Die Aktionäre von Microsoft haben beim Board-Meeting am 10. Dezember den Vorschlag, Firmenvermögen in Bitcoin zu investieren, mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Auf die Agenda war die BTC-Abstimmung bereits im September auf Initiative einer Aktionärsgruppe gekommen. Am Dienstag kam dann aber die Ernüchterung: Nur 0,55 Prozent der Stimmberechtigten votierten für den Vorschlag. Bei Amazon wird im Frühjahr 2025 über einen sehr ähnlichen Vorschlag entschieden. Michael Saylor und MicroStrategy sind hier klarer Vorreiter – welcher Tech-Gigant wird der nächste Bitcoin-Wal?
Microsoft rät von Bitcoin ab – und bleibt konservativ
Die Abstimmung auf dem Board-Meeting am Dienstag, an dem auch CEO Satya Nadella und Hauptaktionäre wie Vanguard und BlackRock teilnahmen, war nicht das erste Mal, dass Bitcoin bei Microsoft kontrovers diskutiert wurde. 2014 hatte Microsoft BTC vorübergehend als Zahlungsmittel akzeptiert, die Nachricht schlug damals hohe Wellen. Wie Finanzchefin Amy Hood am Dienstag rekapitulierte, wurde die Regelung 2016 allerdings aus regulatorischen Gründen wieder zurückgezogen. Das könnte auch einer der Gründe sein, warum Microsoft seinen Aktionären im Vorfeld der Abstimmung ausdrücklich davon abriet, für eine Investition in Bitcoin zu stimmen.
Bei der Entscheidung über das Bitcoin-Investment waren alle Microsoft-Aktionäre stimmberechtigt, die am Stichtag, dem 30. September 2024, Microsoft-Aktien hielten. Effektiv machten aber die großen institutionellen Anteilseigner die Sache unter sich aus – und stimmten mit mehr als 99 Prozent dagegen. Für immer vom Tisch ist ein Bitcoin-Investment damit noch nicht. Laut Amy Hood evaluiert Microsoft gemeinsam mit Stimmrechtsberatern verschiedene Anlageklassen wie traditionelle Unternehmensanleihen, langfristige Aktien und Kryptowährungen. Der Fokus des Unternehmens bleibt vorerst aber auf Anleihen und Liquidität – Bitcoin zählt dabei aktuell nicht zu den Prioritäten.
Ein Sprecher des Unternehmens erklärte nach der Konferenz, dass Bitcoin zwar in manchen Kreisen als "digitaler Wertspeicher" angesehen werde, jedoch für ein Unternehmen wie Microsoft zu riskant sei: "Der Bitcoin-Wert kann in wenigen Monaten um über 50 Prozent fallen – ein Risiko, das wir nicht eingehen können," fügte er hinzu. Microsoft, das über 78 Milliarden US-Dollar Anlagekapital verfügt, hält also lieber an seiner konservativen Anlagepolitik fest, anstatt auf volatile Assets wie Kryptowährungen zu spekulieren.
Milliarden in Bitcoin? Amazon stimmt ab
Auch bei Microsofts Tech-Konkurrenten Amazon wird gerade über ein großes Bitcoin-Investment diskutiert. Im Gegensatz zu Microsoft steht für Amazon die Entscheidung der Aktionäre aber noch aus. Auf Vorschlag eines konservativen Thinktanks wird auf der Hauptversammlung im April 2025 darüber diskutiert, fünf Prozent des Unternehmensvermögens in Bitcoin zu investiere. Dieser Betrag könnte mehrere Milliarden Dollar umfassen und somit erhebliche Auswirkungen auf die Finanzstrategie von Amazon haben. Amazon selbst hält sich in dieser Sache noch bedeckt.
