Dieser Artikel ist eine Frust-Reaktion. Aus ihm spricht Wut, Enttäuschung und Desillusion. Ein Teil dieses Frusts kommt von der grottigen Performance des gesamten Altcoin-Sektors. Kleine Kryptos locken ihre Anleger nun schon seit Jahren immer wieder mit kurzen Rallyes, nur um dann auf neue Tiefs zu fallen.
Auch der Autor dieses Texts ist nicht immun gegen die emotionale Achterbahnfahrt, in die jeder Altcoin-Investor gezwungen wird. Auch er hat in der Vergangenheit Fehler gemacht und sitzt auf Verlusten. Aber das ist in Ordnung. Das ist normal. So läuft es in jedem Bullrun. Viel frustrierender ist, dass die meisten Krypto-Fans immer und immer wieder in dieselbe psychologische Falle tappen.
Wenn man versucht, den Menschen im eigenen Umfeld oder den Lesern unserer Artikel finanzielle Bildung nahezubringen, gerät man immer wieder an Punkte der Enttäuschung. Wie oft man es auch erklärt und in die Welt hinausschreit – immer wieder vergessen vor allem neue Investoren die wichtigste Lektion an der Börse: Lass dich beim Investieren nicht von deinen Emotionen leiten!
Je volatiler ein Markt ist, desto zentraler ist dieser Grundsatz. Im hochriskanten Kryptomarkt ist er am allerwichtigsten. Daraus lässt sich die zweite wichtige Regel ableiten, um die es in diesem Text geht: Erwarte nicht, dass der Markt fair zu dir ist. Aber das scheint kaum jemand zu verstehen. Und genau deshalb ist dieser Text eine Frust-Reaktion.
Die hässliche Wahrheit über Bitcoin und Altcoins
Egal, wie gut man recherchiert und egal, wie gut die Analyse ist – der Markt macht nie, was man will. Jedenfalls nicht dauerhaft. Egal, wie lang man es aushält, mit einer Position im Minus zu verharren und egal, wie tapfer man immer wieder nachkauft – am Ende ist die Rückkehr der meisten Altcoins auf ihre ehemaligen Allzeithochs unwahrscheinlich. Bei vielen sogar sehr unwahrscheinlich.
Und es kommt noch eine Enttäuschung für all jene, die vom schnellen Reichtum im Kryptomarkt träumen. Wer glaubt, eine Altcoin-Season verdient zu haben, weil er täglich mehrere Stunden in die verzweifelte Pflege seines tiefroten Portfolios steckt, liegt vollkommen falsch.
Vor der letzten Rallye verließen Kleinanleger 2017 und 2021 den Markt, um in der Euphorie zurückzukehren und zu verlieren. Quelle: CryptoQuant.
Die Börse ist brutal. Häufig entscheidet die schiere Kapitalkraft, wer gewinnt. Große Anleger mit viel Geld treiben private Käufer vor sich her. Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Wer investiert und ein faires Spielfeld erwartet, hat schlechte Karten. Heißt das, dass Investieren schlecht ist? Absolut nicht. Man muss nur realistisch an die Sache herangehen und sich dessen bewusst sein, dass man als Kleinanleger mit verhältnismäßig weniger Kapital schon mal aus einer schlechteren Position startet. Man muss verstehen, dass man wortwörtlich am kürzeren (Kapital-) Hebel sitzt und umso vorsichtiger mit dem eigenen Geld umgehen muss. Da hat Gefühlsduselei keinen Platz.
Aktuell ist keine Euphorie zu spüren. Der Retail fühlt sich wie ein Verlierer. Gefährlich wird es, wenn unser gekränktes Ego nach Gerechtigkeit verlangt.
Wenn die Börse brutal ist, dann ist der Kryptomarkt grausam. Zynisch trifft es vielleicht noch besser. Hier können die dicken Fische ihre Macht noch hemmungsloser ausspielen, weil kaum Regulation vorhanden ist. Manipulation liegt an der Tagesordnung, das gesamte System scheint darauf ausgelegt, Kleinanleger um ihr Erspartes zu bringen. Das ist kein Zufall. Denn trotz ihrer Macht können und wollen die großen Wale im Kryptomarkt ihr unfaires Spiel nicht allein spielen. Sie brauchen frisches Kapital von außen – und das bringen private Anleger, die in Euphorie-Phasen massenhaft in den Markt strömen.
