Es war eine der verheißungsvollsten Nachrichten des letzten Bullenmarktes: Im August 2020 gab die Software-Firma MicroStrategy bekannt, groß in Bitcoin zu investieren. Die Euphorie im Kryptomarkt war groß, zum ersten Mal schien Bitcoin im traditionellen Finanzmarkt ernsthaft angenommen zu werden. Zwar wurde MicroStrategy schon 1989 gegründet – bis zum Start des großen Bitcoin-Projekts waren das Unternehmen und sein Geschäftsführer Michael Saylor aber für die meisten Anleger ein unbeschriebenes Blatt. Das änderte sich schlagartig, als MicroStrategy begann, Bitcoin zu horten.
Plötzlich war die Aktie in aller Munde, wobei sich niemand so richtig für MicroStrategys Produkte oder Umsätze interessierte. Vielmehr betrachteten institutionelle und Kleininvestoren das Unternehmen nun als Proxy für BTC. Die Idee dahinter: Jeder, der nicht direkt in Bitcoin investieren kann oder will, kauft stattdessen MicroStrategy-Aktien. Michael Saylor deutete die Zeichen der Zeit auf seine Weise und kaufte über die letzten Jahre immer aggressiver, mittlerweile hält MicroStrategy beeindruckende 386 700 Bitcoin. Dafür nimmt Saylor Kredite auf und verwässert die eigenen Aktien – Kritiker werfen ihm vor, ein gigantisches Schneeballsystem aufzuziehen. Ist da was dran?
Michael Saylors (nicht ganz so) verrückter Plan
Irgendwie klingt das alles zu schön, um wahr zu sein. Und zu einfach, als dass es nicht einfach alle machen würden. Denn MicroStrategys Bitcoin-Projekt basiert auf ganz einfacher Mathematik. Michael Saylor ist davon überzeugt, dass der Bitcoin-Preis auch über die nächsten Jahrzehnte nur eine Richtung kennen wird – und zwar aufwärts. Je mehr Bitcoin MicroStrategy also hält – so zumindest der Plan –, desto wertvoller wird das Unternehmen und dadurch die eigene Aktie. Und seit Bitcoin in den aktuellen Bullenmarkt gestartet ist, scheint dieses Kalkül vollumfänglich aufzugehen.
Von Ende Januar bis Mitte November dieses Jahres hat die MicroStrategy-Aktie astronomische 1100 Prozent Kursgewinn verzeichnet, während Bitcoin vergleichsweise mickrige 140 Prozent machte. Mit der jüngsten Korrektur im Bitcoin ging es auch bei MicroStrategy erstmal wieder deutlich bergab – und da liegt auch die erste Gefahr von Michael Saylors BTC-Strategie: Die Aktie seines Unternehmens funktioniert mittlerweile wie eine Art Hebel auf den Bitcoin, der an sich ja schon sehr volatil ist. Was passiert, wenn es wieder stärkere Verwerfungen auf dem Kryptomarkt gibt, also Bitcoin etwa in den nächsten Bärenmarkt eintritt?
Dass Michael Saylor davor keine große Angst hat, demonstrierte er in den letzten Jahren. Obwohl MicroStrategy 2021 zu denkbar schlechten Zeitpunkten rund um die Zyklusspitzen kräftig einkaufte, hielt man an seinen BTC-Beständen fest. Kurz war im Kryptomarkt Sorge aufgekommen, MicroStrategy könnte seine BTC irgendwann abstoßen und damit den Markt fluten; Saylor aber gab sich auf Twitter, mittlerweile X, auch im tiefsten Bärenmarkt demonstrativ zuversichtlich und versprach mehrfach, das Krypto-Portfolio seiner Firma nicht anzutasten. Saylor hielt Wort und erntet die Früchte im aktuellen Bullenmarkt. Kritiker bleiben dennoch skeptisch.
Bitcoin auf Pump: Kann das gut gehen?
Einer der wichtigsten Kritikpunkte ist, dass MicroStrategy eigentlich gar kein richtiges Geschäftsmodell mehr hat, außer massenhaft Bitcoin zu kaufen. Zwar entwickelt das Unternehmen Software-Lösungen, verdient damit im Quartal aber nur gut $100 Millionen. Dennoch performte die Aktie seit Jahresbeginn fast dreimal so stark wie der Chip-Gigant Nvidia, der im vergangenen Quartal immerhin $35 Milliarden umgesetzt hat.
Offensichtlich hält MicroStrategy Bitcoin auch als besseres Investment als seine eigene Aktie: Zwischen dem 18. Und 24. November verkaufte das Unternehmen über 5.5 Millionen Aktien für rund $2.5 Milliarden. Gleichzeitig kaufte MicroStrategy 55 500 Bitcoin im Gesamtwert von rund $5.4 Milliarden. Um noch mehr Bitcoin zu kaufen, nimmt MicroStrategy jetzt sogar Kredite auf – und zwar in Form sogenannter Wandelanleihen.
