HKCM-Wochenrückblick: Peking zensiert, Tesla atmet auf, Tether lanciert neuen Stablecoin
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HKCM-Wochenrückblick: Peking zensiert, Tesla atmet auf, Tether lanciert neuen Stablecoin

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Patrick May

Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.

 

Montag – Peking lässt Aktien-Daten verschwinden

Am Montag zog die chinesische Regierung den Stecker: Die täglichen Daten zu ausländischen Investitionen in chinesische Aktien werden ab sofort nicht mehr veröffentlicht. Stattdessen gibt es die Infos nur noch vierteljährlich – offensichtlich in der Hoffnung, dass weniger Transparenz die dramatischen Kapitalabflüsse kaschiert. Seit Juni haben internationale Investoren nämlich satte $12 Milliarden aus dem chinesischen Aktienmarkt. Der CSI 300 Index, der die größten Unternehmen an den Börsen in Shenzhen und Shanghai abbildet, ist seit Jahresbeginn um ein Prozent gefallen, während die globalen Märkte kräftig zulegen. Doch statt sich den Problemen zu stellen, drückt Peking die Daten einfach weg. Dass solche Aktionen die ohnehin schon skeptischen Investoren nicht gerade anlocken, scheint den Behörden egal zu sein. Diese intransparente Strategie passt ins Bild: Bereits im Mai kappte Peking die Live-Daten zu den Handelsaktivitäten ausländischer Investoren. Und auch andere unangenehme Statistiken, wie die rekordhohe Jugendarbeitslosigkeit, verschwinden einfach aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Dienstag – EU senkt Zoll für Tesla

Am Dienstag durfte Tesla einen Sieg für sich verbuchen: Die EU-Kommission hat den Zusatzzoll für Teslas Elektroauto-Importe aus China deutlich gesenkt. Anstatt der ursprünglich vorgesehenen 20.8 Prozent müssen jetzt nur noch neun Prozent gezahlt werden. Damit hat Tesla einen lukrativen Vorteil gegenüber anderen Herstellern, die ihre E-Autos ebenfalls in China produzieren und in die EU importieren. Die Konkurrenz – darunter Schwergewichte wie BYD, Geely und SAIC – muss sich weiterhin mit höheren Zollsätzen abfinden, die jedoch auch leicht gesenkt wurden. Während die EU-Kommission weiterhin davon überzeugt ist, dass die chinesische E-Autoproduktion massiv subventioniert wird und eine Bedrohung für europäische Hersteller darstellt, konnte Tesla zumindest einen Teil der Sanktionen abwenden. Für die europäischen Autobauer, die in hohem Maße von China abhängig sind, bleiben jedoch Fragen offenAuch deutsche Hersteller wie BMW und Volkswagen-Tochter Cupra sind von den höheren Importzöllen betroffen und fürchten nun Vergeltungsmaßnahmen durch Peking. Es bleibt abzuwarten, ob die nun abgesenkten Zollsätze einen Dominoeffekt auslösen und weitere Hersteller Erleichterungen beantragen werden. Insider berichten, dass die endgültige Entscheidung über die Zölle noch nicht gefallen ist. Die EU-Mitgliedstaaten müssen dem Vorschlag der Kommission noch zustimmen – doch dass eine qualifizierte Mehrheit dagegen stimmt, gilt als unwahrscheinlich.

Mittwoch – Tether lanciert neuen Stablecoin


Am Mittwoch gab Tether bekannt, dass es einen neuen Stablecoin auf den Markt bringen wird, der an den Dirham der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gekoppelt ist. Damit reagiert das Unternehmen auf die steigende Nachfrage nach der Golfwährung und bietet gleichzeitig eine Alternative zum allgegenwärtigen US-Dollar. Stablecoins wie der von Tether sind digitale Token, deren Wert durch traditionelle Währungen wie den Dollar oder den Euro abgesichert ist. Sie haben sich rasch als Zahlungsmittel und Handelsoption außerhalb des regulierten Bankensystems etabliert. Tether selbst dominiert den Markt mit seinem US-Dollar-gebundenen Token (USDT), der etwa $117 Milliarden Dollar im Umlauf hat – das ist der Löwenanteil des weltweit rund 169 Milliarden Dollar schweren Stablecoin-Markts. „Unser Ziel ist es, eine Alternative zum US-Dollar zu schaffen“, erklärte Tether-CEO Paolo Ardoino bei einer Veranstaltung in Dubai. Er ist überzeugt, dass der Dirham als bevorzugte Währung im globalen Handel aufsteigen könnte, insbesondere in Zeiten sich verändernder Handelsströme.

Donnerstag – Zentralbanker plaudern in Jackson Hole

Diese Woche treffen sich Zentralbanker aus aller Welt im malerischen Jackson Hole, Wyoming, zum jährlichen Symposium der Kansas City Federal Reserve. Anleger und Märkte schauen gespannt auf die Veranstaltung, insbesondere auf die Rede des Vorsitzenden der nordamerikanischen Notenbank, Jerome Powell, am Freitag. Die große Frage: Wird es Signale für eine mögliche Zinssenkung im September geben oder bleibt die Notenbank vorsichtig und verweist auf noch ausstehende Wirtschaftsdaten? Vergangene Jahre haben gezeigt, dass die Märkte auf diese Rede kurzfristig reagieren können – manchmal sogar recht heftig, wie 2022, als der S&P um 3.4 Prozent einbrach. Das Symposium, ursprünglich auf die Landwirtschaft fokussiert, hat sich seit 1982 zu einem globalen Wirtschaftsgipfel entwickelt und bleibt ein entscheidender Moment für die Geldpolitik.

Freitag – Deutsche Bank gewinnt Milliarden-Prozess

Die Deutsche Bank hat diese Woche wieder einmal bewiesen, dass es nicht immer die komplizierten Finanzmodelle sind, die den Aktienkurs in Bewegung setzen – manchmal genügt ein alter Rechtsstreit. Im April platzte die Bombe: Ein Gericht in Köln gab den Klägern, die argumentierten, die Deutsche Bank habe bei der Übernahme der Postbank im Jahr 2010 ein zu niedriges Angebot gemacht, teilweise recht, woraufhin die Bank gezwungen war, 1.3 Milliarden Euro für mögliche Schadensersatzzahlungen zurückzustellen. Doch am Mittwoch die Wende: Die Bank einigte sich mit den Klägern, die 60 Prozent der Forderungen repräsentierten, auf eine Summe, die deutlich unter den befürchteten Kosten lag. Die Folge? Ein kleiner Freudensprung von drei Prozent im Aktienkurs und ein einmaliger Gewinn von 430€ Millionen in der nächsten Bilanz. Für die Anleger bleibt jedoch ein bitterer Beigeschmack: Trotz aller Analysen und Berichte war das Ergebnis dieses langwierigen Rechtsstreits kaum vorhersehbar. Die Bank hatte das Thema zwar in ihren Berichten erwähnt, doch in einem Dschungel aus Tausenden von Worten, die andere rechtliche Baustellen wie den Epstein-Skandal oder die Libor-Manipulation abdeckten.

Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!

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Patrick May

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