Im Kryptomarkt kannst du nicht gewinnen
Dass diese kleinen Fische mit mieser Preisperformance dann wieder aus dem Markt geekelt werden, geschieht mit Absicht. Der Retail geht, sein Geld bleibt – in den Taschen der Großen. Wenn man im Kryptomarkt investiert, muss man dieses Spiel verstehen. Man muss die Regeln kennen, um zu bestehen. Oft ist das undankbar, weil man die meisten Züge der großen Gegner nicht vorhersehen kann und einfach aushalten muss. Das ist, als würde man Schach gegen einen Gegner spielen, der alle drei Züge eine neue Figur aufs Brett zaubert, gegen die man sich jetzt auch noch verteidigen muss.
Schlecht sieht es für Altcoins aktuell nicht aus. Höchste Zeit, sich emotional auf das einzustellen, was kommen könnte. Nur wenige werden am Ende nicht verlieren!
Natürlich ist das unfair. Aber am Ende sollte es nicht das Ziel sein, zu gewinnen. Das ist nicht möglich – und auch gar nicht nötig. Es reicht, sich lange genug gegen die Kapriolen des Marktes zu verteidigen, um am Ende die größte Rallye mitzunehmen. Zumindest, wenn man auf die richtigen Assets setzt. Denn irgendwann müssen die dicken Fische wieder für massenhafte Euphorie sorgen, um ihr Spiel weiterzuspielen. Wer das versteht und sein Portfolio entsprechend aufbaut, kann erfolgreich sein, ohne den übermächtigen Gegner zu besiegen. Denn das ist schier unmöglich.
Wer emotional gewappnet sein will für die perfiden Spielchen des Kryptomarkts, muss realistisch sein. Nicht jeder Altcoin wird große Gewinne abwerfen. Altcoin-Investments sind vergleichbar mit den Wetten großer Venture-Capital-Fonds (Wagniskapitalgeber) auf kleine Technologie-Startups, nur eben auf der Blockchain. Marc Andreessen vom bekannten VC-Fonds Andreessen Horowitz (a16z) sagte einmal, dass bei richtig guten institutionellen VC-Investoren vielleicht zwei von zehn dieser Wetten aufgehen. Studien über Venture-Capital-Investments verorten die Erfolgsquote zwischen 15 und 30 Prozent. Wieso also sollte man glauben, als Kleinanleger mit Krypto-Startups (Altcoins) erfolgreicher zu sein?
Du hast die Altcoin-Season nicht verdient!
So bitter diese Erkenntnis auch sein mag: Die Wahrscheinlichkeit, einen Krypto-Bullenmarkt erfolgreich (also im Profit) abzuschließen, ist für Kleinanleger äußerst gering. Das liegt natürlich daran, dass die meisten erst in Top-Bereichen einsteigen und unerfahren sind. Viele verlieren aber auch, obwohl sie vorher jahrelang durch die Stürme eines Bärenmarktes geschritten sind. Die gefährliche Anlegerkrankheit der Gier lässt uns Kursziele und geplante Ausstiegspunkte immer weiter nach oben verschieben, wenn es läuft. Unser gekränktes Ego wünscht sich, jetzt mindestens so lange belohnt zu werden, wie es vorher geschunden wurde. Das ist brandgefährlich.
Unser Gerechtigkeitssinn sagt uns: Wenn ich lange und hart für etwas gearbeitet habe, dann ist es nur recht und billig, dass ich es am Ende auch bekomme. So einfach ist das aber nicht. Denn eine Altcoin-Season ist nicht selbstverständlich, nur weil man sich monate- oder vielleicht sogar jahrelang danach gesehnt und darauf vorbereitet hat. Nur, weil man die Schmerzen eines Bärenmarktes ertragen hat, bedeutet das nicht, dass man verdient hat, am Ende große Gewinne zu machen.
Im Kryptomarkt muss man es aushalten, lange wie ein Verlierer auszusehen, um am Ende eine Chance auf den Hauptgewinn zu haben. Nur, weil man lange wie ein Verliere aussieht, heißt das aber nicht, dass man letztlich auch gewinnt. Viele Verlierer bleiben Verlierer. Das ist der feine Unterschied. Am bittersten ist, sich in eine mögliche Altcoin-Season hinüberzuretten, dann aber mit dem gesamten Portfolio in den nächsten Bärenmarkt zu schlittern.
Stages of a Bubble von Jean-Paul Rodrigue: Die große Rallye ist viel kürzer als der Bärenmarkt. Wer genauso lang gewinnen will, wie er vorher gelitten hat, wird verlieren.
Das Problem: Eine Altcoin-Season ist viel kürzer als der Bärenmarkt davor. Wer denkt, er hätte nach den Härten des Bärenmarktes jetzt verdient, dauerhaft zu gewinnen, wird das Gegenteil erreichen. Die Diagnose ist klar: Niemand hat eine Altcoin-Season verdient, denn der Markt ist nicht fair. Natürlich steigern gute Analyse, sorgfältige Recherche und tiefes Verständnis der eigenen Investments die Wahrscheinlichkeit für Erfolg. Sicherheit gibt es aber nicht. Und ein moralisches Recht auf große Krypto-Gewinne schon gar nicht. Wer das nicht versteht, wird verlieren.
