Eine überraschende Enthüllung durch Blockchain-Analysten zeigt, dass im Dezember 2020 der wohl größte Bitcoin-Diebstahl aller Zeiten stattgefunden hat – und jahrelang unbemerkt blieb. Arkham Intelligence, ein auf On-Chain-Daten spezialisiertes Analysehaus, veröffentlichte am 2. August 2025 einen Bericht, der einen spektakulären Vorfall ans Licht bringt: Aus dem chinesischen Bitcoin-Mining-Pool LuBian wurden vor fast fünf Jahren 127.426 Bitcoin entwendet. Zum damaligen Zeitpunkt entsprach das einem Wert von rund 3.5 Milliarden US-Dollar. Damit übertrifft dieser Raub in nominalem Wert selbst legendäre Krypto-Diebstähle wie den Mt.-Gox-Kollaps 2014 oder den Bitfinex-Hack 2016.
Bemerkenswert ist, dass weder LuBian selbst noch der unbekannte Hacker den Vorfall je öffentlich gemacht hatten. Die Tat blieb somit jahrelang unter dem Radar, bis Arkham nun durch forensische Blockchain-Recherchen die Puzzlestücke zusammensetzte. LuBian war im Jahr 2020 einer der größten Mining-Pools der Welt – zeitweise auf Platz 6 und mit knapp 6 Prozent der globalen Bitcoin-Hashrate. Dass ein derart großes Unternehmen fast über Nacht 90 Prozent seiner Bitcoin-Bestände verlieren konnte, ohne dass es öffentlich Aufsehen erregte, erscheint auf den ersten Blick rätselhaft. Ein Blick in die Details zeigt jedoch, wie diese beispiellose Entwendung ablief und warum sie lange verborgen blieb.
LuBians verzweifelte Rückholversuche
Angesichts des enormen Verlustes unternahm LuBian im Stillen ungewöhnliche Anstrengungen, um die Coins doch noch zurückzubekommen. Die Verantwortlichen wandten sich direkt an den unbekannten Dieb – allerdings nicht auf herkömmlichem Wege, sondern über die Blockchain selbst. OP_RETURN-Nachrichten wurden in dutzenden Bitcoin-Transaktionen versteckt, um dem Täter Botschaften zukommen zu lassen. Diese speziellen Transaktionsfelder ermöglichen es, kurze Textdaten dauerhaft in die Bitcoin-Blockchain einzubetten.
Insgesamt soll LuBian auf diese Weise rund 1.4 BTC an Gebühren ausgegeben haben, verteilt über mehr als 1.500 Micro-Transaktionen, in denen man den Hacker inständig zur Rückgabe der gestohlenen Bitcoin aufforderte. Den Analysen zufolge stammten diese Bittschriften tatsächlich vom rechtmäßigen Wallet-Inhaber – ein Indiz dafür, wie verzweifelt das Unternehmen versuchte, irgendeine Reaktion vom Dieb zu erhalten. Ob man dem Angreifer eine Belohnung oder Straffreiheit in Aussicht stellte, ist nicht bekannt. Allerdings blieb all der Aufwand offenkundig vergeblich: Eine Antwort oder gar Rückzahlung erfolgte nie.
ByBit-Hack: Eine andere Dimension der Krypto-Kriminaität
Während Arkham die Geschehnisse von 2020 aufarbeitete, erschütterte im Frühsommer ein aktueller Fall die Kryptobranche – und führte die Bedrohungspotenziale eindrucksvoll vor Augen. Die berüchtigte Hackergruppe Lazarus, hinter der nordkoreanische Staatsinteressen vermutet werden, hat in diesem Jahr einen Raubzug durchgeführt, der ebenfalls alle Maßstäbe sprengt.
Im Februar 2025 konnten Lazarus-Hacker etwa 401 000 Ether (ETH) von der großen Kryptobörse ByBit erbeuten. Der Gegenwert lag beim Bekanntwerden des Angriffs bei rund 1.5 Milliarden US-Dollar, was diesen Coup zu einem der größten Krypto-Heists aller Zeiten macht – und dem volumenmäßig größten, der je einer Handelsplattform widerfuhr. Die Hacker sind bekannt für ihre Fähigkeit, Kryptowährungen zu waschen, und arbeiten fast rund um die Uhr, um die Spur des Geldes zu verwischen.
Laut Dr. Tom Robinson, dem Mitgründer des Analysehauses Elliptic, sind Nordkoreas Cyberkriminelle „die wohl fortschrittlichsten Geldwäscher im Krypto-Bereich“. Im aktuellen Fall arbeiten sie offenbar rund um die Uhr in Schichten, unterstützt von automatisierten Tools, um die gestohlenen Krypto-Assets durch ein Labyrinth an Transaktionen zu schleusen. ByBit bestätigte, dass 20 Prozent der gestohlenen Mittel "im Dunkeln" verschwunden sind, sodass eine Rückverfolgung kaum noch möglich ist.
Auswirkungen und zukünftige Entwicklungen
Die Enthüllungen rund um den LuBian-Hack von 2020 und den ByBit-Angriff von 2025 zeichnen ein deutliches Bild: Sicherheitsrisiken bleiben eine Achillesferse der Kryptowelt, selbst da, wo man sie nicht erwartet hätte. Für die Branche und ihre Akteure – von Mining-Unternehmen über Börsen bis hin zu Anlegern – ergeben sich daraus mehrere Lehren:
Verbesserte Sicherheitsstandards: Unternehmen im Krypto-Sektor werden ihre Sicherheitsprotokolle weiter verschärfen müssen.
Transparenz und Krisenmanagement: LuBian entschied sich 2020 offenbar für Schweigen und Rückzug – wohl in der Hoffnung, den Reputationsschaden zu minimieren. ByBit hingegen hat offen kommuniziert, Kunden sofort entschädigt und Hilfe von Experten sowie Community angenommen
Internationale Kooperation gegen Krypto-Kriminalität: Sowohl im Fall des LuBian-Hacks als auch bei Lazarus’ Raubzug wird klar, dass Täter oft grenzüberschreitend agieren und klassische Rechtsräume unterwandern. Die Reaktion darauf kann nur internationale Zusammenarbeit sein.
Implikationen für Investoren und Nutzer: Für Krypto-Investoren führen diese Ereignisse einmal mehr vor Augen, dass das Ökosystem noch jung und stellenweise fragil ist. Wer in Bitcoin, Ether & Co. investiert, sollte sich nicht nur von Kursfantasien leiten lassen, sondern auch die Sicherheitskultur der genutzten Plattformen im Auge haben.




