Die Präsentation der Quartalsergebnisse ist ein undankbares Geschäft. Da gibt man eine massive Steigerung des Nettogewinns um 35 Prozent bekannt, verzeichnet verblüffend starkes Umsatzwachstum von 19 Prozent und trotzdem fällt die Aktie des eigenen Unternehmens. Überrascht war Mark Zuckerberg von der Marktreaktion auf seine Präsentation am gestrigen Mittwoch wohl trotzdem nicht. Schließlich ist er lang genug im Geschäft, um zu wissen, dass Aktionäre besonders genau hinhören, wenn es beim Quartalsabschluss um die Aussichten für die nähere Zukunft geht. Sind die nicht so rosig, dann sind die Statistiken der Vergangenheit plötzlich nicht mehr so viel wert – so prächtig sie auch sein mögen.
Meta bekommt gerade die Wachstumsschmerzen des KI-Booms zu spüren. Die Facebook-Mutter gehört zu den globalen Vorreitern, was autonome Algorithmen und deren rasante Entwicklung anbelangt. Die technologische Revolution verschlingt aber einen Haufen Geld. Meta muss also, ebenso wie die Konkurrenz, finanzielle Rücklagen großzügig anzapfen, um im Rennen zu bleiben. Das wiederum schmälert kurzfristig den Gewinn und trägt erst auf lange Sicht die ersehnten fürstlichen Früchte. So sinnvoll diese Strategie auch sein mag – Anleger lassen sich ungern auf später vertrösten. Ähnlich geht es gerade dem OpenAI-Mäzen Microsoft, der ebenfalls überraschend starke Zahlen vorlegte, aber vor einer Verlangsamung des jüngsten Wachstums warnt. Vielleicht war es also ganz schlau von Google, die KI-Ausgaben bei der Alphabet-Präsentation nicht breitzutreten und stattdessen das boomende Cloud-Geschäft zu akzentuieren – die Börse dankte es mit grünen Kursen.
Google-Aktie dank Cloud-Boom auf 3-Monatshoch
„Das Momentum unseres Unternehmens ist außergewöhnlich“, konstatierte Alphabet-CEO Sundar Pichai stolz im Quartalsbericht des Google-Betreibers. „Unser Fokus auf Innovation macht sich gerade genauso bezahlt wie unsere langfristigen Investitionen in KI. Unsere Partner und Kunden profitieren von unseren KI-Anwendungen!“ Dabei war das noch gar nicht die eigentliche Überraschung. Für die größte Begeisterung sorgte Google bei seinem Quartalsabschluss mit dem starken Wachstum seines Cloud-Dienstes, der im Jahresvergleich um satte 35 Prozent auf $11.4 Milliarden anwuchs. Im Vorjahresquartal hatte man mit der Cloud noch $7.4 Milliarden umgesetzt, im zweiten Quartal des aktuellen Jahres bereits $10.3 Milliarden. „Auf der Cloud helfen unsere KI-Lösungen, den Nutzerkreis unserer Produkte zu erweitern und größere Geschäfte an Land zu ziehen“, erklärte Pichai zufrieden. Ach ja, und YouTubes Werbeumsatz überstieg zum ersten Mal überhaupt $50 Milliarden innerhalb der zurückliegenden vier Quartale.
Bei all diesen Erfolgsmeldungen ging fast schon unter, wie stark Googles Quartalszahlen im Allgemeinen ausgefallen waren. Verglichen mit dem Vorjahresquartal wuchs der Umsatz in den drei Monaten zwischen Juli und September um kräftige 15 Prozent auf den Rekordwert von $88.3 Milliarden. Der Nettogewinn kletterte um mehr als ein Drittel auf $26.3 Milliarden, der Gewinn pro Aktie stieß mit einem Plus von 37 Prozent auf nun $2.12 in ähnliche Sphären vor. Auf ganzer Linie übertraf Google damit die Expertenschätzungen, die von schwächerem Umsatzwachstum und sogar einem Rückgang des Gewinns im Vergleich zum zweiten Quartal ausgegangen waren.
