„Kein Problem, wenn unsere Feinde sterben“: Warum Palantir gerade abhebt
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„Kein Problem, wenn unsere Feinde sterben“: Warum Palantir gerade abhebt

Author

Simeon Koch

Alex Karp ist kein Kind von Traurigkeit. Immer wieder macht der Palantir-CEO mit gewagten Statements auf sich aufmerksam. Als man ihn im Frühjahr dafür kritisierte, Israel uneingeschränkt im Kampf gegen die palästinensische Hamas im Gaza-Streifen zu unterstützen, fragte er provokant: „Glauben Sie an den Westen?“ Wenn dem so sei, meinte Karp, gebe es keine Alternative als die Demokratie auch im Nahen Osten zu verteidigen. Frei von Eigeninteresse ist dieses Bekenntnis freilich nicht, Palantir verdient an den israelischen Militäroperationen kräftig mit.

Palantirs Mission ist es, das Militär durch umfassende Datensammlung und Überwachung verdächtiger Ziele effizienter zu machen. Das ist in Zeiten wachsender geopolitischer Krisen so gefragt wie nie. Und doch steht Alex Karp mit den Methoden seines Unternehmens in der Kritik. Die britische Gesundheitsbehörde geriet in Verruf, als sie eine Kooperation mit Palantir bekanntgab. Dem Unternehmen schadet das nicht, ganz im Gegenteil: Seit Anfang September stieg die Palantir-Aktie um fast 50 Prozent, seit Jahresbeginn hat sie ihren Wert fast verdreifacht. Das hat nicht nur mit dem Boom im Militär-Geschäft zu tun, denn auch die zivile Sparte – lange Zeit das Sorgenkind – blüht auf.

„Wir werden uns nicht entschuldigen!“

„Ich habe kein Problem damit, wenn Feinde der USA sterben“, bekannte Alex Karp kürzlich in einem ausführlichen Porträt, das die New York Times veröffentlichten. Moralische Bedenken habe er nicht, stellte er klar, Palantir vertrete „eine durchweg prowestliche Sichtweise“. In Richtung seiner Kritiker zeigte Karp klare Kante: „Wenn Sie glauben, dass der Westen verlieren sollte, und wenn Sie glauben, dass man sich nur mit Worten und nicht mit Taten verteidigen kann, sollten Sie uns gegenüber skeptisch sein“. Er persönlich werde sich „nicht dafür entschuldigen, dass wir unsere Produkte in die Ukraine oder nach Israel oder an viele andere Orte geliefert haben“.

Politisch unterstützt Karp, der auch schon für Joe Biden votierte, bei der kommenden Präsidentschaftswahl Kamala Harris. Damit begibt er sich nicht nur in Opposition zu Donald Trump, sondern auch zu Elon Musk, der Trump immer offensiver unterstützt. Einig ist sich Karp mit Musk darüber, dass die Zukunft seiner Branche in der stetigen Entwicklung Künstlicher Intelligenz liegt. Während Musk mit seinem eigenen KI-Startup xAI den Marktführer OpenAI ins Visier nimmt, holt Karp externe Partner ins Boot: Der bisher kaum bekannte KI-Entwickler Edgescale AI aus Delaware soll Palantirs Systeme revolutionieren.

Der Anstieg der Palantir-Aktie entspricht unserer Erwartung. Die grüne Impulswelle [iii] dürfte bald enden, nach einer Zwischenkorrektur sollte es weiter aufwärts gehen.

Edgescale AI ist ein Unternehmen, das sich auf die Automatisierung von Cloud-Umgebungen und die Datenverarbeitung zwischen vernetzten Geräten und KI-Systemen spezialisiert. Anwendung finden kann diese Technologie etwa bei intelligenten Verkehrssystemen in Städten, wo Sensoren die Verkehrsflüsse messen. Edgescale AI sorgt dafür, dass die Kommunikation zwischen derartigen Sensoren und den zentralen Systemen effizient und automatisiert abläuft. Palantir entwickelt mit Edgescale eine KI-Lösung namens Live Edge, wodurch Künstliche Intelligenz nicht nur in der Cloud, also auf zentralen Servern, sondern direkt an den Orten, an denen gearbeitet wird, nutzbar wird.

Viele Unternehmen, die Maschinen oder technische Geräte einsetzen, haben bisher Schwierigkeiten, diese mit modernen KI-Anwendungen zu verbinden. Live Edge soll genau das ändern: Es bringt die Vorteile der Cloud direkt dorthin, wo die physischen Systeme sind, und ermöglicht die Steuerung und Automatisierung dieser Geräte durch KI. Neue Geschäftsfelder entstehen für Palantir durch diese Partnerschaft vor allem im zivilen Bereich, der lange Zeit als Sorgenkind des Unternehmens galt.

Neue KI: Palantir erfindet sich neu

Mithilfe von Edgescale verändert Palantir aber auch das eigene Profil: Bisher konzentrierte man sich auf die Bereitstellung von Software und Datenanalysen, die in der Cloud laufen. Mit Live Edge erweitert Palantir nun sein Angebot und steigt verstärkt in Branchen ein, in denen physische Systeme eine zentrale Rolle spielen. Das betrifft vor allem Sektoren wie die Fertigungsindustrie, den Bau, das Gesundheitswesen, die Automobilbranche und Versorgungsunternehmen. Unternehmen dieser Branchen haben oft Schwierigkeiten, ihre Anlagen mit KI-Software zu vernetzen. Palantir kann seinen Kunden jetzt dabei helfen, Maschinen intelligenter zu machen, ohne teure neue Geräte kaufen zu müssen. Anstatt maßgeschneiderte Hardware installieren zu müssen, wird durch die Virtualisierung (also die Nutzung von Cloud-Technologie direkt vor Ort) der Einsatz von KI vereinfacht.

An der Börse profitiert Palantir nicht nur vom KI-Hype, sondern auch vom Vorstoß in den zivilen Sektor. Und das dürfte laut Karp so weitergehen: „Wichtige Unternehmen können nicht warten und wollen nicht in Systeme investieren, die irgendwann fertig werden. Sie brauchen etwas, das sofort funktioniert. Und wir glauben, dass wir die einzige Plattform haben, die wirklich funktioniert!“

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Simeon Koch

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