Dabei handelt es sich grob gesprochen um Aktien-Optionen, die große Investoren bei MicroStrategy kaufen können. MicroStrategy veräußert also praktisch weitere Unternehmensanteile, um mit dem eingenommenen Geld Bitcoin zu kaufen. Allerdings entstehen dadurch gleich zwei große Probleme. Erstens gibt MicroStrategy auf diese Weise immer neue Aktien heraus und verwässert damit das eigene Wertpapier, was dem Wert der einzelnen Aktie schadet. Zweitens ist diese Strategie für Anleger ganz und gar nicht ohne Risiko.
Im jüngsten Wandelanleihen-Paket hat MicroStrategy kürzlich Aktien-Optionen im Wert von $3 Milliarden ausgelobt. Investoren können diese Optionen kaufen und am Ende der Laufzeit 2029 für Aktien einlösen. Der Strike-Preis beträgt hierbei $672, sprich: Investoren haben das Recht, 2029 Aktien des Unternehmens für $672 zu kaufen, egal wo der Kurs gerade steht. Die MicroStrategy-Aktie müsste also 2029 über $672 stehen, damit die Investoren mit der Konversion ihrer Aktien-Optionen in tatsächliche Unternehmensanteile im Plus wären.
Sollte MicroStrategy diesen Kurs nicht erreichen (aktuell wäre dafür ein weiteres Plus von sportlichen 68 Prozent nötig), so werden die Investoren trotzdem ausbezahlt – aber eben ohne Gewinn. Denn der Clou an der ganzen Sache ist: Michael Saylor gibt diese Anleihen mit einem Zinssatz von null Prozent aus, leiht sich in einem Hochzins-Umfeld also quasi kostenlos Geld.
Die Käufer dieser Wandelanleihe spekulieren also aktiv auf einen strammen Wertzuwachs von MicroStrategy in den nächsten Jahren – sonst würde das Investment zu null Prozent Zinsen bei steigender Inflation gar keinen Sinn ergeben. Problematisch ist an dieser Stelle: Sollte MicroStrategy Pleite gehen, werden die Anleihen-Investoren zuerst ausbezahlt, dann erst die Aktionäre.
Hat Michael Saylor das Finanzsystem gehackt?
Obwohl die Zinsen bescheiden sind, erfreut sich die Wandelanleihe von MicroStrategy großer Beliebtheit. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Münchener Versicherer Allianz für mehr als $160 Millionen in ein ähnliches Anleihemodell eingestiegen ist – dort aber gibt MicroStrategy wenigstens 3.5 Prozent Zinsen pro Jahr bis 2031 und die Anleihe kann früher aufgelöst werden. Dass selbst die Allianz mit ihren Versicherungseinlagen auf steigende MicroStrategy-Aktien spekuliert, zeigt, wie positiv Michael Saylors Plan trotz des Risikos im breiten Markt wahrgenommen wird.
Dennoch wird von Zweiflern lautstark kritisiert, dass MicroStrategy seinen Unternehmenswert künstlich nach oben treibe und damit auch den Bitcoin zu einer Blase mache. Schließlich kaufe MicroStrategy Bitcoin, um den Wert seiner Aktien zu steigern, verkaufe dann seine gestiegenen Aktien, um Bitcoin zu kaufen, treibe damit den Wert des Bitcoin in die Höhe und steigere damit auch wieder den eigenen Unternehmenswert. Sieht fast so aus wie ein Money-Glitch.
Aktuell scheint Michael Saylors Plan aufzugehen: Institutionelle Investoren, die nicht direkt Bitcoin kaufen können oder möchten – wie etwa die Allianz – setzen auf sein Unternehmen, um am Kryptomarkt zu partizipieren. Dabei stieg die Aktie zuletzt sogar weitaus stärker als der Bitcoin. Diese Hebelwirkung aber greift auch in die andere Richtung: So stark MicroStrategy in Boom-Phasen ansteigt, so stark dürfte das Wertpapier in bärischen Zeiten crashen.
Als Aktionär auf die Bitcoin-Strategie von Michael Saylor zu setzen, kann beim richtigen Einstieg also durchaus lukrativ sein. Mit den regelmäßigen Analysen unseres TECH33-Pakets erhalten Sie konkrete Zielzonen für profitable Einstiege bei MicroStrategy und weiteren Technologie-Hochkarätern wie Apple, Microsoft oder Nvidia!


Laut Bloomberg ist die Allianz der größte Halter einer MicroStrategy-Wandelanleihe. Unter den Investoren findet sich neben BlackRock und State Street auch die Deutsche Bank.
Laut Bloomberg ist die Allianz der größte Halter einer MicroStrategy-Wandelanleihe. Unter den Investoren findet sich neben BlackRock und State Street auch die Deutsche Bank.