Microsoft profitiert von KI-Hype – und warnt Investoren
Mit seinen formidablen Zahlen war Google Mitte der Woche nicht allein im Tech-Sektor. Als hätte Microsoft nur darauf gewartet, dem großen KI-Konkurrenten die Show zu stehlen, präsentierte Satya Nadella, Geschäftsführer des Software-Giganten, nur einen Tag später fast ebenso starke Statistiken für das abgelaufene dritte Quartal. Auch bei Microsoft läuft das Cloud-Geschäft auf Hochtouren, die hauseigene Azure-Technologie spülte mit $24.1 Milliarden um 20 Prozent mehr in die Kassen des Konzerns als noch im Vorjahresquartal. Mit Googles Cloud-Wachstum kann Microsoft zwar nicht ganz mithalten, bei der Umsatzsteigerung hat der Windows-Erfinder mit 16 Prozent auf nunmehr $65.6 Milliarden aber hauchzart die Nase vorn.
Etwas kleinere Brötchen als Google backt Microsoft wiederum beim Nettogewinn. Hier ging es im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres von $22.3 Milliarden auf $24.7 Milliarden – immerhin eine Steigerung von elf Prozent. Ähnlich stark zog der Gewinn je Aktie an und übertraf die Expertenschätzungen mit einem finalen Ergebnis von $3.30 deutlich. Auch in allen anderen Belangen schlug Microsoft die Prognosen – sorgte dann aber selbst für einen unerwarteten Dämpfer. Denn die Ausgaben, die man beim Software-Giganten vor allem für KI tätigt, stiegen stärker als prognostiziert. Analysten waren von $14.6 Milliarden ausgegangen, geworden sind es am Ende $14.9 Milliarden. Im Jahresvergleich bedeutet das einen deutlichen Anstieg der Firmen-Ausgaben um rund 50 Prozent. Den Anlegern schmeckte das gar nicht, bis Donnerstagnachmittag verlor die Aktie sechs Prozent.
Metas Gewinn explodiert – Nutzerzahl stagniert
Ein Kursgewinn von rund 75 Prozent seit Jahresbeginn, das kann sich mehr als sehen lassen: Bisher war 2024 ein ausgezeichnetes Jahr für Mark Zuckerbergs Meta. Entsprechend hoch waren die Erwartungen der Wallstreet auch im dritten Quartal: Ganze 18 Prozent Umsatzsteigerung prognostizierten die Analysten – und Meta lieferte: $40.6 Milliarden nahm der Mutterkonzern von Facebook und Instagram in den drei Monaten zwischen Juli und September ein, gleichbedeutend mit einer Zunahme von satten 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Noch beeindruckender war die Gewinnsteigerung um 37 Prozent auf nunmehr $15.7 Milliarden nach $11.6 Milliarden im dritten Quartal 2023 und $13.5 Milliarden in den Sommermonaten von April bis Juni. Analysten waren im Vorfeld von $13.7 Milliarden Nettogewinn ausgegangen.
Eitel Sonnenschein herrschte dennoch nicht beim Quartalsabschluss des Social-Media-Giganten. Denn ausgerechnet im Kerngeschäft scheint Meta zu schwächeln: Die Akquise neuer Nutzer auf den Konzern-Apps Facebook, Instagram und WhatsApp verläuft schleppender als erwartet. Antizipiert wurde im Vorfeld eine Steigerung der Klientel auf 3.3 Milliarden tägliche Nutzer, Meta konnte aber nur 3.29 Milliarden verzeichnen. Firmenchef Mark Zuckerberg sah keinen Anlass zur Sorge: „Insgesamt liegt ein gutes Quartal hinter uns, ich bin begeistert von der Arbeit, die wir gerade leisten.“ Aktuell erlebe man „den dynamischsten Moment, den ich in unserer Branche erlebt habe“, erklärte Zuckerberg und ergänzte: „Wenn wir das gut machen, ist das Potenzial für Meta enorm!“ Ganz so begeistert waren die Aktionäre nicht, was auch an den angekündigten Konzern-Ausgaben von $40 Milliarden für das aktuelle und sogar $50 Milliarden für das nächste Jahr liegen dürfte. Am Donnerstagnachmittag setzte die Meta-Aktie zeitweise um rund drei Prozent zurück.


Das Cloud-Geschäft boomt, der Gewinn steigt rasant: Google präsentierte formidable Quartalszahlen und begeisterte seine Anleger.
Auch Microsoft punktet mit starken Cloud-Wachstum. Der Umsatz steigt rekordverdächtig, der Nettogewinn fällt solide aus.
Umsatz stark, Gewinn explodiert und auch die Nutzerzahlen steigen deutlich – für den Geschmack der Aktionäre aber nicht deutlich genug.

