Mehr PS gegen Gebühr: Volkswagen führt E-Auto-Abo ein
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Mehr PS gegen Gebühr: Volkswagen führt E-Auto-Abo ein

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Esma Sakalli

Die wichtigsten Informationen des Artikels

Volkswagen testet in Großbritannien ein Abo-Modell für seine Elektroautos, bei dem Kunden für 18.90 Euro im Monat die Leistung des ID.3 von 204 auf 230 PS freischalten können – dauerhaft auch beim Besitzerwechsel. Während der Konzern das als flexibles, digitales Geschäftsmodell anpreist, stößt es auf Kritik, da Kunden für bereits vorhandene Technik zahlen sollen. Anleger verfolgen derweil die Entwicklung der Volkswagen-Aktie genau: Nach einem Plus von rund zehn Prozent droht der Kurs laut Experten nochmals unter die Unterstützung bei 78.86 Euro zu fallen, während ein Sprung über 114.20 Euro ein bullisches Signal wäre. Damit steht das Abo-Experiment sinnbildlich für die Gratwanderung des Konzerns zwischen Zukunftsstrategie und Risiko.

Volkswagen testet Abo-Modell für mehr Leistung bei E-Autos in Großbritannien

Volkswagen wagt ein Experiment, das den Wandel der Automobilindustrie wie unter einem Brennglas sichtbar macht: In Großbritannien können Fahrer des ID.3 ab sofort gegen eine monatliche Gebühr von 18.90 Euro, alternativ 189 Euro im Jahr oder einmalig 629 Euro, ein Leistungsupgrade freischalten, das die Motorstärke von 150 kW (204 PS) auf 170 kW (230 PS) erhöht. Technisch wird dafür nichts eingebaut oder nachgerüstet – die Hardware steckt bereits im Auto, nur die Software entscheidet, ob sie genutzt werden darf. Besonders pikant: Die Freischaltung bleibt dauerhaft im Fahrzeug gespeichert, auch wenn der Besitzer wechselt. Damit könnte nicht nur das Fahrerlebnis sportlicher, sondern auch der Wiederverkaufswert spürbar steigen.

Hinter dieser scheinbar simplen Idee verbirgt sich jedoch ein tiefer Einschnitt. Jahrzehntelang verband sich Mehrleistung mit dem Kauf eines teureren Motors oder eines neuen Modells – heute reicht ein digitaler Klick. Volkswagen spricht von Flexibilität und einem neuen Kundenerlebnis, doch viele sehen darin vor allem eine zusätzliche Einnahmequelle, die Kunden für bereits vorhandene Technik erneut zur Kasse bittet. Genau diese Ambivalenz macht das Projekt so brisant und zum Gradmesser dafür, ob sich digitale Geschäftsmodelle in der Autoindustrie durchsetzen können.

Zwischen Versprechen und Kritik

Für Volkswagen ist das Abo-Modell mehr als eine Spielerei. Der Konzern will zeigen, dass Autos künftig wie Software funktionieren können: anpassbar, individuell, jederzeit erweiterbar. Wer sein Fahrzeug überwiegend in der Stadt nutzt, verzichtet auf die Mehrleistung, wer am Wochenende mehr Dynamik wünscht, aktiviert sie spontan. Dieses Prinzip, das aus der Tech-Welt längst vertraut ist, soll nun auch die Automobilbranche revolutionieren. Doch während Befürworter von Flexibilität sprechen, kritisieren Gegner eine Paywall auf Rädern. Schon das BMW-Experiment mit der Sitzheizung im Abo hatte gezeigt, wie emotional Autofahrer reagieren, wenn Grundfunktionen plötzlich bepreist werden. Bei der Motorleistung, einem Kernversprechen jedes Herstellers, ist der Widerstand womöglich noch größer. Kritiker werfen Volkswagen vor, künstlich Grenzen zu setzen, um dann den Schlüssel gegen Geld zu verkaufen. Das Unternehmen hält dagegen, dass es den Kunden mehr Freiheit gebe, ohne von Anfang an einen höheren Kaufpreis zu verlangen.

Hinzu kommt die Frage nach Sicherheit und Kontrolle. Experten warnen, dass manche Besitzer versuchen könnten, die Zusatzleistung illegal freizuschalten, was nicht nur den Garantieanspruch gefährden, sondern auch rechtliche Folgen nach sich ziehen könnte. Volkswagen hat sich zu diesem Thema bislang nicht geäußert, doch es zeigt, wie sensibel das Feld ist, in dem sich der Konzern bewegt.

