von Heizungsanlagen. Eine Art Rückzahlung an die Bürger könnte in Form des Klimageldes auch kommen. Geplant war dieses Klimageld schon im Regierungsprogramm der jüngst gescheiterten Ampel-Koalition. Umgesetzt wurde es bisher nicht.

Russische Gaslieferungen gekappt – USA als EU-Retter?

Während die CO2-Abgabe ein innerdeutsches Streitthema bleibt, könnten geopolitische Turbulenzen bald den internationalen Energiesektor erfassen. Für die Europäische Union kommt der Druck aus Ost und West gleichermaßen: Zu Jahresbeginn hat Russland seine Gaslieferungen nach Europa durch die Ukraine eingestellt, auf der anderen Seite des Großen Teichs droht Donald Trump mit Strafzöllen, wenn die EU nicht deutlich mehr Rohöl und Flüssiggas aus den USA importiert. Minus und Plus hebt sich auf, könnte man meinen. So einfach ist es aber nicht. Eher im Gegenteil.

Seit Jahren exportiert die EU mehr in die USA (gelbe Linie) als umgekehrt (blau). Das Defizit war aus US-Sicht 2021 am höchsten und nahm 2023 wieder zu. Quelle: Eurostat.


Der russische Lieferstopp kommt nicht überraschend. Nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit ist der Transitvertrag für die Gaslieferungen durch die Ukraine nach Europa ausgelaufen. Der Krieg in der Ukraine hatte dazu geführt, dass der russische Staatskonzern Gazprom und der ukrainische Versorger Naftogaz ihre Zusammenarbeit auf Eis legen. Der ukrainische Energieminister German Galuschtschenko gab bekannt: „Wir haben den Transit von russischem Gas gestoppt. Das ist ein historisches Ereignis.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beruhigte etwaige Sorgen um Lieferengpässe über die sozialen Netzwerke und konstatierte, dass die meisten europäischen Staaten bereits weitgehend unabhängig von russischem Gas seien. Außerdem hoffe er auf mehr US-amerikanische Gaslieferungen nach Europa. Eine Sprecherin der EU-Kommission bekräftigte Selenskyjs Erklärung und wies darauf hin, dass die europäische Gas-Infrastruktur flexibel genug sei, um nicht-russisches Gas über alternative Routen zu beziehen. Die Abhängigkeit von russischem Gas sei überwunden.

Und tatsächlich: Noch 2021 bezog die EU fast 40 Prozent ihrer Gaslieferungen per Pipeline von Russland, 2023 waren es nur noch acht. Die Abkehr vom kontinentalen Pipeline-Gas hat zur Folge, dass EU-Staaten zunehmend auf Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG) umsteigen, das noch 2021 einen geringen europäischen Marktanteil von 21 Prozent hatte. Schon 2023 allerdings lag die LNG-Quote bei ganzen 43 Prozent, Tendenz steigend. Und hier richtet sich der Blick wieder gen Westen. Denn der größte LNG-Produzent weltweit und der wichtigste EU-Lieferant sind die USA.

„Zölle auf ganzer Linie!“: Macht Trump ernst?

Seit Jahren stört sich Donald Trump am Handelsdefizit zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. 2022 etwa erwirtschaftete die EU einen Überschuss von gut 130 Milliarden Dollar, das sind mehr als zehn Prozent des gemeinsamen Handelsvolumens. Die EU verkaufte Waren im Wert von mehr als 720 Millionen Dollar in die USA, umgekehrt waren es nicht einmal 600 Millionen. Das ist für die US-Wirtschaft natürlich alles andere als gut, weil die Firmen weniger ins Ausland verkaufen und zuhause mit mehr ausländischen Konkurrenz-Produkten klarkommen müssen.

Wenig überraschend ist das Defizit mit der EU dem neuen Präsidenten Trump bei seiner America-First-Politik ein großer Dorn im Auge. Helfen soll dabei der US-amerikanische Energiesektor, der wegen seiner rekordverdächtigen Produktionssteigerung in den letzten Jahren ohnehin viele Abnehmer braucht. Trumps einfache Rechnung: Die EU soll mehr Öl und Gas aus den Vereinigten Staaten kaufen, wodurch die US-Wirtschaft im Handelsvergleich besser wegkommen soll.

Rohöl und Petroleum sind in der EU der Importschlager aus den USA, das Volumen nahm von 2022 auf 2023 zu. Erdgas liegt auf Platz drei, war 2023 aber deutlich rückläufig. Quelle: Eurostat.

Um den wichtigen Handelspartner höflich zu überzeugen, drohte Trump kurz vor Weihnachten schon mal vorsorglich auf seiner Plattform Truth Social: „Ich habe der Europäischen Union gesagt, dass sie ihr enormes Defizit gegenüber den Vereinigten Staaten durch den großflächigen Kauf unseres Öls und Gases ausgleichen müssen.“ Andernfalls gebe es „Zölle auf ganzer Linie!“ Für die USA wären Milliarden frische Energie-Einnahmen aus Europa ein hervorragendes Geschäft. Für die EU wäre das ein Sturz vom Regen in die Traufe.

„Warum ersetzen wir russisches LNG nicht durch amerikanisches LNG, das billiger ist und unsere Energiepreise senkt?“, stellte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kürzlich die scheinbar offensichtliche Frage. Ganz so einfach wie Ursula von der Leyen die Sache darstellt ist sie für Europa aber nicht. Zwar hat man sich vom russischen Gas weitgehend emanzipiert (was man über andere Energiesektoren wie den Uranmarkt übrigens nicht behaupten könnte) – in Sachen ökonomischer Selbstständigkeit ist es aber nur bedingt ein Fortschritt, die Angewiesenheit auf Russland gegen eine Abhängigkeit von den USA einzutauschen. Trumps Zoll-Drohungen sind Zeugnis dafür.

Der Aufbau neuer Lieferketten für LNG erfordert Investitionen in Infrastruktur, wodurch wiederum die Energiepreise kurzfristig steigen könnten. Zudem ist amerikanisches LNG in der Regel teurer, sobald Transportkosten und Umweltauflagen berücksichtigt werden – die Preisvorteile bestehen oft nur auf dem Papier. Gleichzeitig bleibt Europa auch durch den Ausbau erneuerbarer Energien und die angestrebte CO₂-Neutralität in einem Spannungsfeld: Eine strategische Abhängigkeit, sei es von Russland oder den USA, steht im Widerspruch zu den Zielen einer eigenständigen, zukunftsfähigen Energieversorgung.

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Simeon Koch

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