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Altcoin-Season im FAQ:
Wann kommt die Altcoin-Season?
Eine Altcoin-Season kommt, wenn viele Investoren ihr Kapital von verhältnismäßig sicheren Anlagen wie Bitcoin und Ethereum in riskantere Assets wie Altcoins umschichten. Dieser Kapitalfluss führt dazu, dass die Bitcoin-Dominanz deutlich und über mehrere Wochen oder sogar Monate fällt. In den bisherigen Kryptozyklen dominierte Bitcoin weite Teile des Bullenmarktes, bevor Altcoins umso stärker nachzogen und BTC in der Altcoin-Season für ein paar Wochen bis Monate deutlich überflügelten.
Was ist die Altcoin-Season?
Von einer Altcoin-Season spricht man, wenn kleinere Kryptowährungen über mehrere Wochen bis Monate besser performen als Bitcoin. Verbunden ist dieses Phänomen mit einem Wechsel in der Mentalität der meisten Marktteilnehmer. Von vorsichtigem Optimismus schlägt die emotionale Lage am Markt dann in Euphorie und Gier um. Eine Altcoin-Season ist in der Regel von starken Anstiegen kleiner Kryptowährungen und heftigen Korrekturen gekennzeichnet. Besonders für unerfahrene Anleger kann das überfordernd sein und zu hohen Verlusten führen.
Welche Altcoins werden 2025 explodieren?
Ethereum (ETH), Ripples XRP und Solana (SOL) sowie Hedera Hashgraph (HBAR) haben in diesem Zyklus bereits Stärke bewiesen, weitere ältere Altcoin-Projekte wie Cardano (ADA), Avalanche (AVAX) und Chainlink (LINK) befinden sich im Aufwind. Interessant sind in diesem Zyklus vor allem KI-Coins wie Fetch.ai (FET) und DePIN-Projekte wie Render (RENDER). Aber auch Nachzügler wie Litecoin (LTC), VeChain (VET) oder auch Polkadot (DOT) könnten ihre Momente noch bekommen. Diese und weitere spannende Kryptowährungen sind in unserem Altcoin-Analysepaket zu finden.
Welcher Altcoin hat das größte Potenzial?
Langfristig großes Potenzial hat der Altcoin-Marktführer Ethereum (ETH) nebst etablierten Layer-1-Blockchains wie Solana (SOL) und Newcomern wie Sui (SUI). Zahlreiche Kooperationen außerhalb der Krypto-Branche und eine große Community stützen Ripples XRP, Chainlink ist als wichtiger Daten-Provider für Blockchain-Projekte fast unersetzlich. Kleinere Projekte wie Fetch.ai (FET) oder Render (RENDER) können in einer Altcoin-Season deutlich steigen, sind vor allem langfristig aber riskantere Investments.
Wird es 2025 eine Altcoin-Saison geben?
Ob es 2025 eine Altcoin-Season gibt, ist vor allem von makroökonomischen Faktoren wie der globalen Liquidität sowie von der Stimmung im Kryptomarkt abhängig. Sobald Investoren in großem Stil von verhältnismäßig sicheren Assets wie Bitcoin oder Ethereum in volatilere Anlagen wie Altcoins wechseln, kann man von einer Altcoin-Season sprechen. Wann diese genau stattfindet, ist terminlich nicht letztgültig vorherzusagen. Viele Analysten erwarten eine Altcoin-Season in 2025 oder 2026.
Welcher Monat ist der beste für Kryptowährungen?
Historische Daten zeigen: Für Bitcoin ist das vierte Quartal am besten. Im Monat Oktober verzeichnete Bitcoin im Schnitt der letzten zwölf Jahre durchschnittliche Zuwächse von rund 22 Prozent, im November sogar gut 46 Prozent. Ethereum performt für gewöhnlich im Frühjahr. Am besten liefen im Schnitt der letzten zehn Jahre die Monate Januar (rund 21 Prozent Plus im Schnitt) und Mai (gut 31 Prozent).


Die Frustration ist vor der großen Rallye meist am größten. Aber Achtung: Niemand hat eine Altcoin-Season verdient. Und im Kryptomarkt kann man als Retailer nicht gewinnen.
Erst in der letzten Zyklusphase werden Altcoins für gewöhnlich stark. Bis dahin muss man es aushalten, wie ein Verlierer auszusehen. Verdient hat man die Altcoin-Season deshalb aber noch nicht.

