Hindenburg Research: Super Micro Computer unter Beschuss – was ist mit Nvidia?
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Hindenburg Research: Super Micro Computer unter Beschuss – was ist mit Nvidia?

Author

Murat Örs

Der nordamerikanische Hersteller von Hochleistungscomputern für Rechenzentren Super Micro Computer Inc. (SMCI) geriet vor kurzem ins Visier des berüchtigten Short-Sellers Hindenburg Research. Dieser ist bekannt für seine ausführlichen Berichte, in denen dunkle Ecken der Unternehmenswelt beleuchtet werden, was bereits häufig für Furore an den Finanzmärkten sorgte. So auch beispielsweise beim Krypto-Unternehmen Block von Twitter-Gründer Jack Dorsey im Herbst 2023. In ihren Berichten deckt Hindenburg Research oftmals gravierende Mängel und Verstöße von börsennotierten Unternehmen auf. In ihrem jüngsten Report kam das Unternehmen, das für seine enge Partnerschaft mit Nvidia und seine Rolle im anhaltenden KI-Hype bekannt ist, in die Schussbahn von Hindenburg Research. Der1993 in San José gegründete SMCI–Konzern sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen ausgesetzt. Hindenburg beschuldigt Super Micro der Bilanzmanipulation, unlauteren Geschäftspraktiken sowie der Umgehung von Sanktionen.  Und damit scheint der Short-Seller wohl ins Schwarze getroffen zu haben. Denn Super Micro Computer teilte nun vor der Präsentation der Quartalszahlen mit, dass man die Vorlage der Finanzberichte verschieben müsse, um Unstimmigkeiten zu klären. Die Hindenburg-Enthüllungen werfen darüber hinaus auch Fragen zur langfristigen Stabilität von SMCI und seiner Handelspartner auf.

 
SMCI, CoreWeave, Nvidia, BlackRock und Co. 

Hindenburg Research ist ein in den USA ansässiges Finanzanalyse- und Investment-Research-Unternehmen, das sich auf investigative Berichte über börsennotierte Unternehmen spezialisiert hat. Bekannt ist Hindenburg insbesondere für seine Tätigkeit als Short-Seller. Das Unternehmen veröffentlicht Berichte über börsennotierte Firmen, bei denen finanzielle oder betriebliche Missstände angeprangert werden, um in der Folge von etwaig fallenden Aktienkursen zu profitieren. Die Berichte sind sehr ausführlich und mit Quellen belegt, weshalb sie auch so häufig große mediale Aufmerksamkeit bekommen.

Die jüngsten Vorwürfe gegen SMCI ziehen weite Kreise und werfen ihren Schatten auch auf den weltweit größten Chip-Designer und KI-Giganten Nvidia. Beobachter hatten dem Hindenburg-Bericht zufolge bereits seit längerem auffälliges Verhalten festgestellt, nun steht der Vorwurf eines sogenannten Dreiecksgeschäfts im Raum. Diese Praxis soll angeblich den Umsatz von Nvidia künstlich in die Höhe getrieben haben, indem Aufträge von Unternehmen generiert wurden, an denen Nvidia selbst beteiligt ist.

Die Recherchen begannen bereits im August des vergangenen Jahres, als sich der spezialisierte Cloud-Anbieter CoreWeave eine beachtliche Kreditfazilität von $2.3 Milliarden sicherte – finanziert unter anderem von Magnetar Capital und Blackstone. Das Besondere daran: Die Mittel wurden hauptsächlich zum Kauf von Nvidia-Chips verwendet. Diese Chips, darunter der begehrte H100, dienten als Sicherheit für den Kredit, was angesichts der schnellen technologischen Alterung von Chips bereits erste Bedenken aufwarf. Ziel war es, die wachsende Nachfrage nach KI-Arbeitslasten zu bewältigen, hieß es in den damaligen Pressemitteilungen. Weitere Kreditgeber der Fazilität waren übrigens Finanzierer wie BlackRock, PIMCO und Carlyle.

Interessanterweise stammen einige der Kreditgeber, wie BlackRock, auch aus dem Kreis der größten Nvidia-Aktionäre. BlackRock, das stolze 182 Millionen Nvidia-Aktien hält, profitierte erheblich von den Entwicklungen: Als Nvidia im August 2023 seine Gewinnerwartungen um exakt $2.3 Milliarden übertraf, stieg der Aktienkurs kurzfristig um über elf Prozent. Dieser Kursanstieg brachte BlackRock Gewinne in Milliardenhöhe – bei einem damaligen Aktienkurs von $470 entsprach dies einem Wert von rund $9.4 Milliarden, was im Vergleich zum gewährten Kredit einen Gewinn von mehr als 400 Prozent ausmacht. Natürlich stellen sich hier Fragen nach möglichen Verflechtungen zwischen den Anteilseignern und dem Unternehmen selbst. Trotz der kurzfristigen Gewinne schloss die Nvidia-Aktie am Folgetag im Minus, was das ungewöhnliche Kursverhalten weiter unterstreicht. Haben die Großaktionäre hier ihre Gewinne mitgenommen? Diese Anschuldigungen konnten bislang nicht lückenlos bewiesen werden.

Aus dem Hindenburg Research-Bericht gehen noch weitere Anschuldigungen hervor: Der Hauptproduzent von SMCI, Ablecom Technologies, hat seinen Sitz in Taiwan. Der CEO, Steve Liang, ist einer der Brüder des SMCI-CEO Charles Liang. Beide zusammen besitzen rund 40 Prozent der Firma. Darüber hinaus werden im Hindenburg-Report noch weitere Unterstrukturen von (in Taiwan ansässigen) Firmen erwähnt, die zum Teil zu über 60 Prozent im Besitz der Liang-Familie sind. Alle Firmen sind geschäftlich stark miteinander verbunden und betreiben regen Handel. SMCI soll zudem auch nach dem Beginn des Ukraine-Russland-Konflikts Geschäfte mit russischen Firmen abgewickelt haben, die in sensiblen Bereichen wie Nukleartechnologie und Supercomputer tätig sind. Sollte sich dies bestätigen, wäre dies ein klarer Verstoß gegen die von den USA im Zuge der Russland-Sanktionen ausgesprochenen Exportauflagen.

Gerät jetzt auch Nvidia in den Fokus?

Die Enthüllungen um SMCI haben nicht nur für das Unternehmen selbst weitreichende Konsequenzen, sondern werfen auch ein kritisches Licht auf Nvidia, da SMCI ein wichtiger Partner des Chipherstellers ist. Obwohl Nvidia aufgrund der engen Geschäftsbeziehungen und möglicher Dreicksgeschäfte ins Visier geraten ist, gibt es bisher keine konkreten Anhaltspunkte für illegale Aktivitäten. Trotzdem werfen die Verflechtungen mit Großaktionären wie BlackRock, die erheblich von diesen Geschäften profitierten, durchaus ethische Fragen auf. Während SMCI klar im Fokus der Ermittlungen steht und mit schwerwiegenden rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen muss, bleibt Nvidia weitgehend unbehelligt.

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