Im Februar 2025 verabschiedete der Staatsrat der Volksrepublik China, die höchste Exekutivbehörde des Landes, einen „Aktionsplan zur Stabilisierung ausländischer Investitionen“. Dieser Plan, im Folgenden kurz „Aktionsplan“ genannt, enthält einen 20-Punkte-Katalog mit Maßnahmen zur Förderung und Sicherung von Auslandsinvestitionen. Ziel des Plans ist es, durch die Erweiterung von Marktzugängen, die Lockerung finanzieller Beschränkungen und die Schaffung eines fairen Wirtschaftsumfelds mehr ausländische Investoren anzuziehen.
Der Schwerpunkt der Initiative liegt insbesondere auf Schlüsselbereichen wie Biotechnologie, Telekommunikation, Bildung und Gesundheitswesen. Diese Maßnahmen sollen die Beteiligung internationaler Investoren im Industrie- und Dienstleistungssektor Chinas weiter stärken. Mit diesem Schritt bekräftigt China sein Engagement für eine hochstandardisierte Öffnung und die Förderung der wirtschaftlichen Modernisierung, um das Land mithilfe ausländischer Investitionen weiter voranzubringen.
China öffnet sich für Auslandsinvestitionen
Allein im Jahr 2024 wurden in China 59 000 ausländisch investierte Unternehmen (Foreign Investment Exposure) gegründet, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren einen jährlichen Zufluss ausländischer Investitionen von über einer Billion RMB (ca. $137.29 Milliarden) verzeichnet haben. Dies spiegelt die Wichtigkeit Chinas als ein wichtiges globales Investitionszentrum auf dem asiatischen Kontinent wider.
Mit dem Aktionsplan unterstreicht China sein Ziel, die wirtschaftliche Stabilität durch ausländische Kapitalzuflüsse zu stärken und die industrielle Dynamik anzukurbeln. Im Mittelpunkt steht dabei die Förderung der Marke Invest in China, mit der die Volksrepublik ihre Offenheit demonstriert und eine klare Roadmap für verstärkte internationale Zusammenarbeit signalisiert.
Angesichts der sich wandelnden globalen Wirtschaftslage strebt China an, den unterschiedlichen Bedürfnissen internationaler Investoren gerecht zu werden, indem es seine Position als zuverlässiger und strategischer Partner für ausländische Unternehmen und bilaterale Investitionsabkommen ausbaut und die Kooperationen zwischen der Zentralregierung und den lokalen Behörden vertieft, um reibungslosere Prozesse zu gewährleisten.
Denn für viele vor allem ausländische Investoren ist das Land in vieler Hinsicht eine Black-Box. China galt in der Vergangenheit auch als verschlossen und unzuverlässig und qualitativ geringerwertig in materiellen Produkten. Auch hatten viele Nicht-Chinesen wenig Vertrauen in das kommunistisch geprägte System und die mitunter offenbarte politische Willkür in wirtschaftlichen Entscheidungen.
China will schlechtes Image aufpolieren
Man erkennt anhand der Bemühungen aus China, dass die Regierung unter anderem das bislang bei vielen herrschende schlechte Bild des Landes verändern will. In erster Linie will die Regierung daher den ersten Berührungspunkt vereinfachen und es potenziellen Fremdkapitalgebern oder Investoren möglichst bequem gestalten, Geld in China zu investieren.
Die Regierung beabsichtigt, das Geschäftsklima zu optimieren, um allen Unternehmen eine gleiche Behandlung und Rahmenbedingungen zu gewährleisten und sowohl Investitionen als auch die Reinvestition im Inland zu fördern. Zu diesem Zweck werden Änderungen am Katalog der geförderten Industrien für ausländische Investitionen vorgenommen, um ausländisches Kapital in wertschöpfende Sektoren wie fortschrittliche Fertigung, moderne Dienstleistungen und unterentwickelte Regionen zu lenken. Die Maßnahmen sollen transparent und prozessoptimiert ablaufen, damit auch weitere Gelder fließen.
Beim Thema ausländischer Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, kurz: M&A) skizziert der Aktionsplan konkrete Schritte zur Vereinfachung der gesetzlichen Vorschriften. Geplant ist, M&A-Prozesse zu straffen, Hürden für grenzüberschreitende Aktien-Austauschprogramme zu senken und die regulatorische Aufsicht zu verbessern.
Um die finanzielle Flexibilität ausländischer Unternehmen zu erhöhen, sollen Beschränkungen für inländische Kredite aufgehoben werden. Dadurch können diese Unternehmen lokale Mittel für Beteiligungsinvestitionen und regionale Expansionen nutzen. Darüber hinaus sollen multinationale Unternehmen durch Anreize zur Gründung regionaler Hauptsitze ermutigt werden. Hierzu gehören regulatorische Anpassungen, die sowohl die Verwaltung von Devisen als auch die Mobilität von Personal erleichtern. So will der Staat China neu ansässigen Firmen den Markteintritt durch vereinfachte Verfahren und niedrige Hürden zusätzlich erleichtern.
