Montag: Ecosia will Google Chrome führen
Die deutsche Non-Profit-Suchmaschine Ecosia hat vorgeschlagen, für zehn Jahre die Verantwortung für den Webbrowser Google Chrome zu übernehmen. Laut dem Plan soll Google Chrome rechtlich in eine Stiftung ausgelagert werden, während Google Eigentum und Markenrechte behält. Ecosia würde die operative Leitung übernehmen und einen Teil der Gewinne in Klimaschutzprojekte investieren, der Rest ginge als Ausgleich zurück an Google. Google selbst hat sich bislang nicht zu dem Vorschlag geäußert.
Der ungewöhnliche Vorstoß kommt zu einem spannenden Zeitpunkt: Erst vor wenigen Wochen hatte das KI-Startup Perplexity ein überraschendes Angebot von 34.5 Milliarden US-Dollar für Chrome vorgelegt, ein Hinweis darauf, wie begehrt der Zugang zu den Milliarden Nutzern des Browsers im Wettlauf um KI-Suchtechnologien ist. Ecosias Ansatz unterscheidet sich deutlich, da er Nachhaltigkeit mit technologischem Einfluss verbinden will und damit einen Kontrast zum rein kommerziellen Interesse anderer Bewerber setzt.
Dienstag: Robotaxis im Milliardenrennen: Nuro sichert sich frisches Kapital
Das US-Startup Nuro hat eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei 203 Millionen Dollar eingesammelt. Mit an Bord sind unter anderem Uber und Nvidia als neue Investoren, ergänzt durch bekannte Geldgeber wie T. Rowe Price und Fidelity. Damit wird das Unternehmen, das auf selbstfahrende Fahrzeuge spezialisiert ist, nun mit rund 6 Milliarden Dollar bewertet, weniger als die 8.6 Milliarden Dollar im Jahr 2021. Nuro plant, seine Technologie in Robotaxis, kommerziellen Flotten und sogar privaten Fahrzeugen einzusetzen.
Die gesunkene Bewertung zeigt, dass Investoren seit dem Boomjahr 2021 vorsichtiger geworden sind. Nuro selbst sieht das Ergebnis dennoch als Erfolg in einem schwierigen Marktumfeld. Das 2016 gegründete Unternehmen arbeitet eng mit Partnern wie Uber und dem E-Auto-Hersteller Lucid zusammen. Ab 2026 sollen über 20 000 Lucid-SUVs mit Nuro-Technik für einen weltweiten Robotaxi-Dienst von Uber eingesetzt werden.
Mittwoch: Musk einigt sich in Millionenklage um Twitter-Entlassungen
Tesla-CEO Elon Musk und seine Firma X Corp haben sich mit ehemaligen Twitter-Mitarbeitern auf eine Einigung in einem Rechtsstreit über ausstehende Abfindungen geeinigt. Die Klage, die Zahlungen in Höhe von 500 Millionen Dollar forderte, war von entlassenen Angestellten eingereicht worden. Beide Seiten baten ein Berufungsgericht in den USA, die für September angesetzte Anhörung zu verschieben, um den Deal abzuschließen. Über die genaue Summe der Abfindungen machten die Anwälte bislang keine Angaben.
Hintergrund ist Musks Übernahme von Twitter im Jahr 2022, nach der rund 6000 Mitarbeiter ihren Job verloren. Viele Betroffene beriefen sich auf einen Abfindungsplan von 2019, der ihnen mehrere Monatsgehälter zusicherte, tatsächlich erhielten viele jedoch nur einen Bruchteil oder gar nichts. Die jetzt erzielte Einigung könnte einen langwierigen Prozess beenden, während noch weitere ähnliche Klagen gegen X Corp in Kalifornien und Delaware laufen.
Donnerstag: Dollar steigt vor Powells Rede in Jackson Hole
Der US-Dollar hat am Donnerstag zugelegt, kurz bevor Fed-Chef Jerome Powell am Freitag beim Notenbanktreffen in Jackson Hole spricht. Anleger erhoffen sich Hinweise, ob die US-Notenbank im September die Zinsen senkt. Nach einem schwachen Arbeitsmarktbericht für Juli rechneten viele mit einer Lockerung, doch neue Zölle der Trump-Regierung und Sorgen um die Inflation bremsen die Erwartungen. Laut Daten liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September bei rund 74 Prozent.
Hintergrund: Jackson Hole ist das wichtigste jährliche Treffen führender Notenbanker. Das diesjährige Thema Arbeitsmärkte im Wandel passt zu den aktuellen Daten: mehr Arbeitslosenanträge, aber zugleich überraschend starke Industrieaufträge. Powell dürfte laut Goldman Sachs weder eine klare Zinssenkung ankündigen noch ausschließen, sondern die Risiken abwägen. Unterschiedliche Stimmen aus der Fed zeigen, wie unsicher die Lage ist: Einige plädieren für Geduld wegen hoher Inflation, andere sehen Spielraum für eine Zinssenkung noch in diesem Jahr.
Freitag: KI frisst Strom: Google legt Verbrauchszahlen offen
Google hat erstmals den Energiebedarf seiner KI-Anfragen veröffentlicht. Eine Textabfrage bei der hauseigenen Gemini-Software benötigt im Schnitt 0.24 Wattstunden Strom, das entspricht etwa neun Sekunden Fernsehkonsum. Zusätzlich fallen rund fünf Tropfen Wasser an, da Rechenzentren zur Kühlung Wasser einsetzen. Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, reagiert damit auf Diskussionen über den wachsenden Energiehunger von Künstlicher Intelligenz.
Hintergrund ist die Sorge, dass die massenhafte Nutzung von KI den globalen Stromverbrauch deutlich steigen lässt. Zwar arbeiten Unternehmen an effizienteren Chips und Servern, doch die schiere Menge an Anfragen sorgt weiterhin für steigenden Bedarf. OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, schätzte den Verbrauch pro Anfrage zuletzt sogar auf 0.34 Wattstunden ein, was etwa einer Sekunde Backofenbetrieb entspricht. Nicht berücksichtigt sind in diesen Angaben allerdings die energieintensiven Trainingsphasen der Modelle.







