Die wichtigsten Punkte
Nike hat im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2026 die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Umsatz stieg leicht auf 11.72 Milliarden US-Dollar, der Gewinn je Aktie lag bei 0.49 US-Dollar statt der erwarteten 0.27 US-Dollar. Allerdings bleibt der Nettogewinn deutlich unter dem Vorjahr, die Marge steht durch höhere Zölle und Rabatte unter Druck.
Besonders positiv entwickelte sich Nordamerika, während die Umsätze in China erneut zurückgingen. Anleger reagierten dennoch optimistisch, die Aktie legte nachbörslich zu.
Ergebnis im Überblick
Nike konnte im Zeitraum Juni bis August 2025 leicht wachsen. Der Umsatz kletterte um 1 Prozent auf 11.72 Milliarden US-Dollar. Damit lag der Sportartikelriese über den Erwartungen von Analysten, die nur rund 11.0 Milliarden US-Dollar prognostiziert hatten.
Auch der Gewinn je Aktie fiel deutlich höher aus als gedacht: 0.49 US-Dollar statt 0.27 US-Dollar. Auf den ersten Blick ist das ein klarer Erfolg. Doch hinter den Zahlen steckt auch eine andere Realität: Der Nettogewinn sank im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent auf 727 Millionen US-Dollar. Das zeigt, dass zwar mehr verkauft wurde, aber die Profitabilität unter Druck steht.
Margen unter Druck: Zölle belasten
Ein wesentlicher Grund für die sinkenden Gewinne sind zusätzliche Kosten durch neue Importzölle. Die Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Produktionskosten übrigbleibt, fiel auf 42.2 Prozent. Das sind 3.2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Nike produziert einen großen Teil seiner Waren in Asien und ist daher von Zollerhöhungen stark betroffen.
Für das Gesamtjahr kalkuliert das Unternehmen inzwischen mit 1.5 Milliarden US-Dollar Mehrkosten, zuvor waren nur 1.0 Milliarden erwartet worden. Um die Waren dennoch zu verkaufen, musste Nike außerdem stärkere Rabatte gewähren, was die Marge zusätzlich schmälert.
Regionale Entwicklung: Nordamerika robust, China schwächelt
Besonders positiv sticht Nordamerika hervor. Dort legte der Umsatz um 4 Prozent auf 5.02 Milliarden US-Dollar zu. Das zeigt, dass Nike auf seinem Heimatmarkt weiterhin eine starke Marke bleibt. Ganz anders die Situation in China: Hier gingen die Erlöse um 9 Prozent zurück, der fünfte Rückgang in Folge.
Gründe sind ein schwächerer Konsum, geopolitische Spannungen und ein harter Wettbewerb durch heimische Marken wie Anta und Li-Ning, die zunehmend Marktanteile gewinnen. Für Nike ist das ein Problem, denn China gilt als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte im globalen Sportartikelgeschäft.
Vertriebskanäle: Großhandel zieht an, Direktgeschäft schwächelt
In den letzten Jahren hatte Nike stark auf den Direktvertrieb gesetzt – also eigene Läden und Online-Shops. Doch diese Strategie zeigt aktuell Schwächen: Die Direktumsätze fielen um 4 Prozent auf rund 4.5 Milliarden US-Dollar.
Deutlich besser lief es dagegen im Großhandel, also mit dem Verkauf an Einzelhändler wie Sportketten. Dort stiegen die Umsätze währungsbereinigt um 5 Prozent. Das Management hat diese Kehrtwende bewusst eingeleitet, um wieder breiter aufgestellt zu sein. Gleichzeitig schwächelt die Tochter Converse mit einem Umsatzrückgang von 27 Prozent.
Ausblick: Vorsicht für das Feiertagsquartal
Für das laufende Quartal zeigt sich Nike vorsichtig. Erwartet wird ein leichter Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Auch die Margen werden weiter unter Druck stehen, da die Zölle und Preisnachlässe bleiben. Gerade das letzte Quartal ist für Sport- und Modekonzerne besonders wichtig, weil dort das Weihnachtsgeschäft stattfindet. Analysten und Anleger werden deshalb genau beobachten, ob Nike trotz der Belastungen stabile Verkaufszahlen liefern kann.
Strategie und Umbau: Zurück zum Sport
Nike arbeitet auch an seiner internen Struktur. CEO Elliott Hill hat angekündigt, das Unternehmen wieder stärker nach Sportarten zu organisieren, statt wie bisher nach den Segmenten Women, Men und Kids. Damit soll die Nähe zu den Sport-Communities verbessert werden. Teil dieser Neuausrichtung war auch eine Umstrukturierung, die rund 1 Prozent der weltweiten Stellen betraf.
Insgesamt waren etwa 8000 Mitarbeitende direkt oder indirekt von den Veränderungen betroffen. Ziel ist es laut Nike, wieder stärker mit Innovationen und Sportgeschichten zu punkten und die Marke emotional aufzuladen.
Wettbewerb und Marktreaktion
Nike steht unter hohem Wettbewerbsdruck. Rivalen wie Adidas profitieren von einer verbesserten Nachfrage, während junge Marken wie On und Hoka vor allem bei Laufschuhen stark zulegen. Trotzdem reagierten die Anleger auf die jüngsten Zahlen erleichtert: Die Aktie stieg im nachbörslichen Handel um rund 3.4 Prozent.
Fazit
Nike hat die Erwartungen übertroffen und wichtige Fortschritte erzielt. Dennoch bleiben Herausforderungen: steigende Zölle, schwacher Absatz in China und ein schwaches Direktgeschäft.
Der Turnaround zeigt erste Erfolge, doch er ist nicht garantiert. Entscheidend wird sein, wie gut Nike das Weihnachtsgeschäft meistert und ob es gelingt, in China wieder Boden gutzumachen. Anleger hoffen, dass die aktuelle Strategie Früchte trägt – aber die nächsten Quartale werden zum Härtetest.




