Das Wichtigste auf einen Blick
Die Absetzung von Jimmy Kimmel durch ABC unter Druck der FCC verdeutlicht die wachsende Einflussnahme der Trump-Regierung auf die US-Medien. FCC-Chef Brendan Carr hatte mit Lizenzentzug gedroht, nachdem Kimmel Kommentare über den ermordeten Aktivisten Charlie Kirk gemacht hatte. Präsident Trump verteidigt Carr, während Republikaner wie Rand Paul und Ted Cruz das Vorgehen als „Mafia-Taktik“ kritisieren. Experten warnen vor Rechtsverschiebung und Machtmissbrauch, die Medienfreiheit gefährden. Proteste in Los Angeles und ein Schusswechsel auf ein ABC-Gebäude in Sacramento zeigen die gesellschaftliche Brisanz der Affäre.
Die Absetzung von Jimmy Kimmel nach einem umstrittenen Monolog über den ermordeten Aktivisten Charlie Kirk hat die US-Politik in Aufruhr versetzt. Disney-Tochter ABC setzte die Late-Night-Show Jimmy Kimmel Live! aus, nachdem Brendan Carr, Chef der US-Medienaufsicht FCC, massiven Druck auf die Sender ausgeübt hatte. Er drohte damit, Lizenzen zu entziehen, falls die Show weiter ausgestrahlt werde, und sprach von „Müll“, den man den Zuschauern nicht länger zumuten könne. Dass Disney Kimmels Show auf Betreiben der Behörde absetzte, sorgte bereits in den vergangenen Tagen für große Proteste. Jetzt stellen sich auch Parteifreunde von Trump gegen die Maßnahme.
Harsche Kritik von Trumps Republikanern
In einem Interview mit dem Podcaster Benny Johnson sagte FCC-Chef Carr wörtlich: „Wir können das auf die einfache oder die harte Tour machen.“ Während viele Republikaner Kimmels Aussagen selbst kritisieren, wächst in der Partei zugleich die Sorge über den harten Eingriff der Regierung. Senator Rand Paul erklärte in NBCs Meet the Press: „Die Regierung hat darin nichts verloren. Und die FCC lag falsch, sich einzumischen. Ich werde jeden Versuch bekämpfen, dass die Regierung sich in die Rede einmischt.“ Besonders deutliche Worte fand Senator Ted Cruz, eigentlich ein enger Verbündeter von Donald Trump.
Auf seinem Podcast Verdict sagte er über Carrs Drohung: „Das ist direkt aus Goodfellas, Mafia-Taktik. Das ist, als würde ein Mafioso in eine Bar kommen und sagen: Schöner Laden hier, wäre eine Schande, wenn etwas passieren würde.“ Zwar sei er „froh, dass Kimmel gefeuert wurde“, doch Carrs Vorgehen sei „brandgefährlich“. Auch andere Republikaner wie Thom Tillis und Jerry Moran warnten, die FCC habe eine rote Linie überschritten. Moran mahnte in Politico: „Die konservative Position ist: freie Rede ist freie Rede, und wir sollten sehr vorsichtig sein, welche Linien wir überschreiten.“
Professor: „Was mir an Trump am meisten Angst macht…“
Trump hingegen stellte sich klar hinter seinen FCC-Chef. Im Fox News Sunday Briefing sagte er: „Er hat nichts getan, was über die Grenze geht.“ Auch seine Sprecherin Abigail Jackson verteidigte die Entscheidung von Disney, die Show zu stoppen: „Jimmy Kimmel kann so viele schlechte Witze machen, wie er will, aber ein Privatunternehmen ist nicht verpflichtet, Geld mit einer unpopulären Show zu verlieren. Jimmy Kimmels schreckliches Produkt ist kein Problem der freien Rede; es ist ein Talentproblem.“
Amerikanische Medienanalysten warnen, dass es längst nicht nur um Kimmel geht, sondern um eine strukturelle Verschiebung im Mediensystem. Victor Pickard, Professor an der University of Pennsylvania, sagte zu Reuters: „Es gibt derzeit eine anhaltende Rechtsverschiebung in großen Teilen unserer Medienlandschaft. Ich erwarte, dass noch mehr davon kommt. Es gibt keine Gegenkraft dagegen.“ Der frühere CBS-Journalist Steve Kroft warnte bei Reuters: „Das, was mir an dieser Regierung am meisten Angst macht, ist diese Vergeltungsmentalität, die Feinde anzugreifen. Und ich denke, sie nehmen die Nachrichtenleute ganz klar ins Visier.“
Schüsse auf Studio: Proteste eskalieren
Auch Juristen schlagen Alarm. Jameel Jaffer, Direktor des Knight First Amendment Institute, sagte zu Reuters: „Die Trump-Regierung wird immer dreister in ihrem Missbrauch der Staatsmacht, um Kritiker mundtot zu machen.“ Und David Inserra vom libertären Cato Institute betonte: „Während der Biden-Regierung haben Konservative zu Recht geklagt, wenn die Regierung ihre Rede angriff. Aber jetzt benutzt die Trump-Regierung viele der gleichen Argumente, um Zensur zu rechtfertigen.“
Unterdessen spitzt sich die Lage auch auf der Straße zu. In Los Angeles protestierten Demonstranten vor dem Studio, in dem Kimmel normalerweise aufzeichnet. In Sacramento fielen Schüsse auf ein Gebäude des ABC-Senders KXTV, glücklicherweise ohne Verletzte. Ob es sich um einen gezielten Angriff handelte, ist unklar. Die Affäre um Jimmy Kimmel zeigt, wie stark die Grenzen zwischen Medienfreiheit und politischem Druck in den USA gerade verwischen. Während Republikaner über Zensur warnen, demonstriert Trump, wie weitreichend der Einfluss der Regierung auf die Medien inzwischen geworden ist.