Aktie im Spannungsfeld

Während Volkswagen mit neuen Geschäftsmodellen experimentiert, schauen Anleger vor allem auf den Aktienkurs – und der sendet gemischte Signale. Seit dem letzten Update konnte die VOW3-Aktie rund zehn Prozent zulegen, doch wir werten diese Bewegung eher als Zwischenerholung denn als Trendwende. Im Rahmen einer laufenden Korrektur erwarten wir, dass der Kurs noch einmal unter die Unterstützung bei 78.86 Euro fällt, bevor eine echte Stabilisierung möglich wird.

Der 4-Stundenchart von Volkswagen, Datum: 20.08.2025

Das Augenmerk liegt auf einer entscheidenden Marke: 114.20 Euro. Sollte Volkswagen diese Hürde überwinden, könnte kurzfristig ein höheres Zwischenhoch entstehen, bevor die Bewegung erneut nach unten dreht. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario liegt jedoch nur bei 32 Prozent. Für Anleger bedeutet das, dass sich die Aktie derzeit in einem Spannungsfeld zwischen Rückschlaggefahr und Aufwärtspotenzial bewegt, was den Nervenkitzel an den Märkten zusätzlich erhöht. Bemerkenswert ist, wie sehr sich die Bewegungen am Aktienmarkt und die strategischen Experimente des Konzerns ähneln: Beide stehen unter dem Zeichen von Unsicherheit, beide bergen Chancen und beide könnten entweder als kluger Schritt in die Zukunft oder als riskantes Spiel in Erinnerung bleiben.

Mehr als ein Testballon

Ob das Abo-Modell in Großbritannien Erfolg hat, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Doch schon jetzt ist klar, dass es weit mehr ist als eine regionale Initiative. Es steht für eine grundsätzliche Frage: Wird das Auto in Zukunft zum digitalen Produkt, das man nicht nur besitzt, sondern ständig erweitert, aktualisiert und freischaltet? Oder wird es bei klassischen Kaufmodellen bleiben, bei denen Ausstattung und Leistung endgültig feststehen? Volkswagen setzt darauf, dass Kunden den zusätzlichen Spielraum zu schätzen lernen. Doch die Wette ist riskant. Scheitert das Experiment, könnte es zum Symbol für die Grenzen digitaler Geschäftsmodelle in der Autowelt werden. Gelingt es dagegen, wird Volkswagen nicht nur neue Einnahmequellen erschließen, sondern auch Maßstäbe für die gesamte Branche setzen.

Am Ende geht es um mehr als 18.90 Euro im Monat. Es geht um die Frage, wie sich die Beziehung zwischen Autofahrer und Hersteller verändert – ob der Besitz eines Autos künftig noch das gleiche bedeutet wie früher oder ob er sich in ein digitales Abo verwandelt. Für Volkswagen ist das Projekt ein Balanceakt zwischen Tradition und Zukunft, für Anleger eine Wette auf das Gelingen – und für die ganze Branche ein Blick in die mögliche Welt von morgen.

FAQ

Ist die VW Aktie unterbewertet?
Viele Analysten sehen die Volkswagen-Aktie im Vergleich zu anderen Autobauern günstig bewertet, da der Konzern trotz starker Umsätze und Markenvielfalt niedriger gehandelt wird. Gleichzeitig warnen Experten, dass hohe Investitionen in Elektromobilität und Software die Gewinne kurzfristig belasten könnten.

Warum gibt es zwei VW Aktien?
Volkswagen hat Stammaktien und Vorzugsaktien im Umlauf. Während Stammaktien ein Stimmrecht bei Hauptversammlungen bieten, haben Vorzugsaktien meist kein Stimmrecht, dafür aber eine etwas höhere Dividende.

Was ist das durchschnittliche Kursziel für die Volkswagen-Aktie?
Analysten geben der Volkswagen-Aktie im Schnitt ein Kursziel von rund 130 bis 150 Euro. Die Einschätzungen variieren je nach Marktentwicklung, Wettbewerb und Erfolg der E-Mobilitätsstrategie.

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Esma Sakalli

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