Palantir ist seit Jahren ein Versprechen, wie so viele aufstrebenden Unternehmen aus dem Silicon Valley: Irgendwann wird es was mit dem Profit, das Geschäftsmodell muss nur richtig zünden. Und genau das scheint beim ehemaligen Software-Startup, das sich nach hellsehenden Steinen (Palantiri) in Tolkiens Herr der Ringe benannt hat, nun zu geschehen. Um fast ein Fünftel wuchs der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr, das offenbarten die gestern Abend veröffentlichten Zahlen zum vierten Quartal. Was aber viel wichtiger ist: Zum ersten Mal seit der Gründung in den frühen 2000ern schreibt das Unternehmen einen bereinigten Gewinn. Palantir, aufgrund seiner frühen Verbindungen zu wichtigen nordamerikanischen Militär- und Sicherheitsbehörden häufig kritisch beäugt, prognostizierte für das kommende Jahr eine neuerliche Umsatzsteigerung – und beflügelte die Fantasie seiner Aktionäre zudem mit der geplanten Ausweitung hauseigener Programme, basierend auf Künstlicher Intelligenz (kurz: KI). Schon jetzt erfahren die autonomen Algorithmen rege Nachfrage, Palantir selbst spricht von 600 Testprojekten. Auf der Kundenliste stehen jedenfalls große Namen – und die wurde im vergangenen Jahr noch ausgeweitet.
Milliardenumsatz dank FBI, CIA und Pentagon
Um rund 70 Prozent und somit auf $131 Millionen stieg der kommerzielle Umsatz von Palantir in den Vereinigten Staaten im letzten Quartal, vergleichen mit dem Vorjahr – global waren es immerhin 32 Prozent. Weltweit spülte die Sparte über die letzten drei Monate $284 Millionen in Palantirs Kassen. Viel wichtiger sind allerdings die Einnahmen aus der Zusammenarbeit mit Regierungsbehörden, schließlich zählen die nordamerikanische Polizeizentrale (Federal Bureau of Investigation; kurz: FBI), der Auslandsgeheimdienst (Central Intelligence Agency; kurz: CIA) oder auch die nationale Sicherheitsbehörde (National Security Agency; kurz: NSA) zu den wichtigsten Kunden. Auch das nordamerikanische Verteidigungsministerium, umgangssprachlich aufgrund seiner fünfeckigen Form häufig Pentagon genannt, benutzt Software aus dem Hause Palantir. Entsprechend hoch fällt der Umsatz in diesem Bereich auch aus, mit $324 Millionen liegt er deutlich über den Einnahmen aus dem zivilen Geschäft. Das Wachstum fiel mit elf Prozent bei Regierungsanwendungen zwar etwas schmaler aus, insgesamt schlug das vergangene Quartal aber mit einem Umsatzplus von 20 Prozent auf nunmehr $608 Millionen zu Buche, was die Schätzungen einflussreicher Analysten übertraf.
Auf Jahresebene schrieb Palantir zum ersten Mal in seiner Geschichte einen bereinigten Gewinn. Im vergangenen Geschäftsjahr wuchs der Profit um kräftige 17 Prozent auf rund $2.23 Milliarden, wovon $1 Milliarde auf kommerzielle Kunden und rund $1.2 Milliarden auf Regierungsgeschäfte entfielen. Der bereinigte Jahresgewinn lag bei $210 Millionen, im vergangenen Quartal betrug der Nettoprofit $93.4 Millionen. Im Vorjahr hatte Palantir noch ein Minus von $374 Millionen erwirtschaftet, 2020 schrieb man gar Verluste in Höhe von rund $1.2 Milliarden. Zusammen mit dem letzten Quartal 2022 schloss Palantir nun fünf Quartale in Folge im Plus ab, was Geschäftsführer Alexander Karp in einem Brief an die Anleger zufrieden unterstrich. Demnach sei man nun „berechtigt für eine Aufnahme in den S&P 500“ – eine weitere hervorragende Nachricht für alle Anteilseigner des Unternehmens. Für das kommende Jahr erwartet der CEO einen Umsatz von gut $2.6 Milliarden, laut Karp spiegeln die aktuellen Ergebnisse „sowohl die Stärke unserer Software als auch die steigende Nachfrage nach Plattformen für Künstliche Intelligenz wider, die wir in allen Branchen und Sektoren beobachten“. Die Expansion von Palantir sei „so groß wie nie zuvor“ – auch, wenn man beim Umsatz nicht an die sprunghaften Wachstumsraten der vergangenen Jahre anknüpfen konnte.
