In den USA, der EU und in China stehen diese Woche wichtige Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten an, die wir im Folgenden genauer betrachten.
USA: Inflation und Arbeitslosenzahlen entscheiden über Zinsen
Am Dienstag, dem 14. Januar 2025, startet die Woche mit dem Erzeugerpreisindex (PPI). Dieser erfasst die Preisveränderungen auf Produzentenebene und gilt als Frühindikator für Inflationstrends und wirtschaftliche Aktivität. Ein steigender PPI deutet auf höhere Produktionskosten und Inflationsdruck hin, was Risikoassets durch mögliche Zinserhöhungen belastet und Anleihenrenditen steigen lässt.
Ein sinkender PPI signalisiert niedrigere Kosten, was Risikoassets unterstützt und Anleihenpreise durch lockere Geldpolitik ansteigen lässt. Im Vorjahr lag der PPI bei 3 Prozent, ein unveränderter Wert wird vom Bureau of Labor Statistics (BLS) prognostiziert.
Am Mittwoch, den 15. Januar 2025, folgt der Verbraucherpreisindex (CPI), der zentrale Inflationsindikator der USA. Dieser misst die Preisänderungen eines Waren- und Dienstleistungskorbs, der von Verbrauchern gekauft wird, und spiegelt somit die Inflation wider. Im Vorjahr lag der CPI bei 2.7 Prozent, eine leichte Steigerung auf 2.8 Prozent wird erwartet.
Ein Anstieg belastet Risikoassets wie Aktien durch steigende Wahrscheinlichkeit auf straffere Geldpolitik seitens der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), während ein sinkender CPI die Federal Reserve zu einer lockereren Zinspolitik bewegen könnte, was Risikoassets unterstützt.
Am Donnerstag, den 16. Januar 2025, erscheinen die Arbeitslosenzahlen der USA. Diese lagen zuletzt bei 201 000 und werden nun auf 210 000 prognostiziert. Die Zahlen zeigen, wie viele Menschen erstmals Arbeitslosengeld beantragen, und geben Hinweise auf die wirtschaftliche Lage. Steigende Zahlen belasten Aktien und fördern sichere Anlagen wie Anleihen und Gold, während sinkende Zahlen das Vertrauen in Risikoassets stärken können.
Ganz so einfach ist die Sache mit diesem Schwarz-Weiß-Schema aktuell aber nicht zu erklären. Schließlich betrachtet die Fed bei ihrem Zinsentscheidung auch den Arbeitsmarkt als zweiten zentralen Faktor neben der Inflation. Sind die Arbeitslosenzahlen niedrig, so zeigt der Arbeitsmarkt Stärke. Das wiederum kann die Fed dazu veranlassen, mit geldpolitischer Lockerung weiter abzuwarten und zunächst die zuletzt wieder leicht steigende Inflation durch hohe Zinsen zu bekämpfen. Der nächste Zinsentscheid der Fed steht am 29. Dezember an.
Eurozone: Teuerung stabil erwartet, Industrie soll wachsen
Am 15. Januar 2025 wird in Großbritannien der Verbraucherpreisindex (CPI) veröffentlicht. Hier wird ein stabiler Wert von 2.6 Prozent erwartet. Auch die Eurozone liefert wichtige Nachrichten: Die Industrieproduktion, ein Indikator für das Produktionsvolumen der Industrie (ohne Baugewerbe), soll laut Prognose um 0.3 Prozent zulegen.
Diese Entwicklung könnte zu einer positiven Marktstimmung führen, längerfristig Unternehmensgewinne stärken und Anlegervertrauen durch gute Aussichten für die industrielle Entwicklung steigern.
Am Donnerstag richtet sich der Blick auf Deutschland und den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Dieser misst die Inflation in Deutschland und der EU und hat potenziell große Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Moderate Inflation unterstützt die Aktienmärkte, während hohe Inflation die Marktstimmung belasten kann, da sie oft steigende Zinsen nach sich zieht. Der HVPI soll mit monatlich 0.4 Prozent und jährlich 2.8 Prozent unverändert bleiben.
