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"Letzte Etappe im Bitcoin-Bärenmarkt": Legen Wale eine Oktober-Falle?

Author

Simeon Koch
Das Wichtigste in Kürze
  • Bitcoin hält sich trotz monatelanger Schwäche stabil über 60 000 Dollar.
  • Wale kaufen Bitcoin und Ethereum, während Verkäufer an Kraft verlieren.
  • On-Chain-Daten deuten auf eine späte Phase des Bärenmarkts hin.

Guten Morgen!

Bitcoin konsolidiert seit sechs Monaten oberhalb der Marke von 60 000 Dollar. Zwar schoss der Kurs im Mai kurzzeitig auf knapp über 80 000 Dollar, doch dieser Ausbruch wurde vollständig abverkauft. Was lange wie ein Zeichen anhaltender Schwäche wirkte, lässt sich mittlerweile auch anders interpretieren: Die Verkäufer bekommen den Markt trotz wiederholter Versuche nicht nachhaltig unter 60 000 Dollar – während große Adressen nun offenbar die Gelegenheit zum Einstieg nutzen. Wichtige Onchain-Analysehäuser werfen eine spannende Frage auf: Kommen Wale dem klassischen Vierjahreszyklus-Boden in Q4 zuvor?

Wale kaufen, während der Verkaufsdruck nachlässt

Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel bei den Bitcoin-Walen. Nach Daten von CryptoQuant stiegen deren Bestände, ohne Börsen und Mining-Pools, seit Dezember von 2.87 auf rund 3.06 Millionen Bitcoin. Allein während des Rückgangs unter 60 000 Dollar im Juni beschleunigte sich die Akkumulation. Noch liegt der Bestand unter dem Rekord von etwa 3.23 Millionen Bitcoin aus dem Bullenmarkt 2025 – Raum für weitere Käufe ist also vorhanden.


Wale kaufen, Verkäufer scheinen sich langsam zu erschöpfen und Langzeithalter sind so stark unter Druck wie bei früheren Bärenmarkttiefs. Reicht das schon für eine Bitcoin-Bodenbildung?


Auch bei Ethereum zeigt sich ein ähnliches Muster. Wallets mit 10 000 bis 100 000 ETH halten inzwischen rekordhohe 19.6 Millionen Ether. Die größten Adressen mit mehr als 100 000 ETH haben seit Mitte 2025 rund 1.8 Millionen Ether hinzugekauft – ein Plus von etwa 70 Prozent. Für CryptoQuant ist das ein klares Smart-Money-Signal: „Steigende Wal-Bestände bei fallenden Kursen sind das deutlichste Signal für Aktivitäten des Smart Money.“

Lesetipp: Zeigt uns das Software-Comeback den Bitcoin-Boden?

Gleichzeitig scheint die Gegenseite an Kraft zu verlieren. Glassnode beobachtet bei Bitcoin rund um 64 000 Dollar Anzeichen einer Verkäufer-Erschöpfung. Seit Anfang August bewegt sich der Kurs in einer engen Spanne zwischen 63 500 und 65 000 Dollar. 54.6 Prozent des zirkulierenden Bitcoin-Angebots liegen im Gewinn – ein Niveau, bei dem viele Anleger nahe ihrem Einstandspreis liegen. Für Glassnode sind die Bodenbildungssignale damit „im Entstehen, aber noch nicht vollständig ausgeprägt“.

"Sie wollen sich vorher positionieren": Kommen Wale dem Oktober-Boden zuvor?

Auch die langfristigen Bitcoin-Halter stehen zunehmend unter Druck. Für diese Anlegergruppe übersteigen die nicht realisierten Verluste inzwischen die Buchgewinne. Historisch trat eine solche Belastung häufig in der Nähe großer Zyklusböden auf. Allerdings sind die aktuellen Verluste noch deutlich geringer als bei früheren Kapitulationen. CryptoQuant sieht daher zunehmenden Stress unter Langfrist-Haltern, aber noch keinen maximalen Ausverkauf.

Noch ist der Boden also nicht bestätigt. CryptoQuant betont, dass weitere Rückgänge möglich sind, während Glassnode von einer Bodenbildung spricht, die sich „durch Langeweile, nicht durch Kapitulation“ zusammensetzt. Das passt zu einem Markt, in dem die Verkäufer offenbar an Kraft verlieren, ohne dass bereits eine neue, breite Kaufwelle eingesetzt hat. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Kommt die Nachfrage zurück, bevor ein neuer Abverkauf beginnt?


Viele Marktteilnehmer erwarten ein Tief in Q4 2026. Große Wale könnten ein Interesse daran haben, dieser Erwartung zuvorzukommen.


Dabei könnte der erwartete nächste Zyklus selbst zum Auslöser einer früheren Erholung werden. Sandy Kaul, Head of Digital Assets and Innovation bei Franklin Templeton, sagte mit Blick auf die vielfach erwartete Wende im Oktober: „Es gibt eine solche psychologische Komponente bei Märkten, dass allein die Tatsache, dass alle sagen, die Märkte werden sich bis Oktober drehen, dazu führen wird, dass die Märkte wahrscheinlich schon vor Oktober drehen. Die Menschen werden sich vorher positionieren wollen.“ Ein solcher Frontrun könnte den Vierjahreszyklus zumindest teilweise vorwegnehmen.

Lesetipp: Auf dieses Signal wartet Bitcoin seit 2020. Damals kam die Altcoin-Season

Um diese Prognose wahr werden zu lassen, müssen sich die Bullen beeilen. Denn Stand Mitte August ist bullisches Momentum im Kryptomarkt (noch) Fehlanzeige. Bitcoin knickte nach den gestrigen US-Konsumenteninflationsdaten (CPI) auf 63 300 Dollar ein, erholte sich über Nacht aber auf rund 63 700 Dollar. Ethereum stieg von 1870 auf 1890 Dollar. Die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung legte binnen 24 Stunden um knapp zwei Prozent auf rund 2.2 Billionen Dollar zu, liegt seit Jahresbeginn aber noch 26 Prozent und im Jahresvergleich fast 46 Prozent tiefer. Der Nasdaq-100 steigt leicht auf 29 740 Punkte, der S&P 500 steht bei rund 7 750, Gold bei 4 430 Dollar und WTI bei 83 Dollar.


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