Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – Datenschutz? Bei X offenbar optional
In einer denkwürdigen Demonstration von besser um Vergebung als um Erlaubnis bitten hat die von Elon Musk geleitete Plattform X, ehemals Twitter, die Beiträge seiner Nutzer ungefragt für das Training seines KI-Chatbots Grok verwendet. Diese Praxis löste umgehend Beschwerden von der Datenschutzorganisation Noyb in acht EU-Ländern aus. Offenbar wurden die Nutzer nicht im Voraus informiert oder um Erlaubnis gebeten, ein Schritt, den andere Unternehmen als selbstverständlich ansehen. Max Schrems von Noyb brachte es auf den Punkt: „Es ist ein einfaches Ja oder Nein, das man fragen muss. Andere tun das ständig.“ Angesichts dieser Ignoranz hat Noyb nun Dringlichkeitsverfahren im Sinne des Datenschutzgesetzes eingeleitet, um schnellstmöglich Maßnahmen zu forcieren. Die Ironie, dass X gerade den umstrittenen Ansatz umsetzt, den Meta auf Druck hin aufgegeben hatte, dürfte Datenschützern ein sarkastisches Lächeln entlocken. Es scheint, als wäre in Musks Imperium die Europäische Datenschutz-Grundverordnung eher ein lästiges Beiwerk als ein zu befolgendes Gesetz.
Dienstag – Musk und Trump: Ein Schaukampf der Superlative
In einer Präsentation auf der Social-Media-Plattform X, geleitet von Elon Musk, machte Donald Trump eine Serie gewohnt kontroverser Aussagen. In der fast zweistündigen Live-Diskussion lobte er autoritäre Führer wie Wladimir Putin und Xi Jinping und behauptete, dass unter seiner Präsidentschaft weder der Krieg in der Ukraine noch die Inflation in den USA stattgefunden hätten. Musk nickte zu den umstrittenen Äußerungen oft kichernd und bot wenig Widerstand gegen Trumps Visionen einer erneuten Präsidentschaft, die massive Abschiebungen und eine Ausweitung der Ölförderung umfassen würde. Musk nutzte das Gespräch auch, um seine eigene Ansicht zum Klimawandel darzulegen, indem er betonte, dass die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen weiterhin bestehen werde – und es besser sei, wenn die USA diese liefern würden. Das Gespräch endete ohne konkrete Bestätigung eines vermuteten DDoS-Angriffs, der den verspäteten Start des Livestreams verursacht haben könnte.
Mittwoch – Mars verschlingt Pringles-Hersteller für $36 Milliarden
In einem rekordverdächtigen Deal hat der nordamerikanische Nahrungsmittelriese Mars den Chips- und Snack-Hersteller Kellanova für sagenhafte $36 Milliarden geschluckt. Dies markiert den teuersten Zukauf in der Geschichte von Mars, bekannt für seine Schokoriegel wie Mars und Snickers. Die Akquisition wurde am Mittwoch offiziell bekanntgegeben, nachdem bereits Spekulationen kursierten. Der Kaufpreis von $83.50 je Kellanova-Aktie inkludiert Schulden und bringt zwei Giganten der Nahrungsmittelindustrie zusammen. Kellanova, mit Produkten wie Pringles, Cheez-It und Pop-Tarts, war zuletzt besonders erfolgreich, insbesondere nach der Abspaltung seines Cerealien-Geschäfts WK Kellog. Für Mars bedeutet diese Übernahme eine strategische Diversifizierung weg von der starken Abhängigkeit von Schokoladenprodukten, was angesichts der derzeit hohen Kakao-Preise besonders vorteilhaft erscheint. Analysten erwarten keine wesentlichen regulatorischen Hürden, da die Produktlinien der beiden Unternehmen nur geringfügig überlappen. Diese Expansion eröffnet Mars neue Märkte und reduziert seine Verwundbarkeit in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.
Donnerstag – Wall Street jubelt über starke Wirtschaftsdaten
An der Wall Street und an der Frankfurter Börse wurden die Anleger am Donnerstag durch positive Wirtschaftsdaten aus den USA in Kauflaune versetzt. Die Nachricht von einem unerwartet starken Anstieg der Einzelhandelsumsätze im Juli um ein Prozent – dreimal so stark wie erwartet – hat sowohl den Dow Jones als auch den DAX beflügelt. Dies könnte darauf hindeuten, dass die US-Wirtschaft robust bleibt und zunächst keine Rezession droht. Stichwort Rezession: Wenn die Rezession kommt: Sind Gold, Silber oder Bitcoin sicher? Mit diesem Thema haben uns jüngst in diesem Beitrag auseinandergesetzt. Die Fed versucht sich weiterhin an einer weichen Landung der Wirtschaft, eine Zinssenkung im September scheint zunehmend wahrscheinlich. Diese Erwartung gab den Aktienmärkten weiteren Auftrieb, während Rentenmärkte und der Euro unter Druck gerieten. Der Dow Jones konnte zudem die psychologisch wichtige Marke von 40 000 Punkten erstmalig knacken. Der Composite-Index der Tech-Börse Nasdaq erzielte sogar einen Zuwachs von über zwei Prozent, angeführt von signifikanten Steigerungen bei großen Technologieunternehmen. Walmart, der Gigant im Einzelhandelssektor und Veteran unseres US-Titans Pakets, zeigte sich von seiner besten Seite und legte nach starken Quartalszahlen um knappe sechs Prozent zu. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 4.8 Prozent auf $169.3 Milliarden und das Unternehmen hob seine Jahresprognose an. In Deutschland sorgte die freudige Nachricht ebenfalls für Optimismus, der DAX stieg nach Bekanntgabe der US-Daten sprunghaft auf über 18 000 Punkte.
Freitag – Orsted kämpft mit den Nachwehen vergangener Stürme
Die dänische Offshore-Windparkfirma Orsted hat erneut mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen, da sie neue, unerwartete Wertminderungen bei einem bedeutenden US-Projekt bekannt gab. Trotz solider Gewinnsteigerungen im zweiten Quartal, die die Erwartungen übertrafen, stürzten die Aktien des Unternehmens seit gestern um acht Prozent ab. CEO Mads Nipper sieht sich weiterhin mit den langfristigen Folgen von Inflation und Zinsanstiegen konfrontiert, die die finanziellen Belastungen von Orsted und seinen Lieferanten erhöhen. Diese neuesten Rückschläge betreffen das Revolution Wind -Projekt in den USA, das aufgrund von Verzögerungen bei der Errichtung eines Umspannwerks und unvorhergesehene Bodenkontaminationen um mindestens ein Jahr zurückgeworfen wurde. Die daraus resultierenden Wertminderungen belaufen sich auf 2.1 Milliarden Dänische Kronen (etwa $310 Millionen), was fast 70 Prozent der gesamten Wertminderungen im ersten Halbjahr darstellt.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!