Befürworter einer Bitcoin-Strategie bei Amazon argumentieren, dass BTC helfen könnte, das Unternehmen vor Inflation zu schützen und die Gewinne der Aktionäre zu steigern. Ein Vertreter der Aktionärsgruppe, die den Vorschlag eingebracht hat, bezeichnete Bitcoin in einem Statement als "stabilen Wertanker in einer unsicheren Welt". Allerdings gibt es auch bei Amazon kritische Stimmen, die auf die Risiken hinweisen. Sie warnen, dass der Bitcoin-Markt zu volatil sei und solche Investitionen die Finanzstabilität des Unternehmens gefährden könnten.
Tipps vom Schneeballsystem MicroStrategy
Dass Bitcoin ein so heißes Thema im Tech-Sektor wird, liegt in großen Teilen an MicroStrategy. Das Software-Unternehmen von Michael Saylor investiert seit 2020 milliardenschwer in BTC und erlebte seither eine Vervielfachung seines Aktienkurses. Seit dem vergangenen Bullenmarkt investierte MicroStrategy regelmäßig in Bitcoin und besitzt inzwischen über 420 000 BTC – mit einem aktuellen Marktwert von über 42 Milliarden Dollar.
Die Bitcoin-Strategie startete MicroStrategy auf Betreiben seines CEOs Michael Saylor, der Bitcoin als langfristig sichersten digitalen Wertspeicher und Schutz gegen die Entwertung von Fiat-Währungen wie den Euro oder den Dollar versteht. Diese Strategie macht MicroStrategy zu einem Vorreiter in Sachen Adaption digitaler Vermögenswerte, bringt jedoch auch Kritik mit sich.
Einige Aktionäre und Finanzexperten warnen, dass die starke Abhängigkeit vom Bitcoin-Kurs die Stabilität des Unternehmens gefährden könnte. Manche sehen in MicroStrategys Vorgehensweise sogar ein Schneeballsystem. Michael Saylor lässt sich davon nicht einschüchtern und rührt weiterhin die Werbetrommel für seine Bitcoin-Strategie – und das recht erfolgreich. Microsoft lud Saylor vor der Bitcoin-Abstimmung zu einem Pitch über seine BTC-Vision ein, der auf X, vormals Twitter, für Furore sorgte. Auf das Abstimmungsergebnis konnte aber selbst Saylors Enthusiasmus keinen nennenswerten Einfluss nehmen.
Bitcoin bald in der Amazon-Bilanz?
Bislang hat Michael Saylor also noch Schwierigkeiten, Tech-Konkurrenten von seiner BTC-Strategie zu überzeugen - trotz vollmundiger Aussagen wie „Bitcoin ist die größte digitale Transformation des 21. Jahrhunderts“. Die Betonung liegt auf noch, schließlich ist der Kryptomarkt durch die größten Asset-Manager der Welt wie BlackRock und Fidelity und deren Spot-ETFs auf dem breiten Börsenparkett angekommen. Und spätestens, wenn die USA Pläne einer staatlichen Bitcoin-Reserve von mit über einer Million BTC umsetzen, könnten Microsoft und Co. in Zugzwang geraten.
Die nächste Richtungsentscheidung für die Bitcoin-Adaption im Tech-Sektor steht bei Amazon im kommenden Frühjahr an. Aktuell deutet noch nicht allzu viel darauf hin, dass es für Krypto-Fans dort besser laufen könnte als beim Microsoft-Board-Meeting. Damit scheint der Kryptomarkt aber auch nicht unbedingt zu rechnen: Auf das negative Abstimmungsergebnis bei Microsoft reagierte der Bitcoin-Kurs nicht nennenswert. Wie es bei BTC und den Aktien von Microsoft, Amazon und MicroStrategy weitergeht, erfahren Sie in unseren regelmäßigen technischen Analysen zu Bitcoin/Ethereum und den größten US-Technologie-Konzernen.

Beim Board-Meeting am Dienstag diskutierte Microsoft über eine
Michael Saylor präsentierte seine Bitcoin-Strategie in einem Online-Pitch vor ranghohen Microsoft-Mitarbeitern. Geholfen hat es offenbar nicht viel.