Dies steht im Einklang mit Chinas übergeordnetem Ziel, nachhaltige Entwicklung zu fördern und internationale Expertise in Schlüsselindustrien ins eigene Land zu holen. Einen ähnlichen Plan verfolgt US-Präsident Donald Trump mit Zöllen gegen Länder wie Kanada, Mexiko und auch China. Diese Strafzölle sollen viele Unternehmen, die im Ausland agieren, wieder ins Inland zurückholen oder dazu bewegen, in Amerika zu produzieren, um verteuerte Exporte zu umgehen. Somit ist der chinesische Aktionsplan für das Reich der Mitte wichtig, um im Wettstreit mit dem Rest der Welt zu bleiben und mithalten zu können.
China geht in dem Punkt Vertrauensbildung nochmal einen Schritt weiter: Zur Stärkung des Investorenvertrauens sollen Initiativen zur Verbesserung der Transparenz und Kommunikation über die Wirtschaftspolitik ergriffen werden. Dazu zählen regelmäßige Pressekonferenzen, Expertenbriefings und rege Medienkontakte. Diese Maßnahmen unterstreichen Chinas Offenheit sowie das Engagement für ein stabiles, transparentes und wettbewerbsfähiges Investitionsumfeld.
Vertiefung der ausländischen Beteiligung an den Kapitalmärkten
Neben den bereits genannten Aspekten verfolgt China ein weiteres Theme: die chinesischen Aktienmärkte. Durch die Förderung ausländischer Investoren, sich stärker in Aktieninvestitionen in China zu engagieren, wird erwartet, dass verstärkt institutionelles Kapital in den chinesischen Aktienmarkt fließt. In Anbetracht von Chinas Bestrebungen, neue Produktivkräfte zu entwickeln und technologische Innovationen zu fördern, gewinnen Eigenkapitalinvestitionen zunehmend an Bedeutung. Ausländische Investoren bringen dabei nicht nur signifikante Kapitalströme, sondern auch wertorientierte Anlagestrategien, globale Marktkenntnisse und professionelle Managementfähigkeiten mit.
Diese Faktoren helfen dabei, vielversprechende Sektoren und Unternehmen zu identifizieren, das Unternehmenswachstum über verschiedene Wirtschaftszyklen hinweg zu unterstützen und die weltweite Präsenz Chinas aufstrebender Industrien zu stärken. Im Rahmen dieser umfassenden Initiative passen verschiedene Regionen ihre Investitionsstrategien an: Beispielsweise hat Shanghai seine neue Devisenpolitik im Rahmen des Qualified Foreign Limited Partner (QFLP)-Programms auf die gesamte Stadt ausgeweitet, was ausländische Investitionen weiter begünstigt. Das QFLP-Pilotprogramm wurde 2010 in Shanghai eingeführt, um ausländischen Investoren den Zugang zu Chinas privatem Eigenkapital- und Risikokapitalmarkt zu erleichtern.
Chinas Bemühungen, ausländische Investitionen in Schlüsselsektoren zu fördern, zeigen das Ziel der Regierung, die industrielle Modernisierung voranzutreiben und den wirtschaftlichen Wandel zu beschleunigen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Gewinnung von Investitionen in den Agrarsektor, insbesondere in Viehzucht, Futtermittelproduktion, Veterinärmedizin und Zuchtgeräte, wo ausländische Unternehmen mit Expertise in Präzisionslandwirtschaft und nachhaltiger Produktion Chancen finden. Zudem profitiert China von Investitionen in High-Tech-Branchen wie fortschrittlicher Fertigung, Automatisierung, Halbleitern, künstlicher Intelligenz und erneuerbaren Energien, um seine technologische Autarkie zu stärken und seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Aussichten und Trends für 2025
Im Jahr 2024 verzeichnete China einen Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investments) um 27.1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was auf wirtschaftspolitische Unsicherheit, geopolitische Spannungen und Sorgen über Chinas zukünftiges Wachstum hindeutet. Trotz dieses historisch starken Rückgangs (seit den Aufzeichnungen 2008) stieg die Zahl der neu registrierten ausländischen Investitionsunternehmen um 14.2 Prozent. Dieses Gründerverhalten zeigt, dass weiterhin großes Interesse an Chinas immensem Potenzial im Markt besteht.
China erweitert zudem seinen globalen wirtschaftlichen Einfluss durch Initiativen wie die Belt and Road (BRI), die seit 2013 Infrastrukturinvestitionen in fast 150 Ländern im Wert von $679 Milliarden ermöglicht hat. Der nun eingeführte Aktionsplan zielt darauf ab, diesen Rückgang umzukehren und Chinas Wettbewerbsvorteil in aufstrebenden Sektoren zu stärken und langfristiges Kapital anzuziehen.
Insgesamt verdeutlichen diese Maßnahmen Chinas proaktives Vorgehen, um seine Attraktivität für ausländische Investoren zu steigern. Durch den Abbau langjähriger Investitionshemmnisse und die Erhöhung der politischen Klarheit positioniert sich China als zugänglicherer und wettbewerbsfähigerer Markt. Die Umsetzung dieser Maßnahmen dürfte zu einem berechenbareren und effizienteren Investitionsumfeld führen, das multinationale Unternehmen und ausländische Fonds zu einer stärkeren Integration in die chinesische Wirtschaft anregt.
Wie die Entwicklungen in China nun voranschreiten, dürfte sich in naher Zukunft in den unterschiedlichen Sektoren und an den darin operierenden Firmen zeigen. Wir verfolgen in unserem China Titans Paket 20 unterschiedliche chinesische Werte, die unter anderem direkt in China operieren.