China: Handelsbilanz wächst – BIP auch?
In China wurden bereits am Montagmorgen die Handelsbilanz sowie Import- und Exportdaten veröffentlicht. Beide Werte sind entscheidend für die Bewertung der Außenhandelsaktivitäten des Landes. Die Handelsbilanz stieg von rund 97 Milliarden auf knapp 105 Milliarden US-Dollar an. Die Exporte legten um 10.7 Prozent zu, während die Importe um 4.9 Prozent stiegen – doppelt so stark wie erwartet.
China verkauft also wieder deutlich mehr Waren ins Ausland, die Nachfrage nach externen Gütern wächst ebenfalls leicht. Das ist ein positives Zeichen für Chinas Wirtschaftsaktivität und könnte auf eine Erholung der zuletzt schwächelnden Industrieproduktion hinweisen.
Spannend wird es in China deshalb am Freitag, den 17. Januar 2025, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die Industrieproduktionszahlen veröffentlicht werden. China hat für 2025 ein Wirtschaftswachstumsziel von rund fünf Prozent formuliert, während die Zunahme der Industrieproduktion stabil bei 5.4 Prozent bleiben soll.
Internationale Prognosen liegen leicht darunter und sehen potenzielle Risiken durch Handelsspannungen mit den USA. Ein steigendes BIP oder eine wachsende Industrieproduktion können die Nachfrage nach chinesischen Aktien und Industrie-Rohstoffen steigern, während ein Rückgang viele Investoren in sichere Anlagen wie Staatsanleihen lenken könnte.
Deutliche Quartalsgewinne bei US-Banken erwartet
Die großen US-Banken bereiten sich auf die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse für das vierte Quartal 2024 vor. Diese Zahlen sollen nicht nur die finanzielle Lage der Institute offenlegen, sondern auch Rückschlüsse auf die Auswirkungen von Zinspolitik und Inflation ermöglichen. Die Quartalsgewinne von Banken sind ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Stabilität, das Vertrauen in das Finanzsystem und die Effektivität von Risikomanagement sowie Regulierung. Hohe Gewinne deuten auf Wachstum und Liquidität hin, fördern die Kreditvergabe und Investitionen, während sinkende Gewinne oder hohe Risikovorsorge potenzielle Herausforderungen signalisieren können.
JPMorgan Chase, Wells Fargo, die Citi Group und Goldman Sachs planen, ihre Ergebnisse am 15. Januar 2025 zu präsentieren. Die Bank of America und Morgan Stanley folgen einen Tag darauf am 16. Januar. Laut Analystenschätzungen sollen alle Institute im vierten Quartal Gewinne erzielen. Besonders bei der Bank of America mit einer Gewinnsteigerung pro Aktie von über 100 Prozent ($0.35 im Vorjahr, Schätzung: $0,77), Morgan Stanley ($0.85 im Vorjahr, Schätzung: $1.7) und der Citi Group (-$1.2 im Vorjahr, Schätzung: $1.2) werden starke Ergebnisse erwartet. Bei JPMorgan Chase soll der Gewinn pro Aktie um ca. 34 Prozent ($3.1 im Vorjahr, Schätzung: $4.1) steigen. Ähnliche Zahlen werden von Wells Fargo ($0.87 im Vorjahr, Schätzung: $1.35) und Goldman Sachs ($5.5 im Vorjahr, Schätzung: $8.2) erwartet.

Inflations- und Arbeitsmarktdaten, die diese Woche bekanntgegeben werden, entscheiden über die längerfristige geldpolitische Strategie der Federal Reserve.
Kommende Inflations- und Produktionsdaten aus Großbritannien, der Eurozone und Deutschland beeinflussen die Marktaussichten maßgeblich.
Steigende Exporte und Importe signalisieren wachsende Wirtschaftsaktivität und eine mögliche Erholung der Industrieproduktion.
Die NYSE-Flagge vor Wolkenkratzern – Quartalsberichte der US-Banken zeigen wirtschaftliche Trends und Zinseffekte.

