Die in New York City ansässige Unternehmensberatung McKinsey & Company strukturiert ihr Geschäft in China grundlegend um, wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider berichtet. Im Zuge dieser Neuorganisation wurden rund 500 Mitarbeiter entlassen, was etwa einem Drittel der Belegschaft entspricht. Laut Joe Ngai, dem China-Chef von McKinsey, beschäftigt das Unternehmen dort nun noch etwa 1000 Angestellte. Im Juni 2023 war auf der Firmenwebsite allerdings noch von 1500 Mitarbeitern die Rede. Darüber hinaus hat McKinsey die Zusammenarbeit mit staatlichen chinesischen Kunden eingestellt und die Zahl der Projekte mit Regierungsbeteiligung deutlich reduziert. Diese hatten früher einen wichtigen Teil des Geschäfts ausgemacht. Stattdessen konzentriert sich McKinsey nun verstärkt darauf, multinationale Unternehmen in China bei der Bewältigung von Veränderungen zu unterstützen und chinesische Firmen beim internationalen Wachstum zu beraten. Die wirtschaftlichen Spannungen zwischen den USA und China sowie die schwächelnde chinesische Wirtschaft erschwerten das Geschäft für westliche Unternehmen in China zuletzt erheblich, was auch mit ein (Haupt-)Grund für die Neuausrichtung sein dürfte.
McKinsey begann 1993 mit seiner Tätigkeit in China und steigerte sein Geschäft im Gleichschritt mit dem rasanten Wirtschaftswachstum des Landes. Besonders staatliche Unternehmen wie die China Construction Bank oder China Telecom setzten auf McKinseys Expertise in den Bereichen Digitalisierung und Betriebsführung. Ngai erklärte gegenüber der chinesischen Nachrichtenplattform Sohu Finance im Jahr 2020, dass zu diesem Zeitpunkt rund 80 Prozent der McKinsey-Kunden in China inländische Unternehmen waren, von denen die Hälfte staatlich war. Die übrigen 20 Prozent machten multinationale Konzerne aus. Für die letzten Jahre wurden keine konkreten Kundenzahlen veröffentlicht.
Harte Zeiten für westliche Unternehmen
Nordamerikanische Politiker warnen zunehmend vor Sicherheitsrisiken, weil sich die Beziehungen zu China weiter verschlechtern. McKinsey wurde in den USA kritisiert, da es sowohl die nordamerikanische Regierung, auch im Verteidigungsbereich, als auch chinesische Organisationen berät. Der McKinsey-Manager Bob Sternfels musste sich dazu bereits im Kongress äußern. Auch aus China gibt es Gegenwind: Die schwache Wirtschaft sorgt dafür, dass viele Kunden zu günstigeren chinesischen Konkurrenten abwandern. Gleichzeitig geht die chinesische Regierung strenger gegen ausländische Beratungsfirmen vor. Ein monatelanges Verbot traf zuletzt PricewaterhouseCoopers. Pekings Behörden verschärfen auch den Umgang mit ausländischen Unternehmen bei der Informationsbeschaffung und Due-Diligence-Prüfungen. Letztes Jahr durchsuchte die Polizei das Bain-Büro in Shanghai und führte eine Razzia bei Capvision durch, das Investoren mit Experten vernetzt, die Branchenwissen teilen.



