Hedgefonds verzockt sich bei Milliardenwette gegen DAX-Riesen
#Global Markets

Hedgefonds verzockt sich bei Milliardenwette gegen DAX-Riesen

Author

Simeon Koch

Deutschlands Wirtschaft ist in den letzten Monaten geschrumpft und kommt nur langsam wieder in die Spur – das teilten erst kürzlich Experten des Münchener Marktforschungsinstituts ifo mit. Zwar zeigte der Deutsche Aktienindex (DAX) an diesen düsteren Prognosen zuletzt kein großes Interesse und verzeichnete zuletzt neue Rekordstände. Der britische Hedgefonds Qube Research setzt aber trotzdem auf fallende Kurse bei deutschen Börsen-Schwergewichten. Über die letzten Monate tätigte der Vermögensverwalter mit Sitz in London mehrere Leerverkäufe, deren Volumen sich mittlerweile auf rund eine Milliarde Euro beläuft. Die größte Short-Position zielt auf die Volkswagen-Aktie, aber auch die Deutsche Bank nahm Qube ins Fadenkreuz. Bisher geht die Wette noch nicht auf, beim ebenfalls geshorteten Wertpapier von Siemens Energy – trotz herben Verlusten mit guten Nachrichten und einem Aufschwung zu Jahresbeginn – stehen besonders rote Zahlen in der Bilanz. Und auch die weiteren Aussichten sind für die von Qube geshorteten DAX-Riesen laut unserer Prognose alles andere als negativ.

Millionenschwere Wetten gegen VW und Deutsche Bank

Wenn große Händler an der Börse Aktien leerverkaufen, also auf fallende Kurse setzen, müssen sie innerhalb der Europäischen Union Transparenzauflagen erfüllen. So auch der Londoner Hedgefonds Qube Research. Übersteigen die Verlustwetten 0.5 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals, müssen sie verpflichtend veröffentlicht werden. Gleich mehrere solcher großen Short-Positionen eröffnete der Hedgefonds, der 2018 aus der mittlerweile bankrotten Credit Suisse ausgegliedert wurde und mittlerweile eine zweistellige Milliardensumme an Kundengeldern verwaltet, in den vergangenen Monaten. Volkswagen macht dabei den größten Anteil aus, ganze 217€ Millionen setzte Qube auf eine negative Entwicklung bei den Stamm- und 121€ Millionen bei den Vorzugsaktien. Knapp dahinter rangieren Rheinmetall (145€ Millionen) und die Deutsche Bank, auf die erst kürzlich eine Short-Position von gut 120€ Millionen abgeschlossen wurde. Das Gesamtvolumen der Leerverkäufe, das sich in Aktienpaketen durch den gesamten DAX zieht, soll sich auf über 1€ Milliarde belaufen.

Wie von den ifo-Experten prognostiziert, geht auch Qube Research davon aus, dass steigende Energiekosten, hohe Zinsen und bescheidene Wachstumsaussichten bei geringem Exportniveau die größten deutschen Unternehmen und damit die Aktien auf dem Heimatmarkt unter Druck setzen werden. Gleichzeitig plant die Bundesregierung umfassende Reformen, um das Wachstum anzukurbeln, auch Branchekenner zeichnen kein so düsteres Bild mehr wie noch vor ein paar Monaten. Schließlich dürfte Energie wieder billiger werden, Zinsen und Inflation sollen zeitnah fallen. Während der DAX also gar nicht daran denkt, stark abzuverkaufen, erwies sich auch Qubes Wette gegen Siemens-Energy in Höhe von ganzen 134€ Millionen zumindest kurzfristig als Flop. Der gebeutelte Energiekonzern präsentierte diese Woche trotz des vergangenen Krisenjahrs überraschend positive Quartalszahlen. Das Vertrauen der Anleger kehrte zurück und Qube machte mit seiner Short-Position millionenschwere Verluste – der Kurs von Siemens Energy hat sich seit Ende Oktober mehr als verdoppelt. Dazu äußerte sich die Investmentfirma auf Medienanfragen nicht.

Verzockt Qube sich auf ganzer Linie?

Laut unserer Analyse könnte sich Qube Research noch bei weiteren Titeln die Finger verbrennen. Bei der Deutschen Bank halten wir die letzte große Korrekturwelle seit dem allgemeinen Absturz zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 für abgeschlossen. Die aktuell aufwärtsgerichtete Impulswelle sollte laut unserer primären Annahme auf Mehrmonatsebene fast zu einer Verdreifachung des aktuellen Aktienwerts führen. Demgegenüber steht eine Alternative mit moderater Wahrscheinlichkeit für einen imminenten Abverkauf vom aktuellen Kurswert von rund 12€ auf ein mittleres einstelliges Niveau. Für unsere Abonnenten haben wir in diesem Szenario eine Zielzone hinterlegt, in der nicht nur Anteile nachgekauft, sondern auch Long-Positionen eröffnet werden können, um vom folgenden Aufwärtstrend zu profitieren. Die nächste große Qube-Leerposition, die Volkswagen-Aktie, ist laut unserer Analyse gerade im Begriff, nach oben hin aus einem Bereich auszubrechen, den wir als Langzeit-Kaufchance einstufen. Starke Kursanstiege sollten auch hier in naher Zukunft auf dem Programm stehen. Siemens Energy schließlich hat durch die kürzlichen starken Anstiege einen wichtigen Widerstand durchbrochen, was auf verstärktes positives Momentum hinweist. Zwar erwarten wir nach wie vor eine Korrektur, auch hier sollte es langfristig aber deutlich nach oben gehen. Qube Research sollte sich also vorsehen.

Dabei ist die Londoner Investmentfirma mit ihrem Kalkül nicht allein. International scheinen Leerverkäufer schon länger Hochsaison zu haben. Erst Mitte Dezember hatten namhafte Marktanalysten wie das nordamerikanische Anlegermagazin Barron’s darauf hingewiesen, dass die Short-Seller so bärisch eingestellt seien wie zuletzt beim Platzen der Dot-Com-Blase Anfang des Jahrtausends oder vor der Finanzkrise 2008. Kurz darauf schrieben die großen nordamerikanischen Indizes, etwa der Standard and Poor’s 500 oder der Nasdaq neue Allzeithochs, millionenschwere Leerverkäufe wurden geschlossen, wodurch negativ wettende Händler beträchtliche Geldsummen verspielten. Und doch halten sich die bärischen Prognosen an der Börse hartnäckig – was prinzipiell nicht verwerflich ist. Denn auch wir kommunizieren unseren Abonnenten neben den Nachkauf-Bereichen auch Zielzonen auf der Oberseite, die für kurz- oder längerfristige Short-Positionen genutzt werden können, um in allen Marktphasen von der Volatilität der Preise zu profitieren. Den deutschen Leitindex analysieren wir täglich in unserem DAX-Paket, regelmäßige Updates zu den prominentesten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen, vereint im Deutschen Leitindex, bietet das DAX40-Paket.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.