Der zunehmende Fokus auf nachhaltige Energiequellen und Elektromobilität macht Lithium zu einem der wertvollsten Rohstoffe überhaupt. Serbien strebt danach, ein führender Lieferant des Leichtmetalls zu werden, das essenziell für die Herstellung von Batterien in Elektrofahrzeugen ist. Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius hat sich bereits positiv zu diesen Plänen geäußert und sieht großes Potenzial für eine Zusammenarbeit. „Wir sind ein potenzieller Kunde“, betonte Källenius in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters in Belgrad. Källenius unterstrich die Bedeutung der Lithiumvorkommen in Serbien für den europäischen Markt. „Wir sind dabei, unsere Rohmaterial-Lieferketten bis zur Mine auch auf regionaler Basis aufzustellen“, erklärte er. Serbien verfügt über eines der größten Lithiumvorkommen der Welt und der Rohstoffkonzern Rio Tinto, ein börsennotiertes Bergbauunternehmen unseres Minen-Pakets plant, die Bodenschätze zu fördern. Mercedes könnte ein erster großer Kunde sein.
Beim Gespräch mit Reuters unterstrich Källenius, dass es nicht nur um den Export von Rohstoffen gehen werde. Serbien solle auch an der Wertschöpfung beteiligt sein. „Um das ökonomisch zu machen, werden wir sicherlich einige der Wertschöpfungsketten hier im Land haben – möglicherweise bis zur Herstellung der Batteriezellen“, sagte Källenius. Dies müssten jedoch die Lieferanten der Technologie entscheiden. Mercedes würde ein solches Vorhaben jedenfalls unterstützen. Källenius wies darauf hin, dass die Bemühungen um Lithium aus Serbien nicht im Widerspruch zu den aktuellen Marktbedingungen für Elektrofahrzeuge stehen. Trotz des derzeit schleppenden Absatzes von E-Autos sei Lithium für die Batterieproduktion unverzichtbar. „Die Zukunft ist elektrisch. Vielleicht ist es nicht eine gerade Linie hoch, aber es läuft hoch, und hier müssen wir langfristig denken“, erklärte er. Die Bedeutung der Lieferketten werde in den 2030er Jahren weiter zunehmen.
In Belgrad wurden derweil unter der Anwesenheit von Bundeskanzler Olaf Scholz und EU-Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic zwei wichtige Absichtserklärungen unterzeichnet. Eine betrifft ein Rohstoffabkommen zwischen Serbien und der EU, die andere ein Abkommen zum Aufbau einer Wertschöpfungskette für Lithium mit Unternehmen wie Mercedes und Stellantis. Serbien plant, durch den Bergbaukonzern Rio Tinto gefördertes Lithium bereitzustellen, das bis zu 17 Prozent des europäischen Bedarfs decken könnte, so Präsident Aleksandar Vucic.
Perspektiven für Serbien und die Auto-Industrie
Die Entwicklung der Lithiumförderung und -verarbeitung in Serbien bietet nicht nur wirtschaftliche Chancen, sondern könnte das Land auch technologisch und infrastrukturell erheblich voranbringen. Serbien hat die Möglichkeit, sich als zentraler Akteur in der europäischen Elektromobilitätsbranche zu etablieren. Durch die Zusammenarbeit mit globalen Unternehmen wie Mercedes und Stellantis können neue Technologien und Fachkenntnisse ins Land gebracht werden, was die lokale Wirtschaft diversifizieren und stärken dürfte. Für die europäische Automobilindustrie bedeutet eine stabile Lithiumversorgung aus Serbien eine Verringerung der Abhängigkeit von weit entfernten und geopolitisch instabilen Regionen. Dies könnte die Versorgungssicherheit verbessern und die Produktionskosten für Batterien senken. Zudem würde eine solche regionale Partnerschaft die Resilienz der Lieferketten erhöhen, was angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen in der Logistik von großer Bedeutung ist.



