Das Wichtigste auf einen Blick
Der digitale Euro soll Mitte 2029 als von der EZB unterstütztes Online-Wallet eingeführt werden und Bargeld ergänzen, statt es zu ersetzen. Die geplanten Haltegrenzen für Nutzerkonten sollen Einlagen begrenzen, genaue Werte stehen noch aus. Anders als programmierbare digitale Tokens kann der Euro nicht an bestimmte Bedingungen gebunden werden, er bleibt laut EZB frei einsetzbar und schützt die Privatsphäre der Nutzer. Damit will die EU Zahlungen kontrollierbar, aber zugleich nicht manipulierbar machen, während Bürger weiterhin flexibel über ihr Geld verfügen können.
Der E-Euro kommt: Was bedeutet das?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen entscheidenden Schritt bei der Einführung des digitalen Euro verkündet. „Das Vorhaben hat nun Schwung“, erklärte Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, bei einem Bloomberg-Event in Frankfurt am Dienstag, nachdem die Finanzminister der Eurozone letzte Woche beraten hatten. Cipollone sprach von einem „großen Durchbruch“ und nannte die Mitte des Jahres 2029 als realistischen Zeitpunkt für die Einführung des digitalen Euro. Die Initiative, die bereits 2021 gestartet wurde, zielt darauf ab, die Abhängigkeit Europas von ausländischen Zahlungsanbietern zu verringern.
Wie funktioniert der digitale Euro?
Konkret soll der digitale Euro als von der EZB unterstütztes Online-Wallet fungieren, das sowohl den Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln für alle EU-Bürger erleichtert als auch die Sicherheit von Transaktionen erhöht. Die Europäische Kommission hatte bereits 2023 einen Gesetzesentwurf vorgelegt, doch die Umsetzung hängt weiterhin von der Zustimmung des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates ab. Laut Cipollone müssen die drei Institutionen ihre Positionen bis Mai 2026 festlegen, bevor die Gesetzgebung beginnen kann. Nach der Zustimmung der Mitgliedstaaten plant die EZB zweieinhalb bis drei Jahren für die tatsächliche Implementierung.
Schon vor einigen Tagen hatten sich die Finanzminister der 27 EU-Staaten auf eine Roadmap zur Einführung der digitalen Währung geeinigt. Der spanische Finanzminister Carlos Cuerpo betonte: „Wir müssen ein sehr starkes politisches Signal senden, dass dies eine der obersten politischen Prioritäten ist.“ EZB-Präsidentin Christine Lagarde lobte die Einigung als „guten Schritt in die Richtung, die wir hoffen, so schnell wie möglich abzuschließen.“
Die technische Umsetzung sieht nun vor, dass der digitale Euro als einfach zugängliches Online-Wallet funktioniert, das von der EZB besichert wird. Eine Blockchain-Integration ist nicht zwangsläufig geplant. Datenschutz und Privatsphäre stehen laut den Verantwortlichen trotzdem im Vordergrund: Offline-Transaktionen sollen möglich sein, wodurch Zahlungen ähnlich anonym wie bei Bargeld durchgeführt werden können. Fabio Panetta, Gouverneur der italienischen Zentralbank, betonte: „Diese Innovation wird die aktuellen Banknoten nicht ersetzen, sondern sie ergänzen, unsere Optionen erweitern und unser Währungssystem stärken.“
Wird Bargeld jetzt abgeschafft?
Der digitale Euro soll Bargeld also nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen und ähnliche Privatsphäre ermöglichen. Auch drohe durch digitales Geld kein Eingriff in die Freiheit der Verwendung, betonte Evelien Witlox, Programmleiterin des Digital-Euro-Projekts bei der EZB. Demnach sei der digitale Euro nicht programmierbar, also nicht nur in bestimmten Fällen oder als Gutschein einsetzbar. Das heißt, dass der digitale Euro jederzeit für alle Arten von Zahlungen verwendet werden kann, ohne Einschränkungen oder besondere Vorgaben.
Für die Finanzmärkte und die Bankenlandschaft könnte die Einführung weitreichende Folgen haben. Experten erwarten, dass der Wettbewerb zwischen traditionellen Banken und Fintech-Unternehmen zunehmen wird, da beide Gruppen um die Vorherrschaft im digitalen Zahlungsverkehr kämpfen. Gleichzeitig könnte der digitale Euro die Abhängigkeit Europas von globalen Anbietern wie Visa und PayPal verringern. EZB-Mitglied Pietro Cipollone wies auf die geopolitische Dimension hin: „In einer zunehmend digitalen Welt, die neuen geopolitischen und operationellen Risiken ausgesetzt ist, müssen wir die Verfügbarkeit des Euro für alle Europäer jederzeit schützen.“
Politisch soll der digitale Euro ein Symbol für europäische Souveränität werden. Christine Lagarde sagte dazu: „Der E-Euro ist nicht nur ein Zahlungsmittel, es ist auch ein politisches Statement zur Souveränität Europas und zur Fähigkeit, Zahlungen, auch grenzüberschreitend, über eine europäische Infrastruktur und Lösung abzuwickeln.“ Der deutsche und belgische Finanzminister, Lars Klingbeil und Vincent Van Peteghem, bekräftigten die strategische Bedeutung: „Europa wird selbstbewusster und muss mit dem digitalen Euro voranschreiten“, erklärte Klingbeil. Van Peteghem fügte hinzu: „Es ist notwendig, dass der digitale Euro eine wichtige Rolle in der Welt spielt.“
EU vs. Mitgliedsstaaten: Obergrenze für E-Euro-Besitz?
Während die EZB optimistisch ist, gibt es auch kritische Stimmen. Teile der Europäischen Volkspartei favorisieren private Lösungen für digitale Zahlungen. Markus Ferber forderte jüngst sogar, das Projekt neu aufzurollen, da sich die Bedingungen und Rahmenbedingungen stark verändert hätten. Auch kommerzielle Banken äußern Bedenken: Sie sehen ihre Rolle als Intermediäre bedroht und befürchten, dass Einlagen auf die digitale Währung abfließen könnten – trotz der geplanten Haltegrenzen und der Tatsache, dass der digitale Euro selbst keine Zinsen zahlt.
Auch führen mögliche Haltegrenzen für den digitalen Euro für Kontroversen. Am Freitag haben die EU-Finanzminister einen gemeinsamen Plan verabschiedet, um derartige Obergrenzen festzulegen. Konkrete Zahlen gibt es dazu noch nicht. Laut EZB wird der Entwurf der E-Euro-Gesetzgebung nach einem Fortschrittsbericht am 24. Oktober im Europäischen Parlament diskutiert, mit der Aussicht auf ein Gesetzgebungsverfahren bis Mai 2026. Danach könnten die Mitgliedstaaten in maximal sechs Monaten die endgültigen Haltegrenzen festlegen, bevor die Implementierungsphase beginnt.




