Das Wichtigste auf einen Blick
Airbus und Dassault Aviation, ein Arm der französischen Dassault Group, arbeiten seit 2017 am Future Combat Air System (FCAS), das ab 2040 Eurofighter Typhoon und Rafale ersetzen soll. Das Projekt stockt seit Monaten aufgrund interner Konflikte; Betriebsratschef Thomas Pretzl stellt die Partnerschaft offen infrage. Die Bundesregierung drängt auf eine schnelle Einigung, Alternativen wie BAE Systems oder Saab werden diskutiert. Technologisch soll FCAS Stealth, KI und Drohnenschwärme bieten. Parallel erlebt Boeing durch Großaufträge in China und der Türkei Auftrieb, was den Wettbewerbsdruck auf Airbus zusätzlich erhöht.
Interne Konflikte, harte Konkurrenz: Airbus unter Druck
Der deutsch-französische Flugzeugbauer Airbus gerät im Konkurrenzkampf mit dem großen Rivalen Boeing zusehends unter Druck – auch, weil sich die Entwicklungen im europäischen Rüstungssektor zuspitzen: Die Verhandlungen mit dem französischen Partner Dassault Aviation über das europäische Kampfjet-Programm Future Combat Air System (FCAS) stocken seit Monaten, die Bundesregierung drängt auf eine schnelle Lösung. Parallel erlebt der US-Konkurrent Boeing durch Großaufträge in China und der Türkei Aufwind, was die internationale Wettbewerbsposition von Airbus zusätzlich belastet. In der Luftfahrt- und Rüstungsbranche werden diese Entwicklungen als kritischer Test für Europas technologische Souveränität gewertet.
Platzt der europäische Kampfjet-Traum?
Woran Airbus gerade arbeitet, könnte man als Disruption der europäischen Verteidigungstechnologie bezeichnen. Das Future Combat Air System (FCAS), an dem Airbus seit 2017 mit dem französischen Rüstungskonzern Dassault Aviation arbeitet, soll ab 2040 den Eurofighter Typhoon sowie die französische Dassault Rafale ersetzen und Europa technologisch unabhängiger von den USA machen. Der dafür geplante Airbus-Kampfjet ist als Verbund mit Drohnenschwärmen geplant und soll modernste Tarnkappentechnologie, KI-gestützte Pilotenassistenz und hochleistungsfähige Sensorik für vernetzte Kampfführung bieten.
Doch die Umsetzung stockt: Bereits die erste Entwicklungsphase hatte sich 2022 laut Medienberichten um ein Jahr verzögert, weil Airbus und Dassault Aviation um Führungsansprüche rangen. Aktuell hat sich die Situation verschärft. Thomas Pretzl, Betriebsratschef von Airbus Defence, äußerte gegenüber dem Handelsblatt: „Ich glaube, dass FCAS ohne Dassault Aviation kommt. In Europa gibt es attraktivere und geeignetere Partner“. Sollte Airbus den Bruch mit Dassault Aviation riskieren, wäre das ein seltener offener Konflikt innerhalb Europas führender Rüstungsunternehmen.
Die Bundesregierung zeigt sich alarmiert, fordert aber eine rasche Einigung: Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestags, warnte: „Unser sicherheitspolitisches Ziel darf nicht an industriepolitischem Klein-Klein scheitern“. Airbus-Rüstungsvorstand Michael Schöllhorn betonte gegenüber dem Handelsblatt, dass „Deutschland und Europa ein Luftkampfsystem der nächsten Generation benötigen“ – und „Airbus ist bereit, ein solches System zu entwickeln“. Offenbar auch ohne den französischen Partner.
Boeing liefert an China und die Türkei
Die internen Streitigkeiten lasten auf Airbus, der Konzern leidet aber nicht nur unter internen Querelen. Längst gibt es in Europa Konkurrenzprojekte: Unter Führung Großbritanniens entsteht das Global Combat Air Programme (GCAP), an dem Italien und Japan beteiligt sind. Erste GCAP-Prototypen sollen bereits 2027 fliegen, während FCAS frühestens 2040 einsatzbereit ist. Experten wie Michael Santo von der Münchner Luftfahrtberatung H&Z Group fordern daher medienwirksam einen Prototypen vor 2030, um Europas technologische Souveränität zu sichern.
Während es bei Airbus rumort, erlebt der US-Konkurrent Boeing Auftrieb: US-Abgeordnete führten während eines kürzlich erfolgten Besuchs in Peking Gespräche über den Verkauf von bis zu 500 Boeing-Jets an China. US-Botschafter David Purdue bezeichnete die Verhandlungen als „sehr wichtig für den Präsidenten“. Adam Smith, Vorsitzender des House Armed Services Committee, erklärte: „Es ist schon eine Weile her, dass Boeing-Flugzeuge hier in China verkauft wurden. Wir möchten, dass dieser Deal abgeschlossen wird“.
Zudem plant die Türkei den Kauf von Hunderten Boeing-Airlinern und Lockheed-Martin-Kampfflugzeugen, verbunden mit über zehn Milliarden Dollar an lokalen Produktionsaufträgen. Diese Aufträge verschaffen Boeing einen strategischen Vorteil auf internationalen Märkten und erhöhen den Wettbewerbsdruck auf Airbus, das in Europa weiterhin mit den internen FCAS-Streitigkeiten beschäftigt ist. Sollten die Verhandlungen mit Dassault Aviation scheitern, werden bereits Alternativen diskutiert: Die deutsche Industrie könnte mit dem britischen Luftfahrt-Konzern BAE Systems oder der schwedischen Maschinenbauer Saab kooperieren.