KI-Programme für Militär und Gesundheit
Als dominantes Geschäftsfeld der Zukunft werden auch bei Palantir KI-Modelle ausgemacht: „Die Nachfragen für KI-Sprachmodelle seitens kommerzieller Institutionen in den Vereinigten Staaten ist ungebrochen. Jede Abteilung von Palantir fokussiert auf unsere KI-Plattform, die sich in wenigen Monaten vom Prototyp zum fertigen Produkt entwickelt hat“. Das „Momentum mit diesem Modell“ trage künftig „signifikant zu neuen Umsätzen und der Kundenakquise“ bei. Erst vor wenigen Wochen gab Palantir bekannt, mit den israelischen Streitkräften zusammenzuarbeiten und angesichts des Konflikts in Gaza eine „strategische Partnerschaft“ einzugehen, um „mit Palantir-Technologie die Kriegsanstrengungen des Landes zu unterstützen”. Damit setzt sich Palantir einer kontroversen Debatte aus: Mit der Unterstützung militärischer Projekte als Kerngeschäft handelte sich der Software-Konzern schon in der Vergangenheit Kritik ein, die Süddeutsche Zeitung bezeichnete Palantir vor einigen Jahren als „eine der umstrittensten Firmen des Silicon Valley“. Deutlich friedfertiger ist zwar die Zusammenarbeit der Firma mit dem Gesundheitssystem des Vereinigten Königreichs (National Health Service; kurz: NHS), um Patienten- und Gesundheitsdaten effizient aufzuarbeiten und systematisch auswertbar zu machen. Und doch gibt es auch hier Bedenken, zumal der Deal mit einem Konsortium unter der Ägide von Palantir mit rund $600 Millionen als größter IT-Vertrag gilt, der je im englischen Gesundheitswesen abgeschlossen wurde.
Eine ganze Reihe von englischen Ärzten zeigt sich wenig angetan vom Geschäft mit Palantir. Die Vertragsvergabe sei „zutiefst besorgniserregend“, sagte etwa Latifa Patel, Vorsitzende des Vertretungsgremiums der British Medical Association (BMA) und warnte vor Missbrauch von Patientendaten. Der Vertrag sei „mit einer horrenden Summe dotiert – Geld, das dringend für die direkte Versorgung der Patienten und für andere Bereiche der Gesundheits- und Sozialfürsorge benötigt werde würde “, die sich nach wie vor in der Krise befinden – ganz zu schweigen vom anhaltenden Personalmangel“. Die britische Gesundheitsministerin Victoria Atkins wiederum zeigt sich optimistisch und erklärte den Deal mit insuffizientem Datenmanagement: „Der NHS verwaltet Daten in unterschiedlichen Systemen, die nicht effektiv und effizient miteinander verbunden sind“. Das müsse manuell von Gesundheitsbediensteten erledigt werden und koste unnötig viel Zeit, weshalb man nun auf eine neue Plattform umsteige. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde die Palantir-Technologie NHS-intern als „Game-Changing“ bezeichnet. Sie habe „geholfen, Kliniken und Wartelisten besser zu organisieren“, resümierte Atkins.
Palantir-Aktie explodiert – wie geht’s weiter?
Schon in den letzten Tagen gingen große Tech-Konzerne wie Amazon, Microsoft oder die Google-Mutter Alphabet mit ihren Geschäftszahlen an die Öffentlichkeit. Überraschen konnten dabei vor allem Apple und Meta, ausgeprägte Euphorie an den Börsen inklusive. Ausführlich besprochen haben wir die wichtigsten Tech-Ereignisse seit Ende Januar in unserem neuen Analyse-Video auf YouTube. Dem überwiegend positiven Trend auf dem Tech-Markt folgte nun auch das Wertpapier von Palantir: Seit dem gestrigen Abend machte die Aktie einen kerzengeraden Sprung nach oben und legte dabei nachbörslich gute 20 Prozent an Wert zu. Damit notiert sie am Dienstagvormittag nur knapp unter dem Widerstand bei $20.35, der laut unserer Analyse die nächste wichtige Hürde beim weiteren Weg aufwärts darstellt. Die starken Kursgewinne sind aus technischer Sicht keineswegs überraschend, schließlich erachten wir die übergeordnete Korrektur im aktuellen Zyklus seit dem Tief Ende Dezember 2022 bei rund $6 als abgeschlossen.
In diesem Preisbereich hatten wir für die Abonnenten unseres TECH33-Pakets, das neben den wichtigsten Tech-Playern wie Apple, Meta oder Amazon auch Palantir umfasst, einen wichtigen Einstiegsbereich gesetzt, seitdem steht ein Kursgewinn von über 230 Prozent zu Buche. In der aktuellen, mittelfristigen Impulsbewegung, die laut unserer Elliott-Wellen-Zählung Anfang Januar begonnen hat, sollte der Kurs den Widerstand bei rund $20 deutlich übersteigen, auf lange Sicht rechnen wir mit Preiszielen deutlich oberhalb der $100-Marke – denn auch übergeordnet befindet sich Palantir infolge der abgeschlossenen Korrektur aus dem Dezember 2022 in einem impulsiven Aufwärtstrend. Mögliche neue Einstiegsbereiche auf dem Weg nach oben kommunizieren wir natürlich auch in den nächsten Wochen und Monaten wie gewohnt an unsere Abonnenten, denen seit dem vergangenen Wochenende auch sämtliche Sonderberichte zu allen von uns analysierten Märkten zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich um ausführliche Prognosen für die wichtigsten Werte der jeweiligen Märkte, inklusive hochwertiger Analyse-Einblicke, exklusiv zusammengestellt für die ebenso traditionsreichen wie populären HKCM-Sonderberichte!



